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Bekenntnis


Das Bekennen der Überzeugung, dass ‚Jesus der Christus‘ ist

Ein bekanntes Beispiel aus der Schrift, was es mit dem ‚Christus-Bekenntnis‘ auf sich hat, findet sich im Brief des Paulus an die Römer (Kapitel 10, Verse 9+10): ‚Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum, daß er der HERR sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.‘ … soweit eine gängige Übersetzung, die allerdings zu vielen Missverständnissen beigetragen haben dürfte. Nicht, dass es gänzlich falsch wäre, es so zu übersetzen. Doch für die meisten heutigen Leser gehen entscheidende Dimensionen der Botschaft dabei unter.

Deshalb hier einmal eine etwas wortwörtlichere Übersetzung der zwei Verse, samt Anmerkungen in eckigen Klammern, die den hebräischen Kontext der Begriffe berücksichtigen:

‚Denn wenn du [über den stillen entsprechenden Wandel hinaus sogar] mit deinem Munde (als) den Herrn [auch: (als) die Grundlage (deines Lebens)] Jeschua [= den Beistand des Ewigen] bekennst, und glaubst [auch: treu bist und handelst im Bewusstsein] in deinem Herzen [auch: durch dein Herz; vermittels deines Verstandes], daß ihn Gott [= der und das Ewige] von den Toten auferweckt [auch: in Aktivität versetzt] hat, so wirst du [durch göttliches Eingreifen aus der Welt heraus] errettet (sein). Denn mit dem Herzen ist man gläubig [auch: treu] (bis) in das Gerecht-Sein hinein; und mit dem Munde ist man bekennend (bis) in das Errettet-Sein hinein.‘ (Römer 10,9-10)

All das hierin ausgesagte ist nur in seiner Fülle und Gewaltigkeit zu begreifen, wenn man ‚Jesus‘ in allen seinen Dimensionen (an) zu erkennen bereit ist. Daher hier zunächst eine Auflistung einiger seiner ‚Namen‘ und/oder ‚Titel’/Charakterisierungen: Christus/Messias/Gesalbter, Herr, König der Könige und Herr der Herren, (erstgeborener) Sohn (des lebendigen) Gottes, Wort Gottes, Sohn der Liebe (des Vaters im Himmel)/Sohn Davids, Ebenbild des unsichtbaren Gottes, Erstling der Schöpfung, Weisheit (Gottes), Richter der Lebenden und der Toten, Gesetzgeber, Friedefürst, Ewig(keits)vater, Heiland der Welt, Licht der Welt, Haupt der Versammlung/Gemeinde, Weg+Wahrheit+Leben, Brot vom Himmel, der Fels (des Heils), Hoherpriester im Himmlischen Heiligtum (nach der Ordnung MelkhiTzedeks, des Königs von Salem), der Prophet (der da kommen soll).

Versuchen wir nun, diese vielen Pinselstriche als ein Gesamtbild zu erfassen. Dazu müssen wir natürlich einen Schritt zurücktreten und die Bibel als ein vollkommenes, heiles Ganzes verstehen. Auf diesem Wege können wir uns den einzelnen Begrifflichkeiten nähern, um sie langsam in ihrer organischen Verbundenheit zu begreifen lernen.

Christus/Messias/Gesalbter: Durch die ‚Salbung‘ mit Öl werden in Israel dreierlei Funktionsträger in ihr Amt eingesetzt: Propheten, (Hohe-)Priester und Könige. Jeschua vereint alle diese drei Funktionen in sich. Ihn als den ‚Christus‘ zu bekennen, meint daher in erster Linie, dass man ihn als rechtmäßigen Herrscher anerkennt (Königtum), ihn zudem als einzige Autorität versteht, zwischen dem einzelnen Geschöpf und dem Schöpfer zu vermitteln (Priestertum), und darüber hinaus ihn als den letztgültigen Verkünder der göttlichen Wahrheit ansieht (Prophetentum).

(erstgeborener) Sohn (des lebendigen) Gottes: Als ‚Sohn‘ bezeichnet das Althebräische nicht nur den leiblichen männlichen Nachkommen, sondern auch ganz allgemein ein ‚einzelnes Exemplar eines Kollektivs‘ (‚Ben Bakar‘, wörtlich ‚Sohn des Rindviehs‘, ist zum Beispiel schlichtweg ein einzelnes Rind, gegenüber dem Kollektiv-Wort ‚Bakar‘, das für ‚Rindvieh im Allgemeinen‘ steht); und ‚Ben ha Elohim‘ (‚Sohn Gottes‘, oder ‚Sohn der Gottheit‘) kann somit auch als ‚ein einzelnes Exemplar der Mannigfaltigkeit des Göttlichen‘ verstanden werden. Indem Jeschua nun der ‚Erstgeborene‘ von solcherlei Exemplaren ist, wird darauf verwiesen, dass er in Rang und Stellung einzigartig ist und bleibt, und dies schon seit ‚vor Grundlegung der Welt‘ so bestimmt ist; dass aber dennoch seine Nachfolger ebenfalls zu ‚Kindern Gottes‘ werden (sollen), also ihm ähnlich, bis sie letztlich sogar in der ‚Verherrlichung‘ ihm gänzlich gleich werden sollen.

Ebenbild des unsichtbaren Gottes: Auch hierin zeigt sich die Wesensidentität des ‚einzelnen und ersten Exemplares‘ der Gottheit innerhalb der Schöpfung (= des Sohnes Gottes) mit der Gottheit selbst, die diese Schöpfung als ihr Schöpfer hervorgebracht hat; die Gottheit, die daher in und an sich selbst ‚unsichtbar‘ ist, nämlich als der ‚himmlische Vater‘ und Erzeuger ‚in unzugänglichem Licht wohnt‘.

Sohn der Liebe (des Vaters im Himmel)/Sohn Davids (wörtlich etwa: ‚Sohn des Gottgeliebten‘): Hiermit wird nun noch einmal näher die Art der Wesensgleichheit zwischen ‚Sohn‘ und ‚Vater‘ spezifiziert; es handelt sich bei dem ‚Sohn‘ um ein Exemplar der ‚Liebe‘ des Vaters, also um die Verkörperung dieser väterlichen Liebe selbst, die in Gestalt des ‚Sohnes‘ eine innerhalb der Schöpfung tätige Kraft des Schöpfers ist.

Wort Gottes: Diese ‚tätige Kraft des Schöpfers‘ ist seit dem ersten Kapitel der Bibel als ‚Wort Gottes‘ erkennbar, das alles in Erscheinung ruft.

Erstling der Schöpfung: Als ‚Wort Gottes‘, durch das erst alles weitere entsteht, ist diese ‚tätige Schöpferkraft‘, diese ‚Verkörperung der Liebe des himmlischen Vaters‘, der ‚Erstling der ganzen Schöpfung‘, nicht selbst ‚geschaffen‘, sondern ‚gezeugt‘.

Weisheit (Gottes): Als dieses zu Beginn von Allem Gezeugte ist die ‚Liebe Gottes‘ als ‚tätige Kraft des Schöpfers‘ gleichzeitig die ‚Weisheit Gottes‘, die ‚vor allem schon da war und durch die alles bemessen und geplant ist, was dann als Schöpfung in die Existenz tritt‘ (Siehe Sprüche Kapitel 8).

der Prophet (der da kommen soll): Nach all den bisherigen, eher ‚kosmischen‘ Aspekten des Christus, des Schöpferwortes, der Gottesliebe-Verkörperung, ist mit dem ‚Propheten, der da kommen soll‘ nun eine Bezeichnung (aus dem letzten Abschnitt der Thorah entnommen) gegeben, die gerade auf die Mensch-gewordene Dimension abzielt und das Verkündende dabei in den Vordergrund rückt: das Wort Gottes, das sich innerhalb der Menschheitsgeschichte selbst offenbart (zunächst nur durch den temporären ‚Geist Gottes‘ in einzelnen ‚gesalbten‘ Menschen wirkend) und letztlich sogar gänzlich ‚Fleisch wird‘, als Mensch unter Menschen auftritt.

Weg+Wahrheit+Leben: Gerade in seiner Menschwerdung nun zeigt sich dieses ‚Wort Gottes‘ als der einzige Weg für den Einzelnen hin zurück zum ‚Vater‘, aus dem er erzeugt worden, zur Quelle, aus der er geflossen ist; als die einzige Wahrheit mithin, die diesen einen Weg weisen kann und als das wahre Leben, das nur auf diesem Weg erreicht wird.

Brot vom Himmel: Damit also ist dieses Wort Gottes das wahre ‚Brot vom Himmel‘, das denjenigen, der sich Daraus speist, nicht mehr sterben lässt, sondern dem Es ewigwährendes Lebendigsein garantiert, also die Existenz gänzlich in die Sphäre des Ewigen versetzt, insofern sich von Ihm gespeist wird.

