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DAS KREUZ


Von der Bereitschaft eines Jüngers Jesu Christi, dem Meister bis zum Tod am Kreuz zu folgen

Gewichtiger als alle Lehre, als alles Bekenntnis und als alles Für-Wahr-Halten biblischer Inhalte und Aussagen … ist das KREUZ. Die Pflicht eines jeden Nachfolgers des Messias, Ihm insbesondere in derjenigen Hinsicht ähnlich zu werden, den Weg zum Kreuz – zum TOD am Kreuz – freiwillig anzutreten. Was aber bedeutet dieser ‚Tod am Kreuz‘?

Die ehrlichste Antwort: Ich weiß es nicht. Am eigenen Leib kann ich es zwar mit Gottes Beistand erleben, es bis zu einem gewissen Grad daher auch in Worte fassen, die mir selbst etwas bedeuten – aber verallgemeinern kann ich es deshalb noch lange nicht. Für jeden einzelnen muss sich das Kreuz ganz individuell ausleben dürfen. Ich kann theoretisch darüber philosophieren, spekulieren; gar recht geistreiche Argumente für diese oder jene Betrachtungsmöglichkeit hervorbringen. Doch am Ende steht wieder das ‚ich weiß es nicht‘, wenn ich mich nicht selbst täuschen will. Das ‚Kreuz‘, auch wenn seine Wirkung immer gleich ist, der Tod des Gekreuzigten, das Kreuz ist für jeden ein ganz eigenes Erleben. So wie eben sterben, auch im Leiblichen, jeder ganz für sich alleine muss. Wie also das Kreuz des Christus dem einzelnen Jünger den fleischlich-seelischen Tod bringt, das wird allein dieser einzelne Jünger erfahren können, wenn er denn den Gang zum Kreuz antritt und zu Ende geht.

Trotzdem kann ich versuchen, mich einer Antwort wenigstens anzunähern, so weit ich das zu diesem Zeitpunkt vermag, an dem ich eben selbst noch auf dem Weg bin, den ich hiermit zu beschreiben gedenke. Und während bei allen anderen Thematiken rund um den Wandel in Christus, dem Leben nach den Empfehlungen des Ewigen, dem zunehmenden Einswerden mit unserer aller Quelle, mir eine Art der Sprache angemessen scheint, die möglichst ‚überpersönlich‘, nicht-subjektiv formuliert – so ist bei diesem Zentral-Thema gerade das Gegenteil das einzig angemessene: ein schonungslos subjektives, am eigenen Leben als Beispiel orientiertes Beschreiben des (hier im Zeitlichen wohl endlosen) Prozesses, der mit dem eigenen Absterben kämpft, der FÜR dieses Absterben kämpft, nicht dagegen an.

Behauptung: Jeder, der ehrlich ist zu sich selbst, weiß es vielleicht ja immer schon, dass ‚er selbst‘ besser Absterben sollte ‚in sich‘, anstatt sich selbst weiter im Weg zu stehen … Aber es sich wirklich bewusst einzugestehen, das ist eine andere Dimension. Und den Weg dann auch tatsächlich ANZUTRETEN … wieder eine höhere Ebene der Selbstüberwindung. Aber auch eine, in der die erlösende DANKBARKEIT erst eintritt. Dankbarkeit dafür, dass man in sich den Entschluss zu fassen schaffte, ‚umzukehren‘ aus dem immer weiter Verstrickt-Werden in die Welt hinein. So hart dieser Weg dann auch werden wird, man weiß: es wird sich lohnen, ihn anzutreten. Und es ist vor allem das einzig RICHTIGE, das man vor dem Hintergrund besagter Dankbarkeit noch tun kann, ohne sich selbst völlig dem ‚Bösen‘ hinzugeben, sich ganz der Welt auszuliefern, von der einem zu diesem Zeitpunkt klar ist, dass sie einen am Ende verschlingen wird, ja: verschlingen MUSS, es ist quasi ihre Aufgabe.

Bei mir jedenfalls hat es lange, lange gedauert, bis ich mir die erwähnte ‚Erbärmlichkeit‘ wirklich OFFEN eingestanden habe, und in der Folge endlich auch den Weg angetreten habe, jenes mir daraufhin angebotene Erbarmen anzunehmen und in mir wirken zu lassen.

Und weit bin ich auf diesem Weg nun wirklich noch nicht gekommen. Immerhin, DASS ich ihn endlich tatsächlich angetreten habe, kann ich seit einiger Zeit guten Gewissens bezeugen (wenigstens ‚mit den Lippen‘, bzw. mit der Feder; hoffentlich dem ein oder anderen auch ‚handfester‘, anhand meines beobachtbaren tatsächlichen Wandels da draußen).

Obwohl wohlgemerkt die theoretische Einsicht in die eigene Erbärmlichkeit schon längst auch vorher da war; je älter man halt so wurde.

‚Erbärmlichkeit‘, das ist also vom Wort her ein Zustand, über den ’sich erbarmt‘ werden muss, soll dieser Zustand nicht so jämmerlich, wie er ist, bleiben für immer. Und dieses ‚Erbarmen‘, das empfindet man ganz deutlich, das kann man keineswegs ’selbst‘ übernehmen, ja, nicht einmal ein anderer Mensch könnte dies übernehmen, oder gar alle anderen Menschen zusammen. Dies wäre auch alles nur wieder Symptom-Behandlung, wenn überhaupt. Nein: Es muss schon die Quelle selbst sein, aus der man geflossen ist, die sich da über einen erbarmt, die sich wieder des Menschen annimmt, der sich von ihr offenbar einst mutwillig getrennt zu haben scheint irgendwann auf seinem besserwisserischen Weg des Eigenwillens, in Widerspenstigkeit ‚allem anderen‘ gegenüber.

Und dieses ‚Erbarmen‘ besteht dann in erster Linie darin, dass man endlich (als dieses Erbärmliche, dieses Widerspenstige, das sich doch nur selbst im Weg steht und dabei auch noch alle anderen um sich herum potentiell am mitreißen ist …) STERBEN kann, dass dieses erbärmliche, über das weltlich-zeitliche Eingebundensein definierte ‚Selbst‘ im Menschen sich zumindest endlich WAGT, ’sich selbst aufzugeben‘.