Ewig(keits)vater: Hiermit ist erneut verwiesen auf die Tatsache, dass die ‚Ewigkeit‘, das ‚ewige Leben(digsein)‘, allein IHN zur Quelle hat, dass Er allein es ist, der den ewiglebendigen Menschen zu zeugen vermag. Und zwar, wenn sich ‚von ihm genährt‘ wird, als vom ‚Brot des Himmels‘.

Licht der Welt: Als das ‚Licht der Welt‘ tritt die ‚Weisheit Gottes‘, die ‚tätige Liebe des Vaters‘ als sein ‚Schöpferwort‘, nun insbesondere wieder in seiner Gestalt als offenbarte Heilige Schrift auf (siehe Psalmen), wenn diese nicht als ‚toter Buchstabe‘ verkümmert, sondern im Optimalfall als kompletter fleischlicher Mensch auftritt, wie in Gestalt des Messias geschehen. Und wer ‚in diesem Licht bleibt, der wird nicht verlorengehen‘ in der Dunkelheit der (gefallenen) Welt, sondern wird – indem er eben dieses Licht als Hilfe und Wegesleuchte annimmt, dadurch sich mit dem ‚Brot vom Himmel‘ speist – ‚ewiges Leben haben‘.

Haupt der Versammlung/Gemeinde: Das Ziel dieses ‚Weltenlichtes‘ besteht dann in der Erleuchtung desjenigen Teils der Welt, der dieses Licht annimmt; das ist die ‚Gemeinde‘, bzw. die Versammlung aller ‚Heiligen‘, als deren ‚Haupt‘ das Licht fungiert (wunderschön in der Gestalt des siebenarmigen Leuchters versinnbildlicht, aus dessen mittlerem Stamm sich die äußeren Arme speisen; nicht umsonst ist in der Offenbarung des Johannes diese Menorah als Bild für die Gemeinde genutzt). Weiterhin ist hier zu beachten, dass es sich bei dem ‚Licht‘ als dem Haupt der Gesamtheit aller wahren Diener des Ewigen um nichts anderes handelt, als um das ‚Wort Gottes‘ selbst in seiner lebendigen Form, das sich in schriftlich-überlieferter Gestalt für uns Menschen konzentriert in der Thorah und in den darauf aufbauenden Schriften, und letztenendes dann in den Berichten über das leibliche Wirken des Messias, als der fleischgewordenen Thorah, die uns als bestmöglicher Leitfaden gegeben ist.

Hoherpriester im Himmlischen Heiligtum (nach der Ordnung MelkhiTzedeks, des Königs von Salem): ‚Melkhi Tzedek‘ kann sowohl als ‚König der Gerechtigkeit‘ als auch als ‚mein König ist gerecht/mein König ist (die) Gerechtigkeit‘ übersetzt werden. ‚Salem‘ entspricht ‚Schalom‘, dem Frieden, der Vergeltung, dem Ausgleich, der Harmonie, der Unversehrtheit, der Beschwichtigung. Eines solchen Herrschers Ordnung also ist es, nach der das fleischgewordene Gotteswort, die personifizierte Liebe des himmlischen Vaters, uns als erster und letzter und einziger Vermittler dient zwischen uns (als jeweils einzelnen Geschöpfen, und auch ‚uns‘ als der Gesamtheit der Schöpfung) auf der einen Seite, und dem ‚allesdurchdringenden‘ (dies eine altgriechische Nebenbedeutung von der Wortwurzel ‚pantokratein‘, für den ‚allesbeherrschenden, allmächtigen‘) Schöpfer auf der anderen. Diese Vermittlung also wird allein bewirkt durch Jeschua, die ’nach angewandter Gottesliebe‘ strebende Thorah in den Herzen all derjenigen Menschen, welche sich nach dieser Vermittlung sehnen und deshalb ‚in Christus bleiben‘ und ‚er in ihnen‘. Die Thorah, die Weisung des ewigen Gottes muss IN den Menschen sein, damit diese auch IN dieser Weisung bleiben können. Und umgekehrt. Der Geist Gottes bewohnt keinen entweihten Tempel.

Richter der Lebenden und der Toten: Wir wissen, dass der Richter am Ende der Zeit auch derjenige ist, der das Gesetz gegeben hat, und dass er entsprechend nach diesem Gesetz richten, das heißt: die Zustände berichtigen wird. Der Gesetzgeber am Berg Sinai muss demnach Jeschua selbst gewesen sein, der als der ‚Bote‘ (auch als ‚Engel‘ übersetzt) auftritt, ‚in dem der Name des Ewigen ist‘. Und da das ‚Gesetz‘ wiederum die Thorah, das Wort Gottes selbst meint, hat Jeschua (als der ‚Engel, in dem der Name des Ewigen ist‘) auf dem Berg Sinai nicht weniger als SICH SELBST gegeben als das Wort Gottes, und damit den Segen, der es uns ermöglicht, das (wahrhaftige) Leben zu wählen anstatt den Tod. Nichts desto trotz hat er uns gleichzeitig dadurch den Fluch vorgelegt, den wir wählen können, indem wir seinen Segen verwerfen und so dem Tod statt dem Leben dienen. Doch wie Paulus ausführlich darlegt, ist selbst im Fluch Gottes noch Segen enthalten, indem die Heiden erst durch die göttliche Verwerfung derer, die den Fluch wählten, zum Heil gelangen.

Heiland/Erretter der Welt: Das lebendige Wort Gottes, die tätige Liebe des Vaters im Himmel – sie ist es, die das Potential zur Errettung der ganzen Welt in sich birgt: die Wiederherstellung der eigentlich ursprünglich vorgesehenen göttlichen Ordnung, die durch die Entscheidung der Schöpfung, diesem göttlichen Willen zu widerstehen, am Anfang unserer Weltzeit zerstört worden ist (der sogenannte ‚Fall‘, erst des ‚Erzrebellen‘, jenes einst schönsten Engels, der Gott ersetzen wollte; dann auch der Fall des Menschen, der sich von selbigem zur selben Sünde verführen lässt).

Friedefürst: Auch als ‚Mächtiger Kämpfer des harmonischen Ausgleichs‘ könnte man das hebräische Wort aus Jesaja 9,6 übersetzen; der Bezug zur richtenden, berichtigenden Funktion des Gottessohnes und -wortes steht wieder im Vordergrund, sowie sein Recht, endgültig zu herrschen.

der Fels (des Heils): Der ‚Fels (des Heils)‘ ist gleichzeitig auch (wegen einer althebräischen Doppeldeutigkeit des Wortes für ‚Fels‘) die ‚Bedrängnis des Heils‘; denn der Beistand Gottes, Jeschua, zeigt sich all den Söhnen, die vom Vater geliebt sind, auch als Züchtigung, als Bedrängnis mithin, die die abirrenden Kinder wieder auf den rechten Weg zu bringen schafft. Und so ist gerade derjenige Aspekt unseres Messias, auf den wir als unsere Grundlage unser ‚Haus bauen sollen‘, anstatt auf ’sandigen Boden‘, der Aspekt der Bedrängnis, in die er uns zwangsläufig bringt, um uns endgültig entscheiden zu müssen. Wie spricht Jeschua von sich selbst: Der Fels, an dem zerschellt, wer auf ihn fällt; und der den zerschmettert, auf den er fällt. Wir haben also die Wahl, die Bedrängnis uns dienstbar sein zu lassen, oder an ihr zerstört zu werden. Denn das Wort Gottes ist bekanntlich ‚ein zweischneidiges (auch: zwei-mündiges) Schwert‘ …

Herr, Herr der Herren und König der Könige: Das althebräische Wort für ‚Herr‘ (dort, wo es auch tatsächlich in der Heiligen Schrift steht, und nicht dort, wo es die traditionellen Bibelübersetzungen auch noch hinsetzen, wo aber eigentlich der Gottesname J-H-W-H steht) lautet ‚Adon‘ und wird im Urtext exakt gleichgeschrieben wie das Wort ‚Ädän‘, was ‚Grundlage, Fundament‘ bedeutet. Mit der Bekenntnis Jesu als ‚Herrn‘ ist also immer auch gemeint, dass man ihn zur ‚Grundlage‘ hat, zum ‚Fundament‘ seines Handelns und Wandels. ‚Herr der Herren‘ könnte man demnach als Steigerung dieser Bezeichnung auffassen, als ‚Fundament aller Fundamente‘, das Grundlegendste, auf dem alles aufbaut. Und ‚König der Könige‘ oder ‚Herrscher der Herrscher‘ ist demgegenüber das Höchste in einem hierarchischen Bau, der ‚Oberste Souverän‘, der das Bauwerk bewohnt, das auf besagter ‚fundamentalster aller Grundlagen‘ erbaut ist, welche also wiederum Er selbst ist – Basis und Krönung in einem ist der ‚Herr der Herren und König der Könige‘ damit, und sein Haus auferbaut aus den ‚lebendigen Steinen‘, die ’sein Leib‘ sind.

Jeschua/Jehoschua/Jesus: Die konzentrierteste Zusammenfassung aller Eigenschaften und Charakterlichkeiten des nun ausführlich umrissenen Gotteswortes, das gleichzeitig ‚Sohn‘ des Allerhöchsten selbst ist, lässt sich am besten geben als: Jeschua, bzw. Jesus, der Name des tatsächlich fleischgewordenen Wortes, wie die Evangelienberichte von ihm berichten. Vom Hebräischen ‚Jehoschua‘ kommend (eine Kurzform desselben), bedeutet der Name ursprünglich so etwas wie ‚der Ewige (Jah/Jahwah) errettet/leistet Beistand‘, oder eben ‚der errettende Beistand des Ewigen‘. Die Kurzform ‚Jeschua‘ ist dann sogar gleichlautend mit dem Wort ‚Errettung; Heil‘ selbst. Die leibhaftige Verkörperung des Gottessohnes im tätigen Leben eines Menschen offenbart sich also ihrem Wesen nach als der ‚heilsame Beistand des Ewigen‘ schlechthin. Auch beachtenswert scheint, dass der ‚Heilige Geist‘, der ‚Geist der Heiligkeit‘, das heißt: der Geist des für-Gott-aus-der-profanen-Welt-heraus-abgesondert-Seins, neben seiner schlichten Charakterisierung als ‚Geist Gottes‘ überhaupt, auch als ‚Beistand‘ (griechisch: parakleitos) bezeichnet wird, der vom Vater im Himmel herabgesandt wird. ‚Wort‘, ‚Geist‘ und ‚Liebe‘ Gottes sind also eins in der Wirksamkeit innerhalb der Schöpfung, als der ‚Sohn‘ der ansich unbeschreibbaren Mannigfaltigkeit Gottes; und als ein leibhaftiger Mensch auftretend, bzw. in einem leibhaftigen Menschen zumindest partiell wirkend, sind ‚Wort, Geist und Liebe‘ des Ewiglebendigen der direkte, errettende Beistand dieses Ewiglebendigen selbst, wie er in seine Schöpfung eingreift, wie er als ‚Person‘ einem jeden entgegenzutreten vermag. ‚Person‘ – das Wort kommt von Lateinisch ‚per-sonare‘, dem ‚Hindurch-Tönen‘, und zwar speziell das Hindurch-Tönen der Stimme eines Charakters im Theaterstück, die durch die ‚Maske des Schauspielers‘ (ebenfalls als ‚persona‘ bezeichnet) ‚hindurchtönt‘ und sich vermittels ihrer erst dem Betrachter und Zuhörer zu erkennen gibt. Im Hebräischen kommt unserem Wort der ‚Person‘ noch dasjenige am nächsten, was man als ‚Angesicht(er)‘ zu übersetzen gewohnt ist (Hebräisch: ‚Panijm‘, beispielsweise bei den ‚Schaubroten‘ in der Stiftshütte, auch als ‚Brote des Angesichts‘ übersetzt; hebräisch ‚Lechem Panijm‘). Dieses Wort ‚Panijm‘ kommt von einer Verbwurzel ‚P-N‘, die als ‚(hin-/ab-)wenden‘ übersetzt werden kann; das ‚Angesicht‘, die ‚Person‘ also ist dem hebräischen Verständnis nach etwas, das sich einem zu- und/oder abwendet. Wie der Beistand des Ewigen eben auch sich uns zuwendet, oder sich von uns abwendet, je nach Wahl, die wir in jedem neuen Moment unserer individuellen Existenz treffen.

Zum Bibelwort zurückkommend, das zu Beginn dieses Artikels steht, können wir nun das Ganze sehr viel tiefer verstehen. Mit dem ‚Lippenbekenntnis‘, dass ‚Jesus der Herr‘ ist, und dem ‚Herzensglauben‘, dass dieser Herr von den Toten auferweckt, also in die lebendige Aktivität (zurück) geholt worden ist, muss sehr viel mehr gemeint sein, als das wohl allgemein darunter vermutete.

‚Lippenbekenntnis‘ klingt heute sehr flach und oberflächlich, weil kaum mehr jemand ernsthaft jedes einzelne Wort für gewichtig hält, das er selbst oder ein Mitmensch im Laufe seines Lebens so von sich gibt. Aber in einer Zeit, da man für die Verweigerung eines Treueschwurs auf den herrschenden Kaiser zum ganz handfesten Tode verurteilt wird, da wird das ‚Bekenntnis mit den eigenen Lippen‘ etwas durchaus schwerwiegendes sein, etwas, das geradezu logischerweise auch mit sich bringt, dass man sein gesamtes Handeln nach einem solchen Bekenntnis ausrichtet – weshalb sonst hätte man ein solch großes Risiko eingehen sollen, dieses gesamte Handeln (das vielleicht für sich genommen noch unauffällig bleiben könnte, um Strafe auszuweichen) so wortwörtlich ‚ausdrücklich‘ vor sich her zu tragen? Da aber in unserer Zeit und Gesellschaft ein ’nur‘ in Worten ausgedrücktes Bekenntnis leicht nicht ernst genommen wird, sollte die Betonung heute vielleicht eher auf gerade den Begleitumständen dieses Lippenbekenntnisses liegen, die damals ganz selbstverständlich mit besagtem Lippenbekenntnis einhergingen, heute aber wohl GERADE dasjenige am Bekenntnis erst ausmachen, das es auch wahrgenommen und vor allem ERNSTgenommen werden lässt: nämlich der auch äußerlich gelebte, demonstrativ verkörperte Wandel, der sich in dem Lippenbekenntnis dann ’nur‘ konzentriert, in einen sprachlichen Begriff fassen lässt, den wir Menschen zur inneren Einordnung des Wahrgenommenen eben brauchen. Sofern dieses Lippenbekenntnis also keine Heuchelei ist, bringt es zwangsläufig auch den entsprechenden Wandel mit sich. Und dieser tatsächliche Wandel ist es dann, der laut den zwei Paulus-Versen ‚zum Heil‘ führt, der den ‚Bekennenden in das Errettet-Sein hinein bringt‘. Denn dieses besteht im Frei-Sein von der ‚Sünde‘, welche definiert ist als ‚Gesetzlosigkeit‘, also als die Übertretung des Gesetzes, der Thorah, der Weisung des Ewigen (siehe 1. Johannes 3,4).

Und der im Eingangsvers erwähnte ‚Herzensglaube‘ ist ebenfalls aus dem ursprünglichen Denken zu begreifen; er ist nicht als bloßes ’naives Für-wahr-Halten‘ zu verstehen, sondern als Vertrauen, Gefestigt-Sein und Treue des ‚Herzens‘; und mit dem ‚Herz‘ meinte sowohl alter Hebräer als auch alter Grieche stets mehr als die heute damit assoziierten ‚Gefühle und Emotionen‘ … vielmehr war das Herz begriffen als der Sitz des Verstandes und des Empfindens, ungefähr im Sinne dessen, was wir heute als ‚gesunder Menschenverstand‘ bezeichnen würden. Nichts unfehlbares, aber doch etwas, das des Menschen Denken und Handeln zwangsläufig bestimmt, mehr als jedes vollbewusste Resümieren. Also nicht das reine ‚Kopfdenken‘ findet sich im ‚Herz‘ des Hebräers und Griechen, nicht das Kopfdenken von uns heutzutage, das sich in jedem Gedankengang selbst Zeugnis über die vollzogene Logik ablegt; sondern im Herz angesiedelt ist für den Menschen des Altertums ein natürliches Ab- und Einschätzen, geleitet von gemachten Lebenserfahrungen und der natürlichen Weltverbundenheit des Menschen, das niemals losgelöst von der erlebten Wirklichkeit, völlig ‚abstrakt‘ vonstatten geht.

Der ‚Herzensglaube an etwas bestimmtes‘ ist deshalb in diesem Sinne zu verstehen als ‚das unerschütterliche Gefestigt-Sein in und Vertrauen auf eine bestimmte Tatsache, die sich dem Betreffenden aus einem natürlichen Verstehen der erlebten Wirklichkeit für schlichtweg gegeben erweist, woraus sich dann ein treues Handeln ergibt, das diese erfahrene Tatsache möglichst in jeder Hinsicht berücksichtigt‘.