Eigentlich weiß man ja längst, dass alles Festklammern am Bisherigen gar keinen Sinn haben KANN. Aber man hängt plötzlich auf so irrationale Weise an sich selbst … Da fängt man dann endlich an, all die eigenen ‚Dämonen‘ zu sehen, die einen auf diese Weise wieder einfangen wollen, betäuben wollen mit ihrer Zauberei; oder zumindest beginnt man, etwas derartiges dumpf zu empfinden (welche Wörter man dann auch immer individuell dafür benutzen mag, um es für sich selbst oder anderen gegenüber zu beschreiben; Wörter hängen immer stark von der individuellen Sozialisation ab).

Und einem wird klar, dass die ursprüngliche Dankbarkeit dafür, überhaupt erst mal dahin gekommen zu sein, sich selbst dem (noch nicht einmal wirklich erblickten, schon gar nicht ERLEBTEN) ‚Guten‘ zuliebe aufopfern zu WOLLEN, erst ein klitzekleiner erster Schritt gewesen sein kann. Die eigentliche Reise, es dann auch wirklich, tatsächlich durchzuführen, hat gerade erst begonnen.

Und die mächtige Hand, die einen bis hierhin schon gebracht hat, verdeckt vielleicht IMMER an diesem Punkt ‚aus Methode‘ fürs Erste all die steinigen Pfade, die da noch vor einem liegen; oder wenigstens zeigen sich einem solcherlei Hindernis-gespickte Strauchelpfade zu Beginn nur in soweit, wie der je individuelle Mensch es zu diesem jeweiligen Zeitpunkt auch verkraften kann, ohne direkt wieder völlig abgeschreckt zu werden. Aber all zu locker darf es wiederum wohl auch nie sein … immer hart an der Grenze zum Aufgeben wird man gehalten, oder zumindest immer mal an diese Grenze nah herangeführt, wenn man sich wieder zu überheben droht im Taumel des einen oder anderen kleinen Erfolges im Kampf mit sich selbst …

An dieser Stelle sollte wohl einmal betont werden: Es ist auf dem hier beschriebenen Weg der Selbstaufopferung (oder wenigstens des anfänglichen Versuches einer solchen) lange Zeit gar nicht nötig, jemals von der sogenannten ‚Bibel‘ gehört zu haben oder von ‚Christus‘, der ‚am Kreuz gestorben‘ ist. Im Gegenteil: Selbst WENN man von alldem gehört hat, kann man seinen selbst angetretenen Weg in Richtung ‚Tod am Kreuz‘ noch völlig losgelöst von diesem perfekten Vorbild unseres Messias verstehen. Zwar würde es wohl einem jeden unerschöpflich viel helfen, wenn er auf dieser seiner Reise von Anfang an den Gekreuzigten vor Augen hat, um sich aus dessen Kraft auch ganz bewusst zu speisen. Doch scheint es bei manch einem so bestimmt zu sein, dass diese Kraft einen erst einmal ’nur‘ unbewusst unterstützt. Aber wie dem auch sei: DA ist diese Kraft immer, wo ein Mensch sich (wenn auch erstmal vielleicht nur ‚teilweise‘) zu diesem Pfad entschlossen hat. Christus ist nicht darauf angewiesen, dass an ihn ‚geglaubt‘ wird, um seine Macht zu entfalten. Allein WIR sind auf diesen Glauben an IHN angewiesen, je bewusster, desto wirksamer wird er uns beistehen, wie sein Name es verspricht. Aber auch, wenn wir ’nur‘ indirekt an den ‚Beistand des Ewigen‘ glauben, der in unserem Leben ‚zur Herrschaft bestimmt‘ ist, wirkt dieser ‚Jesus Christus‘ in uns. Mögen wir ab einem gewissen Punkt dann auch vollständig denjenigen Jesus Christus darin erkennen, den uns die sogenannte ‚Bibel‘ vorstellt (und nicht bis zum Schluss an einem selbstgebastelten festhalten, wie es leider so viele von uns zu machen scheinen)!

Springen wir also zu dem Punkt auf dem Weg, wo der ihn Gehende endlich ganz bewusst Jesus Christus als sein Vorbild erkannt hat, dem es nachzustreben gilt. Bis zum Tod, zum Tod am KREUZ. Da wird dann Christus, als der leibhaftige Beistand des Ewigen in unserem individuellen (Er-)Leben, beginnen, uns immer direkter anzutreiben, uns den rechten Weg zu zeigen, auf dass wir nicht unnötig in fruchtlosen Ab- und Umwegen schreiten.

Spätestens dann werden sich daher, vermittels des Studierens seiner Worte und letztlich eben seiner gesamten Thorah, immer wieder ganz neue Baustellen in unserem Alltagswandel und Charakter zeigen, die wir bisher vielleicht aufgrund wichtigerer Projekte (vielleicht aber auch aus kleingläubigem Entmutigt-Sein, aus Furcht vor bestimmten lauernden Dämonen, oder wegen sonst etwas) außen vor gelassen haben.

An dieser Stelle ist dann eine bestimmte Gefahr zu beachten: das Abgleiten in einen all zu äußerlichen Ritus, also in RELIGION im schlimmsten Sinne des Wortes … Denn wenn man sich anhand der detaillierten Empfehlungen der Thorah mit allerlei Bereichen des Lebens beschäftigt, in denen man sich ‚verbessern‘ (lassen) kann, dann kann man dazu neigen, die viel wichtigeren Aspekte der Nachfolge zu übersehen, in den Hintergrund treten zu lassen; die Aspekte, die einem aber doch zu Beginn des Weges überhaupt erst den Anreiz gegeben hatten, die beschwerliche Reise zugunsten seiner Menschen-Geschwister anzutreten: Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbstbeschränkung, Freundlichkeit, Tatkraft, Geduld, Mitgefühl – gelebte Liebe zu allen Menschen eben, selbst den ausdrücklichen Feinden gegenüber.

Dann gilt es, den Blick wieder direkt auf unseren gekreuzigten Messias zu richten, überhaupt den Fokus wieder mehr auf Seinen ganz konkreten ‚Aufenthalt im Fleisch‘ zu legen, statt auf Sein eher allgemeines ‚Wirken aus dem Geistigen heraus‘ (wie es etwa die gesamte Zeit des Alten Israels hindurch vorhanden ist, als der Beistand Gottes noch ’nur‘ stellenweise als ‚Geist Gottes‘, in Form der ‚Salbung‘ von Königen, Priestern und Propheten, und auch mal in Form von ‚mächtigen Wundertaten‘ eingreift). Letzteres Wirken wird zwar weiterhin eine Rolle spielen, doch ist das Wirken ‚als lebendiges Wort‘ im Fleisch des einzelnen Jüngers das eigentlich entscheidende, und auch dasjenige, das den Messias in den übrigen Kindern Gottes, seinen neu gezeugten Brüdern und Schwestern, erst ‚erhöht‘ und damit auch für alle anderen Menschen sichtbar werden lässt.

Wo wir nun einige dieser Grundlagen angesprochen haben, die eben ganz individuell im Leben des Einzelnen zu greifen beginnen müssen, können wir uns gerne auch einmal einigen eher ‚theoretischen‘ Aspekten des ‚Kreuzes‘ zuwenden.

Da wäre etwa die offensichtliche Symbolik der ‚grausamen Vierheit des Materiellen‘, die uns im Kreuz als einem Folterwerkzeug der herrschenden (damals wie heute RÖMISCHEN) Weltmacht vorgestellt ist. Mit der ‚Vier‘ ist seit alters her auf die ‚handfeste‘ Seite der Existenz hingewiesen, auf das äußerliche, ‚weibliche‘ Prinzip der Schöpfung, mit seinen vier Himmelsrichtungen, vier Elementen, oder heute eben ‚vier Raumzeitdimensionen‘. Auch aber ist diese ‚Vierheit‘ seit jeher dasjenige Prinzip, das – befruchtet von der ‚Dreiheit‘, dem unsichtbaren, innerlichen, ‚männlichen‘ Prinzip, dem Geistigen – die neue Schöpfung, das ‚Kind‘ gebiert: die ‚Fünf‘, in der die Einheit der ursprünglichen Eins die äußerliche, raumzeitliche Vierheit wiederum zu einem Heilen, zu einem tatsächlich Ganzen ergänzt hat.

So ist auch jede Geburt in dieser gefallenen Welt einhergehend mit Wehen, mit den schrecklichen Schmerzen des Alten an einem Neuen, das sich aus dem Alten erst ‚befreien‘ muss, und das dadurch nicht nur selbst in die offenbar-werdende Existenz tritt, sondern das dabei auch für das Alte die Erlösung vom Schmerz und die Erfüllung der Bestimmung dieses Alten verwirklicht, und das durch sein Hervorkommen überhaupt ALLEM rund herum ein lebendiges Bild der ‚Ewigkeit innerhalb des Vergänglichen‘ wird, eine ‚Verkörperung von Verheißung‘ gleichsam.

Die materielle Welt der Vierheit, jener abgefallene Teil der ursprünglichen Schöpfung also, der dem Fluch aus Genesis 3,14-19 unterliegt, muss in diesem Sinne durch die ‚Eins‘ ihr gegenüber, die sie zur Fünfheit ergänzt, ‚erlöst‘ werden. Das ist der ‚Sohn Gottes‘, der sich (nach dem Willen des Vaters im Himmel) an die Vierheit begibt (dabei zunächst dieser Vierheit gleich wird, eben auch ‚Fleisch wird‘), um dort zu sterben. Und um daraufhin wieder aufzuleben in ursprünglicher, ‚verherrlichter‘ Gestalt. Und einer teuflischen Illusion unterliegt der, der meint, dieser erlösende Aspekt könnte auch zur Geltung kommen, OHNE dass er zunächst fleischgeworden ‚am Kreuz stirbt‘ (siehe etwa Petrus, dem mit den Worten ‚Satan weiche!‘ gewehrt wird, als er diesen Gedanken auch nur äußert … Matthäus 16,21ff).

Und dieses ‚Absterben des Fleisches‘, das eben nur mithilfe des Gottesbeistands möglich wird, ist sich als lebenslanger Prozess vorzustellen. Wer hofft, in dem Moment, wo er ein Bekenntnis mit den Lippen aufsagt, oder im Herzen einen bestimmten Glaubensartikel annimmt, sei sein Fleisch auch schon sofort abgestorben und der reine Geistesmensch allein sei nun vorhanden in ihm … der ist einer der wohl erfolgreichsten Fallen des Feindes erlegen. Denn selbst unser geliebter Apostel Paulus spricht noch im Brief an die Philipper davon, wie er weiß, dass er ’noch nicht am Ziel ist‘, und an anderer Stelle, wie er fortwährend seinem Fleisch erbitterten Widerstand leisten muss. Auch unser Messias selbst hat nicht erst angefangen zu sterben, als er schon am physischen Kreuze hing. Vielmehr dürfte sein Absterben begonnen haben, als er diese Welt betreten hat, als er seine Herrlichkeit ablegte für diese verhältnismäßig kurze Zeit, als er es ’nicht für einen Raub erachtete‘, den Menschenkindern gleich zu werden. ‚Das Kreuz auf sich nehmen‘ beginnt aus dieser göttlichen Perspektive bereits, wenn die göttliche Seele (die ‚Neschamah‘, die uns in Genesis 2 eingehaucht wird) sich mit dem Fleisch beladen muss, um in diese Weltzeit einzutreten als fleischlicher Mensch, als ‚lebendige Seele‘. Nur, können wir uns das in unserem gefallenen Zustand wirklich vorstellen? Welches Opfer es für unseren Schöpfer ist, uns immer und immer wieder aufs Neue, wenn einer von uns in diese Welt hinein geboren wird, mit einem Funken seiner Göttlichkeit auszustatten, uns seinen Odem einzuhauchen? Wenn auch wir dieses Göttliche in uns ’natürlicherweise‘ kaum bis nie als solches empfinden (höchstens hier und da mal als ‚quälendes Gewissen‘, oder im angenehmeren Fall, und dafür umso eher noch missverstanden, als ‚geniale Kreativität‘). Das Göttliche selbst allerdings wird all dies immer genau so empfinden und erleben, wie es tatsächlich auch ist. Unser Vater im Himmel erlebt und erleidet deshalb alles mit uns mit, lässt uns in keinem Bruchteil eines Augenblicks allein mit uns selbst, sondern ist immer anwesend. Nicht unbedeutend daher, dass sein hebräischer Name aus den vier Buchstaben (J-H-W-H) auch als ‚Er ist der Fall‘ übersetzt werden kann; denn Er ist es, der den Fall bewirkt hat am Anfang der Tage, und der gleichzeitig diesen Fall in Gänze mitmacht – Er selbst IST also wirklich dieser Fall des Göttlichen in die verdorbene Schöpfung hinein. Oder noch ‚philosophischer‘ verstanden: Immer, wenn in der Thorah ‚(denn) Ich bin Jahweh‘ (hebr. ‚(ki) Ani Jahwah‘) geschrieben steht, kann das auch als ‚(denn) das (täuschbare) Ich [wörtlich auch: ‚meine (eigene) Verdrehtheit‘] ist der Fall (ins Unheil)‘ (hebr. ‚ki anay jehowah‘) gelesen werden. Unser täuschbares, egoistisches Selbst ist es also, das diesen ursprünglichen Fall des Göttlichen in die verkommene Schöpfung hinab geradezu verkörpert. Und unsere Aufgabe besteht nun darin, uns von ‚uns selbst‘ in diesem Sinne wieder zu befreien; befreien zu LASSEN, und zwar durch denjenigen Aspekt des Göttlichen, der im Gegensatz zu unserem eigenen ‚göttlichen Seelenfunken‘ nie die Verbindung zu seiner himmlischen, unversehrten und unversehrbaren Quelle (dem ‚Vater im Himmel‘) eingebüßt hat, und dennoch bis zu uns hinunter gestiegen ist: Maschiach Jeschua.