Und DIESER Herzensglaube ist es dann, der laut Paulus ‚in die Gerechtigkeit hinein‘ führt denjenigen, der ihn hat. Denn allein das Bekenntnis der Herrschaft Jesu im eigenen Leben, des ‚Wortes Gottes‘, als des lebendigen Beistands durch den und das Ewige; dieses Bekenntnis durch den eigenen Wandel bis hinein ins wortwörtliche ‚Lippen‘-Bekenntnis – das allein KANN den Menschen nicht tatsächlich erfolgreich diesen Wandel bestreiten lassen, so sehr er es auch aufrichtig versuchen mag, da der Mensch ‚von Natur aus‘, ‚in seinem angeborenen Herzen‘ einfach SCHLECHT ist, als das gefallene Wesen, das er nun mal ist. Deshalb muss, um auch tatsächlich in Gerechtigkeit wandeln zu können, bis in das so sündhafte menschliche Herz hinein erkannt sein und darauf vertraut werden, dass das Ewige seinen ‚persönlichen‘ Beistand für jeden Einzelnen bereits vollständig ‚zur Aktivität‘ gebracht hat, ‚von den Toten auferweckt‘ hat. Dass mithin das einzige, das diesen Beistand individuell noch nicht in Vollendung wahrnehmen lässt, besagtes ‚Böses im menschlichen Herzen‘ sein muss. Und dieser Prozess, durch den dann dieses Böse mehr und mehr ausgetrieben und ausgetilgt wird im einzelnen Herzen, durch den also ‚das Gesetz Gottes‘ direkt ‚ins Herz geschrieben‘ wird, dieser Prozess entfaltet sich als die eigentliche ‚Apokalypse Jesu Christi‘, zu deutsch: ‚die Aufdeckung/Offenbarwerdung des zur Königsherrschaft (über alle individuellen Lebens- und Seelenkräfte) gesalbten Beistandes durch das Ewige‘ im persönlichen Leben des Gläubigen. Wobei insbesondere an einem entscheidenden Punkt offenbar wird, dass die Anwesenheit, die Präsenz (griechisch: paraousia) Jesu Christi niemals aufgehört hat, seit er eben ‚von den Toten auferweckt worden ist‘. Hat er nicht selbst versprochen: ‚Ich bleibe bei euch bis ans Ende aller Tage‘?! Nur fällt es uns Menschen sooo schwer, so eine Frohe Botschaft, dieses Evangelium des Reiches Gottes, einfach zu glauben und auf seine Unumstößlichkeit zu vertrauen. Wir wollen immer erst irgendetwas Wundersames ’sehen, um glauben zu können‘ – nicht in Betracht ziehend, dass wir viel mehr ‚glauben müssen, um (all das Wunderhafte um uns herum) sehen zu können‘, das längst da ist … als das ‚Hindurch-Tönen‘ der Stimme, als die ‚Hinwendung‘ des Angesichts jenes lebendigen Beistandes unseres Schöpfers, des Ewigen Gottes.

Glaube


‚Glaube‘: Vertrauen, Gewissheit, Treue.

Kurz und knapp: ‚An die Bibel glauben‘ bedeutet nicht in erster Linie ‚die traditionell interpretierten wortwörtlichen Übersetzungen der ursprünglich hebräischen und griechischen Urtexte als historische Tatsachenberichte für WAHR in einem formal-logischen Sinn zu halten‘.

Dies ist lediglich eine ab einem gewissen Punkt natürliche Konsequenz, allerdings in erster Linie von ‚methodischer‘ Wichtigkeit. Was aber die ‚Überzeugung‘ angeht, nach der man sein ganzes Leben auszurichten gedenkt … da reicht kein abstraktes ‚Für-Wahr-Halten‘, da geht es vor allem um VERTRAUEN auf die unermessliche Fülle an geistig-seelischem (und durchaus auch das körperliche Wohlbefinden begünstigenden) Beistand, der aus den (Ur-)Schriften der Bibel quillt; da geht es außerdem um GEWISSHEIT, dass ein von Herzen kommendes Studium dieser Schriften einem selbst und den Mitmenschen zu Gute kommt, wie nichts sonst einem selbst und den Mitmenschen zu Gute kommt; und da geht es zudem sehr um TREUE, auch in seinem Alltagshandeln und in seinem ganzen Lebensentwurf möglichst den Prinzipien entsprechend zu leben und zu wirken, die sich aus dem Bibelstudium für einen selbst individuell ergeben.

Ist ein derartiges ‚Glauben‘ an die Heilige Schrift vorhanden, so hat man die Bibel in der Tat zu seinem Fundament, als die Grundlage seines Lebens. Und das Wort ‚Grundlage, Fundament‘ wird im Althebräischen exakt identisch geschrieben, wie das Wort für ‚Herr‘. Wenn also das eigene Leben im Fleische Zeugnis von einem Wandel nach der Bibel gibt, dann hat man als den ‚Herrn‘ seines Lebens ganz wortwörtlich das ‚Wort Gottes‘ angenommen; und ‚fleischgeworden‘, also nicht als bloß ‚toter Buchstabe‘, ist dieses ‚Wort Gottes‘: Jeschua, der Messias.

Taufe


Die Wassertaufe als Symbol und Bekenntnisakt

Die ‚Taufe im Namen Jesu Christi‘ ist einer der wohl bekanntesten äußerlichen Bekenntnisakte, und gilt nicht unverdient als wohl wichtigster Bekenntnisakt. In wie fern dies auch aus der Schrift zu rechtfertigen ist, soll im Folgenden geprüft werden, anhand unterschiedlicher Betrachtungsweisen.

Zuerst: Schon in der Apostelgeschichte, den Berichten von den Erlebnissen und Gepflogenheiten der ersten ‚christlichen‘ Gemeinschaften, ist von der Wassertaufe als einem äußerlichen Bekenntnisakt die Rede. Statt findet diese Taufe in der Regel dann konkret zu Beginn der Beteiligung an der Gemeinschaft derjenigen, die sich als die ‚Nachfolger des neuen Weges‘, bzw. als Nachfolger des Messias Jesus begreifen. Beispiele in den Berichten der Taten der Apostel finden sich an den Stellen Apostelgeschichte 2,38; 8,16; 8,31; 10,48; und in besonderer Akzentuierung in Kapitel 19,1-7, wo der Unterschied zwischen der ‚Taufe des Johannes‘ (= nur ein Ritual als äußere Begleitung der innerlich erfolgenden ‚Umkehr‘) und der ‚Taufe auf den Namen Jesu Christi‘ (= zur Teilhabe, oder als Symbol dieser Teilhabe, am ‚Geist der Heiligkeit‘, nach der bereits erfolgten Umkehr).

Die Symbolik des ‚Getauftwerdens‘ wird dann auch in den Briefen des Paulus mehrmals angesprochen und näher ausgeführt. In Römer 6,3-6 heißt es besonders ausführlich (in der recht wörtlich gehaltenen Elberfelder Übersetzung): ‚Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein; da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.‘

Und in seinem Schreiben an die Christusgläubigen in Galatien: ‚Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.‘ (Galater 3,27) Und noch einmal nimmt er auf die Tauf-Symbolik Bezug im ersten Korintherbrief: ‚Denn in EINEM Geist sind wir alle zu EINEM Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit EINEM Geist getränkt worden.‘ (1. Kor 12,13)

Die entscheidenden Aspekte, die aus den Paulus-Zitaten hervorgehen, sind also: Identifizierung des Getauften mit dem Tod Christi, um dadurch auch mit Ihm ein ganz neues Leben zu führen; mit Christus ‚bekleidet zu werden‘, wodurch man also dann ‚in Christus‘ ist, in der lebendigen Thorah wandelt; Einfügung des Getauften in die Gemeinschaft der Gläubigen, die von dem EINEN gemeinsamen Geist erfüllt sind, wodurch der Einzelne also in den ‚EINEN Leib‘ integriert wird, von nun an lebendiges Glied dessen ist.

Als ein archetypisches Bild ist nun Wasser allgemein mit dem Begriff von ‚Zeitlichkeit‘ verknüpft. Besonders fließendes Wasser erinnert den Menschen scheinbar instinktiv an den ständigen (Ver-)Fluss seiner Lebenszeit, den ständigen Wandel der Verhältnisse und an die Unumkehrbarkeit dessen, was bereits ‚verflossen‘ ist. Dieser Gesichtspunkt des Wassers kann auch im Bezug auf die Taufe gesehen werden: In der Welt der Zeitlichkeit ist es, wo der Gläubig-Gewordene (wie sein Messias auch, der extra dafür in die Zeitlichkeit getreten ist) sterben muss, um dann aus dieser Zeitlichkeit heraus aufzutauchen, sich über diese Zeitlichkeit zu erheben in Richtung der Ewigkeit.