ER wird uns bei unserem Feldzug gegen das eigene Fleisch befehligen, rechtleiten. Den Kampf FÜHREN müssen wir selber. Aber ausgestattet sind wir durch ihn mit der ganzen ‚Waffenrüstung Gottes‘ (Epheser 6,13ff): ‚Gürtel der Wahrheit‘, ‚Bauchpanzer der Gerechtigkeit‘, ‚Schuhe der Bereitschaft zur Friedensverkündigung‘, ‚Schild des Glaubens‘, ‚Helm des Heils‘, ‚Schwert des Geistes‘ und ’stets ein Gebet auf den Lippen‘ für die Mitstreiter.

Die erlebte Wahrheit markiert an uns selbst die Mitte zwischen unterem und oberem Menschen, zwischen dem, das dem verfluchten Erdboden zugehört, und dem, das nach oben zum Himmlischen hin deutet. Die Gerechtigkeit, um die wir im Umgang mit jedem Mitmenschen bemüht sind, schützt unser Innerstes mitsamt unserem Gewissen und unserem so verletzlichen Fühlen vor Beschädigung vom ‚Außen‘ her. Die Bereitschaft, die frohe Botschaft des Friedens, des göttlichen Shalom, des ewigen Ausgleichs zu verkündigen, beschirmt und beflügelt unseren Wandel und trennt uns zumindest schon mal hauchdünn von dem verfluchten Erdboden, an den uns die Schwerkraft noch fesselt. Der Glaube (das ist die Überzeugung vom Wohlwollen des Ewigen, das unerschütterliche Vertrauen auf seine weise Rechtleitung und die Treue, danach auch zu handeln) wehrt für uns alle Angriffe des Widersachers ab, die uns traumatisieren und somit in unsichtbare, uns schmerzhaft fesselnde Ketten legen wollen. Das Heil, das Hoffen auf und Wissen um die einstmalige Vervollständigung unserer Existenz durch die Einswerdung mit unserem Haupt (welches ist Christus), hält dieses unser Haupt für uns in Unverletzlichkeit, auf dass es uns ohne jede Beeinträchtigung leiten kann. Das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, ist uns einzige Angriffswaffe, mit der wir Mark von Bein scheiden können, Seelisches, Fleischliches von tatsächlich Geistigem zu unterscheiden vermögen, bei uns selbst wie bei anderen Menschen und deren Verhaltensweisen und Worten. Und das ständige Beten auch für unsere Mitstreiter, ob wir sie persönlich kennen oder nicht, bettet uns ein in die Ganzheit des Leibes Christi, in dem wir uns geborgen wissen, selbst wenn wir äußerlich auch mal ganz allein erscheinen mögen.

Jetzt wollen wir doch einmal auch die Spuren des Kreuzes in der Bibel verfolgen, wie sie sich schon so lange VOR dem Großen Werk unseres Königs zeigen, von welchem die Schriften des sogenannten ‚Neuen Testaments‘ berichten. Und anhand eines jeden hier näher betrachteten Beispiels soll ein bestimmter Aspekt aufgezeigt werden, der den tatsächlichen Gang zum Kreuz des Messias-Jüngers kennzeichnen wird.

Es beginnt mit dem ganz Grundsätzlichen bereits in der Schöpfungsgeschichte. Das Thema hier: Die ständige Wahl zwischen zwei Wegen, die eigentlich ein einziger sind, sobald man sich für den richtigen entscheidet. Die Wahl hat der Mensch von Anfang an zwischen dem ‚Baum des Lebens‘ und dem ‚Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‘, den wir auch treffend als den ‚Baum des Todes‘ bezeichnen dürfen, indem er im Laufe der Erzählung zu ebendiesem wird, den Tod bringend, als direkter Gegensatz zum Baum des Lebens, den man ‚versehentlich‘ verworfen hat, als man stattdessen zum ‚Verbotenen‘ gegriffen hat.