Ein weiterer wichtiger, in der Schrift auch gut belegter Aspekt der Wasser-Symbolik liegt in der Rede vom ‚lebendigen Wasser‘ als der Lehre des Messias und als der Trank, der ewiges Leben verleiht (Johannes 4,6-15; 7,38).

Typischerweise wird eine Wassertaufe nun auch in ‚lebendigem‘ Wasser (dies die alttestamentliche Formulierung für ‚fließendes‘ Wasser) vollzogen; oft mit der Assoziation, dass durch den Fluss des Wassers erst ‚das alte Leben‘, bzw. ‚die Sünden‘ abgewaschen, mitgerissen und somit fortgespült werden.

Ein damit zusammenhängendes Motiv kann man in der biblischen Sintflutgeschichte erkennen, wo ebenfalls durch flutendes Wasser das ‚Böse‘ von der Erde vertilgt wird. Hierzu schreibt entsprechend auch Petrus in seinem ersten Brief: ‚[…] als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurchgerettet wurden. Das Abbild davon errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe – nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen – durch die Auferstehung Jesu Christi.‘ (1. Petrus 3,20f) Man legt also nicht selbst, aus eigener Kraft die ‚Unreinheit des Fleisches‘ ab, sondern bittet Gott darum, sie einem zu nehmen. Und er wird es tun, wie er es mit der Sintflut für die ganze Erde getan hat.

In der Lebensgeschichte der sogenannten ‚Patriarchen‘ des Volkes Israel – Abraham, Isaak und Jakob – findet sich dann ein weiterer Vorschatten des Tauf-Geschehens des Erneuerten Bundes: Der Kampf des Jakob mit ‚dem Mann‘ an der Jabbok-Furt (Genesis 32,24ff), in dessen Folge unser Vater Jakob erst seinen neuen Namen ‚Israel‘ verliehen bekommt und damit die ‚Patriarchen-Erzählungen‘ erst zu dem werden können, was sie heute sind; zur Lebensgeschichte der Erzväter des Volkes ISRAEL. Dieses Geschehen am Fluss Jabbok gestaltet sich bekanntlich derart, dass Jakob allein zurückbleibt, nachdem er seine Familie mitsamt seiner Habe bereits über den Fluss geleitet hatte. Und wie ‚aus heiterem Himmel‘ geschieht es dann, dass ‚ein Mann mit ihm am ringen ist bis zur Morgenröte‘ (Vers 32). Und das Ergebnis dieses Kampfes, der mit einer Art ‚Unentschieden‘ ausgeht, ist dann, dass der ‚Mann‘ (= offensichtlich kein ‚Mann‘ aus Fleisch und Blut, sondern eine Art himmlisches Botenwesen, über dessen genaue Natur und Identität in der Tradition immer wieder spekuliert wird) Jakob segnet und ihm den Namen ‚Israel‘ verleiht (Vers 28) mit der Begründung, dass Jakob ‚mit Göttern (oder ‚mit der Gottheit‘) und mit Menschen gekämpft und bestanden‘ habe (offensichtlich eine Anspielung auf eine der vielen Bedeutungsnuancen des Hebräischen Wortes ‚Jissrael‘ oder ‚Jischrael‘, bzw. J-Sch-R-A-L; ~ ‚er bekämpft die Gotteskraft‘). Außerdem ’schlägt er Jakob auf die Hüfte‘, wodurch Jakob dann ‚hinkt‘ (siehe Verse 25 und 31). Zusammenfassend lässt sich vor dem Hintergrund der Tauf-Symbolik nun also sagen: Jakob überquert ein fließendes Gewässer, bringt zunächst sein weltliches Gut hinüber, und bleibt allein zurück, gerät dann in einen Kampf mit einer himmlischen Gestalt, im Verlaufe dessen er an seiner ‚Hüfte‘ (häufig ein Euphemismus für den ‚fleischlichsten‘ Teil des menschlichen, besonders des männlichen Fleischesleibes …) geschlagen wird, wodurch diese Stelle seines Fleisches (also symbolisch sein Fleisch insgesamt) geschwächt wird, was sich bis in seinen Wandel hinein sichtbar ausdrückt (‚hinken‘). Und dadurch wird er mit einem ’neuen Namen‘, also einem neuen WESEN ausgestattet und legt damit die Grundlage für das ‚Eigentumsvolk Gottes‘, dessen Urvater er sein wird. In ähnlicher Weise wird für uns heute die Taufe Jesu Christi ein Hinüberschreiten über das ‚Fließen des Wassers‘ (Verfließen der Zeitlichkeit des materiellen Lebens) sein, um auf die andere Seite ans ‚Trockene‘ (in die ‚Ewigkeit‘) zu gelangen; diesen Weg allein gehend (ohne unsere weltliche Habe, ein jeder für sich selbst), dabei ‚einen Kampf kämpfen‘ müssend, der in der ‚Schwächung des eigenen Fleisches‘ endet und uns bereit macht, ein ’neues innerstes Wesen‘ zu empfangen, das uns ‚zu einem Teil des Volkes Gottes‘ (Israels) macht.

Den Geschichtsberichten der Thorah nach der Sintflut und den Patriarchen-Erzählungen weiter folgend, gelangt man im zweiten Buch Mosis dann an die Erzählung des Passah-Ereignisses, also an den Bericht von der Befreiung der Kinder Israels aus dem sie knechtenden Ägyptenland durch die mächtige Hand ihres Gottes. An die erste Flucht aus dem Reich Ägyptens schließt sich dann eine Verfolgungsjagd in der Wüste an, im Verlauf derer die Israeliten auf wundersame Weise im Trockenen durch das sogenannte ‚Schilfmeer‘ ziehen, die ihnen nachjagenden ägyptischen Streitwagen aber in den wieder zurückkehrenden Fluten zu Tode kommen. Auch in dieser Begebenheit also trennt eine reißende Wasserflut das ‚Böse‘ vom Guten ab und vernichtet es, um dem Guten ein neues Leben, frei von dem Bösen, zu ermöglichen. Interessant zu erwähnen ist hierbei noch, dass das ‚Schilfmeer‘ im Hebräischen der Bibel ‚Jam Suph‘ genannt wird, was identisch geschrieben ist, wie ‚Jam Soph‘, was ‚Meer des Endes‘ bedeuten würde.

Ein weiterer Reflex dieser Symbolik des ‚Durchs-Wasser-Gehens‘ zeigt sich dann rund 40 Jahre später, beim Zug der Kinder Israels durch den Jordan-Fluss (Hebräisch ‚Jarden‘, ‚Hinabsteigendes‘) unter Jehoschua (siehe das Buch Josua Kapitel 3 und 4), als sie ‚gegenüber von Jericho‘ erstmals das ‚Verheißene Land‘ erreichen. Diesmal müssen keine (äußeren) Feinde mehr abgeschüttelt werden, sondern es muss lediglich das Vetrauen bewiesen werden, dass die ‚Lade des Bundes‘, mit dem Zeugnis der Worte Gottes darin, die Wasser (also die ‚Zeitlichkeit‘) so lange aufhält, bis die Israeliten ‚im Trockenen‘ (= vermittels des Ewigen) diese Grenze zum ‚Gelobten Land‘ überquert haben. Und direkt im Anschluss kommt es dann (in Kapitel 5 des Buches Josua) zur kollektiven Beschneidung der Kinder Israels; also wird nun im Anschluss an diese Art der Taufe ‚das eigene Fleisch‘ beschnitten, das heißt: das eigene Fleischliche wird nun auch ‚tatkräftig‘ begrenzt.

Bekannt ist das Untertauchen in Wasser dem Volk Israel auch schon als rituelles Bad (heute genannt eine ‚Miqweh‘) im levitischen Ritus, das als ein Reinigungsritual dient, wenn sich ein Mensch ‚kultisch verunreinigt‘ hat, bzw. wenn er unverschuldet verunreinigt wurde (zum Beispiel im Falle der Berührung eines Toten, nach der monatlichen Ausschwemmungs-Blutung der Frau und nach einem außer-verkehrlichen Samenerguss des Mannes; letztere beide sind körperliche Vorgänge, die jeweils mit einem ‚ins-Nichts-Gehen‘ von Reproduktions-/Lebenskraft einhergehen, und dadurch ebenfalls mit dem Tod assoziiert sind).

Und da der Mensch als gefallenes Wesen in einer gefallenen Schöpfung ständig in Kontakt mit dem Tod kommt, welcher aus göttlicher Perspektive das Leben grundsätzlich bedroht und das Lebendige ‚verunreinigt‘, ist es wohl naheliegend, dass das Untertauchen in Wasser, die ‚Miqweh‘ oder ‚Taufe‘, auch für denjenigen Propheten, den wir heute ‚Johannes den Täufer‘ nennen, bildhaftes Mittel seiner Berufung ist, um die Menschen in ihrer Umkehr aus ihren toten Werken zurück zum göttlichen Leben zu unterstützen. So gipfelt Israels Bekanntschaft mit dem Prinzip der Taufe also in der Jordan-Taufe des Messias Jeschua durch besagten ‚Täufer‘.