Ein einziger Weg sind beide Bäume deshalb in Wahrheit, weil die ‚Erkenntnis von Gut und Böse‘ uns so oder so zu Teil wird. Am Ende nämlich, in der letzten Vision der sogenannten ‚Offenbarung des Johannes‘, haben wir den langen, beschwerlichen Weg über den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse endlich bewältigt und dürfen uns dank dem Beistand des Ewigen nun zusätzlich vom Baum des Lebens speisen. Hätten wir anfänglich gar nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen, sondern direkt vom Baum des Lebens, wäre uns zwar theoretisch der beschwerliche Weg erspart geblieben, doch wüssten wir von dessen Möglichkeit und von dessen detaillierter Gestalt für uns in gleichem Maße, da wir durch den Genuss der Früchte des Lebensbaumes ja letztlich ganz eins mit unserem Schöpfer geworden sind, mitsamt all seiner Einsicht auch in diejenigen Dinge, die in unserer jeweiligen Weltzeit nicht realisiert sein mögen.

Nun mag dies wie eine philosophische Spitzfindigkeit wirken, doch es sei darauf verwiesen, dass die jüdische Tradition schon immer davon berichtet, dass die beiden Bäume im Garten aus EINER Wurzel wachsen und die ‚Ursünde‘ Adams gerade darin besteht, die beiden Bäume voneinander zu trennen. Und zudem seien wir eingedenk, dass die eben umrissene THEORETISCHE Möglichkeit, direkt vom Baum des Lebens gegessen zu haben, den Abweg über den Baum des Todes uns also erspart zu haben, eben nur das ist: theoretisch. In der erlebten Wirklichkeit ist es eben so gekommen, dass wir uns für den Ungehorsam entschieden haben – und das hatte unser Schöpfer selbstverständlich auch vorher schon ‚gewusst‘. Unterm Strich also, war es von Anfang an ‚Sein Plan‘, uns von beiden Bäumen essen zu lassen. Und weil Er als der Ewige eine jede Welt der Zeitlichkeit aus der Ewigkeit heraus gestaltet, ist von seiner Perspektive her auch die Unterscheidung in den langen, schmerzhaften Weg des Baumes des Todes, und den direkten Genuss vom Baum des Lebens nicht notwendig: Beide Wege sind Eins für die Ewigkeit, und führen letztlich beide zurück in die Ewigkeit zu Ihm. Jeschua als der Baum des Lebens errettet uns entweder aus unserem zwischenzeitlichen Abweg, oder Er ist ohnehin unser Ein und Alles von Anfang an und ohne Unterbrechung. Und eigentlich eben beides gleichzeitig.

Doch genug dieser abstrakten Abwägungen. Essentiell bei dieser Thematik ist für den Einzelnen, dass er in jedem Moment aufs Neue wählen darf, wählen MUSS: Baum des Lebens oder Baum des Todes? Der Baum des Todes glitzert und hat in der Welt viele Fürsprecher, die sich gerade selbst von ihm am speisen sind. Der Baum des Lebens schaut dagegen in unserer verzerrten Wahrnehmung des Alten Menschen aus, wie der Tod selbst: wie das KREUZ nämlich, an dem wir sterben sollen. Kein Wunder also, dass Adam ‚damals im Garten‘ sich ‚als seine Frau Eva verführen ließ‘, vom anderen Baum zu essen …

Ein nächster essentieller Punkt des ‚Ans-Kreuz-Gehens‘, auf den man stößt, folgt man der Erzählung der Heiligen Schrift sozusagen ‚chronologisch‘, lässt sich vielleicht folgendermaßen in eine Überschrift gießen: ‚Das gelebte Gleichnis, das mehr Gewicht hat, als das Leben selbst‘. Und hier handelt es sich um die Geschichte von Kain und Abel: Das Blut Abels, dessen Geschrei in den Himmel dringt, ist das ‚Gleichnis‘, das selbst nach dem Tod dessen, der es gelebt hat, noch Wirkung entfaltet, ja: Wirkung bis in das ‚Himmlische‘ hinauf, den starken Arm des Ewiglebendigen in Bewegung setzend! Denn ‚Blut‘, dieses Wort im Hebräischen (‚Dam‘) kann auch ‚Gleichendes‘ bedeuten. Und damit wird das Verständnis etabliert, dass die Lebenskraft eines Menschen sich nicht in seinem physischen Lebendigsein erschöpft, sondern eben auch nach dem ‚Sterben‘ des Geschöpfes ein Faktor für diese gesamte Schöpfung bleibt in dem Maße, wie sich während des physischen, fleischlichen Lebens diese Lebenskraft in der Weltzeit verwirklicht hat – und im Falle eines ‚gerechten‘ Lebens ist dieser Faktor gar so wirkmächtig, dass er seine Wirkung von da an aus der Ewigkeit heraus in diese Weltzeit hinein sendet, als das direkte Eingreifen des Ewigen zu Gunsten der (in dieser Weltzeit ‚von Innen betrachtet‘ nicht immer sofort sichtbaren) Gerechtigkeit: die letztendliche Berichtigung von allem Nicht-Ausgeglichenen, oder biblischer ausgedrückt, das ‚Letzte Gericht‘, das den Shalom herstellt für die Gerechten. Und hier heißt ‚zuletzt‘ nicht in erster Linie einen Zeitpunkt betreffend, der am Ende einer linearen Zeit steht, sondern dieses ‚zuletzt‘ ist IMMER der Abschluss eines subjektiven Erfassens, zu-Ende-Erlebens, ein Vollenden und Vervollständigen der bisher nur bruchstückhaften Sicht- und Erlebnisweise auf ein Verhältnis Seinerselbst zum Umfassenden.

Ebenso meint das ‚bald‘ im ersten Vers der Johannes-Offenbarung kein bloß linear-zeitliches ‚gleich darauf‘, sondern eher so etwas wie ein immer gültiges ‚in jedem Moment, der als vervollständigend auf den vorherigen folgend erlebt wird‘. Wann genau finden also statt all die Ereignisse der sogenannten ‚Offenbarung‘, das heißt, der ‚Aufdeckung und Ent-Deckung Jesu Christi‘ (Offb. 1,1), genauer: das Entdecken der immer-währenden Anwesenheit Jesu Christi, des zur Herrschaft über alles Gesalbten Beistandes durch das Ewige selbst? In jedem Moment finden sie statt, wo das Individuum sein subjektives Erleben des eigenen Schicksals als nicht weniger empfinden darf als die heilende Vervollständigung der ohne ihn sinnlosen Welt. In diesem Erleben nämlich wird genau jener ‚Beistand des Ewigen‘ offenbar in der Weise, dass er als immer schon anwesend erkannt wird. Die sogenannte ‚Parousia‘ Christi, wie Er selbst sie uns versprochen hat: ‚Ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Zeitalter‘ (Matthäus 28,20b). Hallelujah!

Die beiden bisher besprochenen Aspekte der Bereitschaft zum Gekreuzigt-Werden stellen eher grundlegende, aber noch nicht an sich herausfordernde Kriterien dar. Sie bereiten erst den geistigen Boden, um in diesen dann sich selbst als das Samenkorn hinein zu säen – als das Samenkorn, das eben erst sterben muss, um Frucht bringen zu können (vgl. Johannes 12,24). Der nun dritte Punkt, der angesprochen werden soll, behandelt aber jetzt diesen eigentlichen Akt des Loslassens, die tatsächliche Bereitschaft, den Tod auf sich zu nehmen, und er zeigt sich besonders klar in der sogenannten ‚Bindung des Isaak‘ (oder ‚Opferung des Isaak‘, wobei aber ja die Opferung ISAAKs dann doch nicht stattfindet). Hier geht es namentlich um das Vertrauen auf die (rechtzeitige) Errettung des Wesentlichen beim Aufopfern des Besten, was man hat, für seinen Gott. Vertraue ich wirklich darauf, dass es ’sich lohnen‘ wird, wenn ich alles aufgebe, was ich bis hierher an Werten in meinem Leben angehäuft habe (so viel oder wenig es individuell auch sei; es ist eben ‚Alles‘)? Vertraue ich darauf, dass mein Gott es nicht zulassen wird, dass ich im Zuge dieser Opferbereitschaft etwas unwiederbringlich verschwinden lasse, das Ihm und damit auch meinem eigenen wahren Wesenskern noch dienlich sein kann? Oder stelle ich womöglich noch immer meine eigene, menschlich-beschränkte Perspektive über Seinen weisen Ratschluss und über das Vertrauen in Seinen besten Willen für mich? Hier entscheidet sich erst, ob ich wirklich bereit bin, das mir Wertvollste in der Welt (was es auch in diesem oder jenem Moment des Lebenslaufes gerade sei) hinzugeben, um dafür etwas erhoffen zu dürfen, das sich zwar VIELLEICHT auch in der Welt ZEIGEN wird, wenn der Ewige das so bestimmt, das aber selbst essentiell ’nicht von dieser Welt‘ ist und das mir deshalb als solches auch nicht innerhalb dieser Welt zuteil werden kann (als ‚Teil dieser Welt‘ also), sondern nur DURCH diese Welt (also ‚vermittels dieser Welt‘). Aber dafür muss ich eben dieser Welt ganz absterben, trotzdem mein Fleisch weiter in ihr und an sie gebunden ist, wie Isaak auf das Holz gebunden ist, wie unser Messias auf das Kreuz geheftet ist. Und die Erlösung wird sich darin zeigen, dass das Fleisch stirbt, aber der Geist auflebt. So sieht Abraham dann auch rechtzeitig den ‚Widder‘, mit seinem ‚Kopf im Dornengestrüpp‘ verfangen; unschwer zu identifizieren als den Vorschatten des Messias, des ‚Lammes Gottes‘, mit seinem ‚Haupt von den Dornen des Spottes seiner Mörder gekrönt‘. Abraham und Isaak sehen hierdurch, wie heute auch wir es sehen dürfen, dass da ein Größerer sich stellvertretend selbst hingibt, und somit zu UNSEREM Besten denjenigen Tod unschuldig auf sich nimmt, den WIR eigentlich verdient haben, den wir eigentlich auf uns nehmen müssen, auf dass wir so durch dieses Opfer jenes Größeren, aus reiner Gnade unseres Königs also, DENNOCH leben dürfen. Könnten wir nach diesem Anblick dann etwa noch allein FÜR UNS SELBST leben wollen?

Nach den bisher behandelten drei Beispielen aus der biblischen Vorgeschichte, den Berichten des sogenannten Buches Genesis, gehen wir nun zur zweiten Buchrolle der Thorah über und befassen uns dort mit dem Pessach-Opfer, dem wahrscheinlich bekanntesten Vorschatten des Kreuzestodes unseres Messias, zu dem im Rahmen des ‚Exodus‘ der Kinder Israels wohl entscheidendsten Ereignis überhaupt, wird hier doch ihr ultimatives Vertrauen auf ihren Gott verlangt und todernst geprüft, um dann mit der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens belohnt zu werden.

Es sollte hier wohl einmal umrissen werden, was es mit ‚Ägypten‘ in der Bibel grundsätzlich auf sich hat, und besonders, was mit der ‚Befreiung der Kinder Israels aus der Knechtschaft Ägyptens‘ auch heute noch für jeden Einzelnen gemeint ist, der sich die Bibel zu seiner individuellen Grundlage zu machen gedenkt.