Und wie sich da der Geist Gottes, ‚wie eine Taube‘ auf ihm niederlässt, so sollen auch wir als seine ‚Jünger‘ (= Lehrlinge) in möglichst jeder Hinsicht seinem Beispiel folgen – also sollen auch wir im Wasser getauft werden und den Geist Gottes empfangen. Nur folgerichtig deshalb, dass dies auch noch einmal als ausdrückliches Gebot vom Messias an seine engsten Vertrauten gerichtet wird: als der sogenannte ‚Taufbefehl‘ (siehe Matthäus 28,18-20; Markus 16,15f), der dann im Wirken der Apostel zur ersten Entfaltung gelangt.

 

Sabbat


Der wöchentliche Sabbat-Tag als Bündniszeichen

Eines der grundlegendsten ‚äußerlichen‘ Zeichen des Bundes eines (und aller) Menschen mit dem Gott Israels, dem Schöpfer von Himmel und Erde, ist das Heiligen des (vor allem wöchentlichen) Sabbat-Tages (Exodus 20,8-11; Deuteronomium 5,12-15). Das Sabbat-Gebot ist mit vier Versen das ausführlichste der sogenannten ’10 Gebote‘, und verweist ausdrücklich auf seinen Ursprung ganz zu Beginn der Schöpfung, als der Schöpfer selbst sechs Tage lang sein Werk verrichtete (Genesis Kapitel 1) und ‚am siebenten Tag ruhte‘ (Genesis 2,2f).

Auch jenseits der Schöpfungsgeschichte und der Zehn Worte auf den steinernen Tafeln, die Moscheh am Berg Choreb für uns empfangen durfte, findet sich der Verweis auf den Sabbat-Tag und die Betonung der Gewichtigkeit dieses Bundeszeichens immer und immer wieder in der Thorah (und auch immer und immer wieder in den Propheten).

Der Tradition des jüdischen Volkes nach (und eigentlich auch der gesamten ‚westlichen‘ Tradition nach, wenn auch meist unausgesprochen oder nur in den sprachlichen Ursprüngen der Wochentagsbezeichnungen verschiedenster europäischer und vorderasiatischer Sprachen mehr oder weniger tief verborgen) ist mit dem biblischen ‚Sabbat-Tag‘ ganz eindeutig derjenige Abschnitt der Woche gemeint, der gemeinhin heute ‚Samstag‘ genannt wird. Oder um genau zu sein: der Zeitabschnitt von ‚Freitag‘-Sonnenuntergang bis ‚Samstag‘-Sonnenuntergang (da schon in der Schöpfungsgeschichte die Tage jeweils mit dem Abend beginnen).

Dennoch hat es die ‚kirchliche‘ Tradition des sogenannten ‚Christentums‘ fertiggebracht, die breite Masse davon zu überzeugen, dass es für einen Christenmenschen angemessen sei, statt dieses so verstandenen Sabbat-Tages lieber einen ‚Sonntag‘ für den von Gott verordneten wöchentlichen Feiertag zu halten. Die argumentativen Begründungen dafür verdienen ob ihrer Lächerlichkeit an dieser Stelle keinen Platz erwähnt zu werden. Lediglich sei gesagt, dass die katholische Kirche selbst einmal (nicht ohne geradezu hämischen Stolz) festgestellt hat, dass die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag in keiner Weise durch die Heilige Schrift selbst zu rechtfertigen sei, und diese Verlegung deshalb ein schlagender Beweis für die ‚Autorität der Kirche‘, als die noch wichtigere der zwei Säulen der ‚Wahrheit‘ (neben der Heiligen Schrift), sei. Natürlich kann so viel Ehrlichkeit den einfachen Menschen aus Sicht der Weltbeherrscher nicht zugemutet werden, sodass zum Beispiel im Wikipedia-Eintrag zum ‚Sonntag‘ diese Begründung nicht zu finden ist.

Jedenfalls besteht kein Zweifel daran, dass unser Messias selbst den Sabbat nach herkömmlichem Verständnis datiert hat und ihn entsprechend der schriftlichen Thorah bewahrt und geheiligt hat, als er auf Erden im Fleisch wandelte (z. B. Lukas 4,16; 4,31). Abgegrenzt hat er sich dabei von damaligen (und vermutlich auch manch heutigen) jüdischen Gelehrtenmeinungen betreffend die genaue Art der Heiligung dieses Tages. Ihm war besonders wichtig, den Tag als ‚für die Menschen‘ geschaffen zu begehen, und ihn nicht als eine Bürde den Menschen auferlegt zu begreifen (wie es ja auch eindeutig aus dem Sabbat-Gebot in den Zehn Worten hervorgeht).

Auch die Apostel haben offenkundig den Sabbat mit einer Versammlung der Gläubigen geheiligt, und dabei auch insbesondere mindestens eine bestimmte jüdische Tradition für geradezu essentiell erachtet: nämlich die Gepflogenheit, in der Versammlung einen Abschnitt der Thorah vorzulesen und zu lehren (siehe Apostelgeschichte 15,21), auch, um dadurch den Heidenchristen zu ermöglichen, nach und nach alle Details der Richtlinien eines göttlichen Wandels kennenzulernen, nachdem zu Begin ihres Glaubenslebens ihnen ‚keine unnötigen Lasten auferlegt‘ werden sollten (Apostelgeschichte 15,28f). Den Evangelienberichten ist zudem zu entnehmen, dass auch damals schon zusätzlich zu diesem Thorah-Abschnitt ein Abschnitt aus den Prophetenbüchern vorgelesen wurde, wie es Christus in der Synagoge von Nazareth tat (Lukas 4,16ff).

Entsprechend ist es naheliegend, auch für uns heute die Empfehlung anzunehmen, der jüdischen Tradition folgend jeden Sabbat die sogenannte ‚Parashah‘ (Abschnitt [der Thorah]) und gegebenenfalls auch die zugehörige ‚Haphtarah‘ (Ergänzung [des Thorahabschnitts durch einen Abschnitt aus den Propheten]) zu lesen und sich mit diesen Texten näher auseinanderzusetzen – am besten auch vor dem Hintergrund der Worte des Messias und der Apostelbriefe, und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Messias als Demjenigen, wovon die ganze Thorah spricht, laut seiner eigenen Aussage (Johannes 5,39; 5,46). Schließlich sind die alten Hebräischen Schriften (das ‚Israel offenbarte Wort Gottes‘) so etwas wie die ‚Theorie‘, zu der der Messias (das ‚fleischgewordene Wort Gottes‘) dann die ‚Praxis‘ verkörpert.

Kann es nun also ein Verständnis geben für das Festhalten heutiger ‚Christen‘ an der ‚Sonntags-Heiligung‘? Wie immer gilt es, die Herzenshaltung dahinter als entscheidenden Faktor zu erkennen. Und wie diese Herzenshaltung im Konkreten aussieht, kann kein Mensch von Außen mit letzter Gewissheit beurteilen. So bleibt es also Sache des Einzelnen und seines Verhältnisses zu seinem Schöpfer, zu dem, der ‚Herzen und Nieren prüft‘. Wer guten Gewissens behaupten kann, dass für ihn der Sonntag dasjenige ist, was mit dem ‚Feiertag‘ (eine durchaus richtige Übersetzung des Hebräischen ‚Jom ha Schabbath‘) in den ‚Zehn Geboten‘ gemeint ist, der liegt zwar aus Sicht des hier Schreibenden immer noch falsch – doch selbst falls dies so ist: er kann eines Tages angesichts seines Herrn dann zumindest ‚Unwissenheit geltend machen‘ (siehe etwa Lukas 12,48). Jedoch zumindest sollte er dann vielleicht seinen Sonntag möglichst so heiligen, wie der Messias den Sabbat geheiligt hat, als er auf Erden wandelte, entsprechend der Thorah des Moscheh; und nicht entsprechend der Tradition heutiger Christen, die nach dem Kirchbesuch wortwörtlich ‚den Gottesdienst (also den Dienst an Gott) für beendet‘ halten …

Formales


Äußerlichkeiten im Glaubensleben

‚Äußerliches‘ steht teils zu Recht im Verruf, weniger wichtig als das ‚Innerliche‘, als das ‚Wesentliche‘ zu sein. Insbesondere in Fragen des Glaubenslebens. Und zweifellos ist REINE Äußerlichkeit, die von gar keiner inneren Aufrichtigkeit belebt wird, tatsächlich der Inbegriff von Heuchelei.