‚Ägypten‘, das ist im Hebräischen ‚Mitzrajim‘, ein Wort, das man auf so vielfältige Weise übersetzen kann, dass hier nur anhand seiner Wort-Wurzel auf einige Aspekte verwiesen werden kann: ‚Tzar‘ ist die ‚Bedrängnis‘, aber auch die ‚Form‘ als ein Begrenzendes. Außerdem wird der ‚Fels‘ genauso geschrieben (und auch die phönizische Stadt ‚Tyrus‘ gelegentlich). Die Endung ‚-ajim‘ deutet traditionell auf einen sogenannten ‚Dual‘ hin, also auf eine ‚Beidseitigkeit‘, etwa im Sinne des ‚von beiden Seiten in der Form eingezwängt sein’s, oder noch allgemeiner auf das Prinzip von Dualität überhaupt, die Zweiheit, in die alles in der äußerlichen Welt zerfällt, will man es verstehen und analysieren. Für dies alles steht ‚Ägypten‘ in der Bibel. Und dass es außerdem mit ‚Knechtschaft‘, mit dem Gefangen-Halten des Gottesvolkes und mit Weltherrschaft assoziiert ist, macht es zu einem sehr prototypischen Bild für jegliche sogenannte ‚Hochkultur‘ oder ‚führende Zivilisation‘. Nichtsdestotrotz ist Ägypten als der ‚Schmelzofen‘ auch von einer gewissen Nützlichkeit im großen Plan des Ewigen, indem wir als das zu formende Volk dort erst zu einem solchen werden, und indem wir im Zuge des immer mehr und heftiger Geknechtet-Werdens mit der Zeit uns erst unserer Situation bewusst werden und nach Beistand und Errettung durch das Ewige zu schreien beginnen. Auch nehmen wir am Ende bei unserem Auszug aus Ägypten von dort allerlei ‚Gold und Silber‘ mit, aus dem dann in der Wüste die erste Wohnung Gottes unter den Menschen nach Anweisung des Ewigen gebaut werden wird. Ägypten hat also trotz allem seine Berechtigung im sogenannten ‚Heilsplan‘. Und trotzdem sollen wir Ägypten nicht dienen, nicht in Ägypten BLEIBEN (selbst wenn wir wie Abraham oder Josef zwischenzeitlich notwendigerweise von Gott selbst einmal dorthin geführt werden).

Allerdings, wenn wir erst mal ‚drin sind‘ in Ägypten, lässt uns Pharao nicht mehr freiwillig weg (Pharao ist natürlich ein Bild des Erzfeindes überhaupt, der die Gotteskinder erst – zu Josefs Zeiten – zu sich lockt und scheinbar gut versorgt, dann aber bald sein wahres Gesicht zeigt, wenn sich das Gottesvolk bereits all zu sehr in Ägypten ‚eingerichtet‘ hat und eigentlich schon gar nicht mehr weg will …). Und hier kommt dann das ‚Pessach-Opfer‘ zum Zuge, ohne das wir unmöglich dem endgültigen Gericht über Ägypten hätten entgehen können, nachdem dieses schon zuvor durch die vorangegangenen neun Schläge des Ewigen in Trümmer gelegt worden war.

Was lernen wir aus dem Pessach-Opfer? Für die Zwecke dieses Artikels wollen wir den Fokus auf einen bestimmten Aspekt legen. Das geforderte einjährige, makellose, männliche Lamm, Schaf oder Ziege, gibt Wolle und zeugt potentiell noch viele Nachkommen, von denen wiederum Wolle erzeugt wird und von den weiblichen sogar noch Milch. Das Opfertier hätte also lebendig einige Anreize, wäre wohl eine Quelle von materiellem Gut ein Leben lang: Nahrung und Kleidung würden direkt oder indirekt von ihm bezogen werden können, das sind die grundlegenden materiellen Bedürfnisse des Menschen. Dennoch hat dieses Tier nun in seinem Tod einen noch größeren Wert, gar einen Wert auf einer völlig anderen Ebene, welche gar nicht mit materiellen Gütern aufzuwiegen ist. Das vergossene Blut des Tieres nämlich dient nach Gottes Willen als einzig mögliches Mittel zur Errettung vor dem ‚Verderber‘, der durch Ägyptenland gesandt wird, um alle Erstgeburt zu töten. Es verkörpert sich also im Pessach-Lamm und seiner Opferung das Wissen, dass im Tod mehr erreicht werden wird, als in jeglichem ganzen Leben möglich wäre. Ein ähnliches Bild bietet im Buch der Richter übrigens auch Simsons ‚Selbstmordattentat‘ (Richter 16,30).

Ein weiterer Vorschatten des Kreuzes, der sich ebenfalls schon in der Thorah findet, der aber leicht als vermeintliche Nebensächlichkeit in den Hintergrund treten kann, wenn man ihn eben nicht als einen solchen Vorschatten des Großen Werkes begreift, soll im Folgenden einmal näher beleuchtet werden. Es handelt sich dabei um die des Öfteren (im Buch Levitikus) anzutreffende Empfehlung im Rahmen von Opfergaben-Anweisungen, die darzubringenden Bestandteile des Opfers ‚auf dem Holz zuzurichten‘. Was sich hierin ausdrückt, ist die wichtige Einsicht, dass erst die materielle Verwirklichung eines Vorsatzes von solcher Wirkung sein kann, dass auch tatsächlich der ‚Rauch aufsteigt zum lieblichen Geruch für den Herrn‘, das Opfer also in den Himmel zum Ewigen vordringt und es dadurch zu einer Wechselwirkung mit dem Ewigen kommen kann.

Denn die Formulierung ‚auf dem Holz‘ meint natürlich, neben der zunächst oberflächlichen, plastisch-praktischen Bedeutung, das zu Opfernde dem Feuer auszusetzen, welches mit besagtem Holz genährt wird, auch, dass das Dargebrachte eben in der Realität des ‚Holzes‘, des KREUZES, in der materiellen Welt mit all ihrer Schwere und Härte erscheinen muss. Es genügt niemals, ‚geistige Opfergaben‘ in einem abstrakten (und damit de facto illusionären) ‚Raum des Geistigen‘ darzubringen. Denn auch alles Geistige benötigt, wenn es mehr als ein flimmerndes Phantom sein will, das Materielle als Vehikel, in dem es erscheint. Der Zusammenhang von Geist und Materie war, ist und wird niemals ein oppositioneller sein, sondern stets ein ambivalenter, als eine Einheit bestehend aus ‚Innen‘ und ‚Außen‘, aus ‚männlich und weiblich‘. Und wer den Geist so verstehen will, dass dieser die Materie insgesamt überflüssig mache, der befindet sich bereits (bewusst oder unbewusst) auf einem unheiligen Feldzug gegen das Göttliche in dessen Dimension der Weiblichkeit, und in letzter Konsequenz dadurch im Krieg gegen die sogenannte ‚Shekhinah‘ selbst, gegen jede Art von göttlicher ‚Einwohnung‘ innerhalb der Schöpfung.