Dennoch: Wenn sich ‚Innerliches‘ überhaupt nicht in ‚Äußerlichem‘ niederschlägt, kann dieses Innerliche nicht besonders stark sein – und es kann sich vor allem so gut wie gar nicht ‚fortpflanzen‘, indem es Zeugnis nach Außen ist, das die Mitmenschen sehen lässt, was da ‚im Inneren lebt‘ und so gut, rechtschaffen und ehrenhaft ist.

Also erfüllt auch im ‚Glaubensleben‘ das äußerliche Verhalten und Gebaren einen wichtigen Zweck: Es trägt das Innerliche, tatsächlich Wesentliche des Glaubens, als lebendiges, tätiges Zeugnis nach Außen. Es ist in diesem Sinne erst ‚die Sprache des Glaubens‘, die von anderen (insbesondere auch ‚Nicht-Gläubigen‘) verstanden wird.

Dass die innere Haltung eines Gläubigen zwangsläufig auch in handfesten TATEN ausgelebt werden muss, um nicht ein Selbstwiderspruch zu sein, werden die meisten Menschen leicht einsehen. Zu solchen ‚handfesten Taten‘ (bzw. allgemeiner: Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften, etc.) gehören dann im Verständnis der wohl allermeisten Menschen etwa: Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Treue, Freundlichkeit, Selbstbeherrschtheit, und vieles mehr; an dieser Stelle sollte jedem, der sich in eigenem Brainstorming zu dem Thema versucht, vielleicht einmal, freundlich aber bestimmt, Galater 5,22-23a vorgetragen werden: ‚Die Frucht des Geistes […] ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung‘.

Unbestritten sind diese Charakterlichkeiten und die hieraus zu erwartenden Taten das Gewichtigste im Alltagsleben eines Nachfolgers des Messias, eines Dieners des lebendigen Gottes. Und doch: Ab einem gewissen Punkt stellt sich die Frage, was diese Dinge denn im ganz Konkreten hier und da so alles bedeuten können. Und nun lohnt es sich, den zitierten Passus von Paulus an die Galater noch ein Stück weiter zu lesen: ‚… dem allem widerspricht das Gesetz nicht‘ (Vers 23b). Im Gegenteil: Dies alles wird durch ebendieses ‚Gesetz‘ erst im Detail ausgeführt, wie es in unterschiedlichen Situationen und Lebensbereichen angewandt werden kann. Und mit ‚Gesetz‘ meint Paulus (der Jude aus dem Stamm Benjamin, dessen Messias Jeschua sich selbst als das ganze ‚Gesetz‘ erfüllend bezeichnet, siehe Matthäus 5,17) natürlich die Thorah, die Weisung Gottes an sein ‚Eigentumsvolk‘ Israel, in welches auch ein jeder Gläubig-Gewordene aus den sogenannten ‚Heidennationen‘ als ein neuer Zweig ‚eingepfropft‘ wird, wie in einen kultivierten Ölbaum (siehe Römerbrief Kapitel 9-11).

Dieses Prinzip des ‚Eingepfropft-Werdens‘ übrigens gilt nicht erst seit dem fleischlichen Erscheinen des Messias auf Erden vor rund 2000 Jahren, sondern spätestens seit Vergabe der Thorah am Berg Sinai; als nämlich ALLE, die auf den Ewigen vertrauen (das sind die Israeliten ‚SAMT viel Mischvolk‘, Exodus 12,38), aus ‚Ägypten‘, dem Haus der Knechtschaft, befreit worden sind, nun für das neue Leben in Freiheit, durch eine mächtige Gottesoffenbarung, die genauen Richtlinien erläutert bekommen, durch welche ein wahrhaft gott- und menschen-gemäßes Leben gelebt werden kann. Und ab hier ist das besagte ‚Mischvolk‘ dann bereits zu einem nicht mehr näher unterschiedenen Teil des ganzen Volkes Israel geworden. Denn: ‚Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdling, der unter euch wohnt.‘ (Exodus 12,49; aber z. B. auch ähnlich formuliert in Levitikus 24,22 und Numeri 15,15)

Und wenn wir als Gläubig-Gewordene nun dieses ‚Gesetz‘ auch in seinen Details betrachten, zeigt sich, dass einiges davon erst einmal befremdlich auf den ‚modernen Menschen‘ wirkt. Sei es, weil es offensichtlich von Gesellschaftzuständen ausgeht, in denen noch ‚mit Ochs und Esel gearbeitet und gewirtschaftet wird‘, sei es, weil es Dinge vorschreibt, die so unnötig strikt erscheinen, dass es unmöglich als das ‚Gesetz der Freiheit‘ bezeichnet werden kann, als das es Jakobus aber doch bezeichnet (Jakobus 2,12).

Trotzdem bleibt das Wort des Messias als Wegweiser, auf die Frage nach dem Großen/Größten der Gebote: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen […] und […] du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst […] An diesen zwei Worten hängt das ganze Gesetz und die Propheten‘ (Mattäus 22,36-40); das ‚ganze Gesetz und die Propheten‘ erscheinen in diesem Verständnis Jeschuas also als die detaillierte Ausführung nur dieser zwei ‚Großen‘ der Gebote (die eigentlich auch nur EINES sind – denn der Dienst am Nächsten ist gleichzeitig immer auch Dienst am Ewigen; und umgekehrt: Verfehlungen gegen den Nächsten sind immer auch Verfehlungen gegen den Ewigen, gegen DAS Ewige selbst).

So muss uns also ein Gebot Gottes, das uns zunächst widersinnig oder ‚unzeitgemäß‘ erscheint, bei Betrachtung mit dem wirklichen Geist des Messias (das ist der ‚Geist der Heiligkeit‘ auch übersetzbar als: ‚Geist der (ganz für den Ewigen) Abgesondertheit‘) in neuem Lichte erscheinen: Das Gebot zeigt uns gefallenen Wesen dann schlicht, wie die himmlische Ordnung die WAHRE Liebe zu Schöpfer und Mitgeschöpf vorsieht. Es ist dies eine einzige, immer gleiche Liebe, nämlich die ureigene Liebe Gottes, des Schöpfers und Ewigen selbst, die in seinen aus dem Geist wieder-geborenen ‚Kindern‘ wirkt, deren Erstgeborenes eben unser geliebter Messias ist. Und das ist keine ‚Liebe‘, die sich Menschen in ihrer eigenen vermeintlichen Weisheit und Philosophie erdichtet haben, geschweige denn eine solche ‚Liebe‘, die die Menschen aus ihrem natürlich-fleischlichen Ur-Zustand heraus ohne Gottes Beistand ‚erfühlen‘ könnten. Und ‚Gottes Beistand‘ ist nichts und niemand sonst als der, den man dereinst ‚Jeschua‘ nannte, eine Namensform, von der sich unser heutiges ‚Jesus‘ über die altgriechische Vermittlung ergeben hat, und die in sich bereits eine Kurzform des biblisch-hebräischen ‚Jehoschua‘ ist, was bedeutet: ‚Gottes Beistand‘ …

Wenn wir nun weiter bedenken, dass es sich bei Jesus um ‚das Wort Gottes‘ handelt, das ‚Fleisch geworden‘ ist (Johannes 1,14), und dass die gesamte Heilige Schrift das ‚Wort Gottes‘ ist – dann bleibt kein anderer Schluss, als dass Jesus selbst ‚die fleischgewordene Bibel‘ ist, die ganze erfüllte Thorah samt Propheten (Matthäus 5,17), und allem, was darüber hinaus ‚von Gott eingehaucht‘ ist und zur Belehrung und Zurechtweisung dient (2. Timotheus 3,16); all das verkörpert sich in der Existenz dieses Erstgeborenen der Gotteskinder, jenes ‚Sohnes der Liebe‘ des himmlischen Vaters (Kolosser 1,13), des Erben seines Reiches, des CHRISTUS JESUS, wortwörtlich also des ‚(zum die Wahrheit verkündenden Propheten, zum den Weg zum Vater vermittelnden Hohepriester und zum die Herrschaft über alles Lebendige ausübenden König) gesalbten Beistandes des Ewigen‘ (oder hebräisch: ‚Jehoschua ha Maschiach‘).

Und wenn wir unsere tatsächliche Liebe zu Ihm, als unserem Erlöser, ‚Liebe‘ im göttlichen Sinne, auf diejenige Weise ausdrücken wollen, wie Er selbst es uns empfiehlt … dann gilt Johannes 14,15: ‚Wer mich liebt, der hält meine Gebote.‘ Ganz einfach zu verstehen eigentlich.

So wollen wir uns doch vor diesem Hintergrund einmal anschauen, was es mit manchen scheinbar so bloß ‚äußerlichen‘ Geboten auf sich hat …

Gesetz


Gebote, Rechte, Satzungen Gottes

Grundsätzlich sei betont: ‚Gebote Gottes‘ ist eine fragwürdige Übersetzung für das Bezeichnete; ‚Empfehlungen des Ewigen‘ trifft es schon viel besser. Diese Empfehlungen sind grundsätzlich zu UNSEREM Besten, und nicht die Voraussetzung, ‚dass Gott glücklich ist‘ oder dergleichen.

Überhaupt: ‚Thorah‘ ist weniger ‚das Gesetz‘ im Sinne eines Staatsgesetzes, als vielmehr die ‚Weisung‘ eines rechten Weges, die ‚Richtlinie‘, nach der ein fruchtbringendes Handeln ausgerichtet sei.

‚Mitzwoth, Mischpathim, Chukkoth‘ wird traditionell häufig als ‚Gebote, Rechte/Richtsprüche und Satzungen‘ übersetzt; wörtlicher allerdings wäre in etwa ‚Hinweise, Berichtigungen und (Vor-)Prägungen‘. ‚Hinweise‘, die einen auf grundsätzlich angeratene Verhaltensweisen hinweisen, auf die man von alleine nicht ganz einfach kommt (in unserer gefallenen Welt jedenfalls, und ohne die direkte Rechtleitung durch den Geist der Heiligkeit). ‚Berichtigungen‘, die einem Ratschläge sind bei ganz konkreten Situationen, die aus Verfehlungen von Menschen entstehen; die also einen dauerhaften Schaden der zwischenmenschlichen Beziehungen erstens minimieren und oft sogar noch in gewisser Weise zu etwas Gutem umformen, aus dem die Betroffenen wachsen können. ‚Vor-Prägungen‘, die als Muster für spezielle Vorgehensweisen dienen, um im materiellen Leben ein formvollendetes Abbild von geistigen Wahrheiten darzustellen.

Wenn man ‚Thorah‘ unbedingt als ‚Gesetz‘ übersetzt wissen will, dann sollte man es im Sinne dessen verstehen, was heutzutage zum Beispiel ein ‚Naturgesetz‘ ist. Denn die in der Thorah dargebotenen Gesetzmäßigkeiten stellen genaugenommen etwas dar, das GAR NICHT GEBROCHEN werden KANN. Selbst, wenn jemand das wollte. Nicht einmal der Ewige selbst ‚bricht‘ seine eigene Thorah, weil er über seine vollständige Souveränität und Allmacht im Bezug auf seine Schöpfung noch eine ganz bestimmte andere, edlere Eigenschaft stellt, die ihm selbst offenbar gewichtiger (im Hebräischen ist ‚gewichtiger‘ das gleiche Wort wie ‚herrlicher‘) ist: Treue. Was er einmal sagt, das geschieht. Allein aus diesem Grund lässt er sogar zu, dass die ganze Welt derzeit ‚in dem Bösen dahingestreckt ist‘ (1. Johannes 5,19b); weil der Schöpfung in entscheidenden Fragen die freie Wahl gegeben ist, sich FÜR oder GEGEN ihren Schöpfer zu entscheiden (den Menschen betreffend, siehe die sogenannte ‚Sündenfall-Geschichte‘, Genesis Kapitel 2-3; die ganze Schöpfung betreffend, siehe etwa die biblischen Hinweise auf den Fall des ‚höchsten Cherubs‘ aus Stolz und dem Wunsch, ‚gottgleich‘ zu sein, Jesaja 14,12; Ezechiel 28,12-15). Alle Konsequenzen dieser möglichen für-oder-gegen-Entscheidungen sind ausführlich in der als Heilige Schrift offenbarten ‚Bibel‘ dargelegt; ‚Fluch und Segen sind uns vorgelegt‘ (Deuteronomium 11,26) und wir sollen bitte ‚das Leben wählen‘ (Deuteronomium 30,19). So war es von Anfang an im Garten der Wonne, wo unsere einzige Aufgabe (gewesen) ist: ‚Bewahrt sie (die Wonne) und dient ihr!‘ (Genesis 2,15, wenn wörtlich übersetzt). Ein Gebot, das im Rahmen eines jeden ‚Umhegten der Wonne‘ weiterhin Gesetzescharakter innehat – wo wir denn in einem solchen ‚Umhegten‘, in einem solchen ‚Garten‘ dieser Wonne leben dürfen. Ansonsten greift dieses spezifische Gesetz schlicht ins Leere, wie es viele Gesetze tun, wenn sie gerade nicht anwendbar sind aufgrund von äußeren Umständen.

Die ‚Gesetze Gottes‘ sind also ewige ‚Wenn-Dann-Verhältnisse‘, die der Schöpfer in seiner Schöpfung verankert hat, anhand denen man das Wesen und Werden dieser Schöpfung erkennen kann. Und mit dem Wissen über diese ‚Gesetze‘ hat man es leichter, mit den Reaktionen der einen umgebenden Schöpfung samt der Mitmenschen zurechtzukommen, weil man diese Reaktionen besser abschätzen kann, weil man weiß, welche Konsequenz ein bestimmtes Verhalten mit sich bringt. Spätestens am ‚Ende der Zeit‘, wenn alles gerichtet (= berichtigt) wird, was bisher nicht diesem ‚Gesetz‘ entsprechend von statten gegangen ist. Dieses ‚Ende der Zeit‘ allerdings kann sich individuell für ein jedes Geschöpf aus dem Geistigen heraus ereignen, wenn für dieses Geschöpf die immerwährende Präsenz ‚Jesu Christi‘ offenbar wird, der da seinem Wesen nach ist ‚der alles berichtigende Beistand des Ewigen‘, oder anders (und zwar ‚traditioneller‘) übersetzt: ‚der das Gericht über die ganze Welt haltende Jesus, wenn er dann am Ende der Zeit wiederkommt‘.

So sind die ’10 Gebote‘ (eigentlich: ’10 Worte‘ oder ’10 Sachen/Sachverhalte‘) folgendermaßen zu verstehen: ‚WENN du zu denjenigen menschlichen Wesen gehörst, die WIRKLICH durch den Ewigen aus der Knechtschaft der Welt befreit worden sind, DANN wirst du die folgenden Verhaltensweisen zeigen (bzw. nicht zeigen). Daran nämlich erkennst du und erkennen deine Mitmenschen, in wie weit du TATSÄCHLICH von besagter Knechtschaft durch die Welt (und durch ihre weltlich-fleischlichen Zwänge und Versuchungen) befreit bist.‘

Sünde


‚Sünde‘; Getrennt-Sein vom Ewigen

‚Sünde‘ ist kein Thema, über das im Grundsatz lange debattiert werden sollte. Die Herkunft des deutschen Wortes ‚Sünde‘ findet sich in der selben Wortwurzel, von der auch das Wort ‚Absonderung‘ abstammt; Sünde ist in diesem Sinne die Absonderung des Sünders von der göttlichen Ordnung. Allein diese Erklärung, die allein von der deutschen Sprache ausgeht, ist schon sehr eindeutig. Die Frage ist dann nur noch, was genau solcherlei Absonderung von der göttlichen Ordnung ist, woran sie für den einzelnen erkannt werden kann.

Hierzu finden wir die glasklare Definition der Bibel im 1. Johannesbrief, in Kapitel 3, Vers 4: ‚Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit. Und die Sünde ist (selbst) die Gesetzlosigkeit.‘ Viele Übersetzungen geben dabei das griechische ‚anomia‘ (‚Gesetzlosigkeit, Ungesetzlichkeit‘) bereits leicht interpretiert, aber durchaus zutreffend, als ‚Übertretung des Gesetzes‘ wieder. ‚Sünde‘ besteht also in nichts anderem, als in der Abweichung von dem, was gemeinhin ‚Thorah‘ genannt wird – wohlgemerkt die Thorah ausgelegt und ausgelebt, wie sie der Messias Jeschua ausgelebt hat, als die fleischgewordene Thorah.

So ist also in erster Linie das Vorbild des Christus vor Augen zu stellen, wenn der Mensch die Sünde vermeiden und in der göttlichen Ordnung wandeln möchte. Im Allgemeinen übrtrifft nichts diese Anleitung. Im Konkreten dann lohnt sich aber auch immer wieder ein Blick in die schriftliche Thorah, deren Verkörperung Jesus Christus ist. Mit diesem Verständnis nämlich ist die schriftliche Thorah zu betrachten als die Richtlinie für den ‚Wandel mit Gott‘. Jener Wandel, welcher genau das ist, was aus dem Mund des Messias selbst und besonders im ersten Johannesbrief auch das ‚Sein und Bleiben in Christus‘ genannt wird (z. B. Johannes 14,20; 15,4-7; 1. Johannes 2,6; 2,28; 3,6).