Daher wird der getreue Jünger unseres Messias darum bemüht sein, insbesondere auch die Empfehlungen des Jakobus-Briefes ernstzunehmen, allen ausgesprochenen Segenswünschen immer auch segnende TATEN mitzugeben. Gleichermaßen wird er sich selbst, als das eigentliche Opfer, das er bringen kann, nicht nur im Abstrakten und in schönen Worten, sondern so konkret wie möglich, durch persönliche Hingabe, darbringen: nämlich ‚auf dem Holz zugerichtet‘, das heißt, wirklich bereit, den Flammen ausgeliefert zu werden, um verzehrt zu werden dort auf den ‚Brettern‘, die eben tatsächlich ‚die Welt bedeuten‘. Die ganze eigene ‚Person‘, die Maske also, die man als diese Figur hier im Weltlich-Zeitlichen tragen muss, um wahrgenommen zu werden, gilt es wie in einem Theaterstück ganz den Wünschen des Regisseurs gemäß zu spielen; nicht irgendwelchen flüchtigen Gelüsten des Charakters entsprechend, den die Maske in dem gerade aufgeführten Stück am repräsentieren ist – sondern einzig und allein der ‚Story‘ dienend, wie sie dem Publikum zu vermitteln ist, um die ‚Katharsis‘ zu ermöglichen, die Läuterung als Ideal vor Augen zu stellen, das Erlösung verheißt. Und wir sind wieder beim Stichwort ‚gelebtes Gleichnis‘, das für den Himmel mehr wert ist, als der Lebenslauf selbst, der dieses Gleichnis am leben ist.

Kurzer Einschub: Für eine Menge von knapp gehaltenen, aber durchaus inhaltsschweren und oft sehr erbaulichen Untersuchungen alttestamentlicher Bezugnahmen auf das Kreuz Christi sei hier zuletzt mit einem Satz das Büchlein ‚Spuren zum Kreuz‘ vom Prediger Wilhelm Busch empfohlen (im Internet leicht als kostenloses PDF zu finden).

So. Nun gilt es aber dringlichst eines klarzustellen: Alles bisherige war im Grunde nur Theorie. Diese kann zwar erstaunliche Hilfe beim innerlichen Verdauen gewisser Realitäten leisten, ist aber am Ende dennoch wertlos, wenn sie nicht die Praxis mit sich bringt, von der die Mitmenschen etwas haben. Ohne die Liebe Gottes, die durch einen selbst an die Mitmenschen weitergegeben wird, bleibt das ‚Kreuz-auf-sich-Nehmen‘ eine sinnlose Selbstgeißelung, gar ein greulicher Götzendienst, bei dem wiederum nur das eigene Ego, und wenn auch in neuer, verzerrter Gestalt, auf den Thron gesetzt worden ist.

Bin ich also im Vertrauen auf meinen König und seine Kraft und Macht so weit gefestigt, dass ich hinreichend in mir selbst ruhe, dann habe ich die Kapazität, alle weitere Kraft, die mir von Ihm zufließt, da hinein zu leiten, nun wirklich an mir selbst arbeiten zu lassen. Das heißt, dass von da an keine Ausreden mehr greifen können, nach dem Motto ‚dieses oder jenes bindet meine Kräfte zu sehr, als dass ich hier und dort noch weiteres erreichen könnte‘. Denn solches sind die Argumentationen des Alten Menschen, der ohnehin absterben muss, dem nicht mehr nachgegeben werden darf. Der Neue Mensch dagegen, der sich zunehmend Ausdruck verleiht in mir, stellt alle seine freien Ressourcen in den Kampf gegen diesen Alten Menschen, um auszutreiben, was dem Tempel des lebendigen Gottes nicht würdig ist, was nicht dem Wesen unseres Himmlischen Königs und geliebten Messias entspricht. Und genau DIESER Kampf des Neuen gegen den Alten Menschen ist es dann eigentlich erst, der das tatsächliche ‚Auf-sich-Nehmen des Kreuzes‘ kennzeichnet.

Was sind nun einige typische ‚alt-menschliche‘ Charakterzüge und Verhaltensweisen, die so dringend durch die Reinheit unseres Meisters ersetzt werden müssen?

Wenn auch wohl gemeinhin mit dem an sich freilich sehr fragwürdigen Katholizismus assoziiert, sind doch die sogenannten ‚7 Todsünden‘ als klassische Beispiele für solcherlei Charakterzüge unbedingt einmal zu nennen: Hochmut/Eitelkeit, Habsucht/Geiz, Lüsternheit/Genusssucht, Jähzorn/Rachsucht, Maßlosigkeit/Völlerei, Eifersucht/Missgunst, Faulheit/Trägheit. Allesamt die Entgleisungen (in die eine oder andere Richtung) von sieben göttlichen ‚Tugenden‘ oder Charakterzügen: Selbstzufriedenheit, Vorsicht, Wonnebereitschaft, Gerechtigkeitsempfinden, Hingabe, Eifer, Gelassenheit. Wer ehrlich zu sich selbst ist, sollte genug von den besagten Entgleisungen dieser Sieben bei sich in der Seele finden, sofern er noch nicht völlig der Welt abgestorben ist. Manch eine dieser krummen Eigenschaften mag sich geschickt zu tarnen schaffen, wenn ich nicht allzu ambitioniert nach derlei dunklen Flecken in mir Ausschau halte – aber bei eingehender Selbstbetrachtung werde ich mich nicht endlos täuschen können und früher oder später wahrscheinlich in jedem dieser sieben Bereiche etwas in mir finden, das eindeutig noch nicht mit den Wesenszügen des Christus übereinstimmt.

Weil nun aber diese sieben Begriffe so ideologisch vorbelastet und für viele wohl auch pseudo-moralisch aufgeladen sind, empfiehlt es sich vielleicht, einmal auch konkretere Beispiele anzusprechen, die letztlich alle irgendwie unter eine dieser sieben Kategorien untergeordnet werden könnten, wenn man ein Freund von schematischer Systematisierung ist.

Da wäre zum Beispiel: das Vergeben-Können. Wie viele Menschen hadern ihr Leben lang mit Dingen, die an ihnen nagen, die sie zwar gar nicht ’selbst verschuldet‘ haben, sondern die ihnen widerfahren sind, die sie aber dann im Nachgang als unzulässige Ausreden für dieses oder jenes Verhalten, für diese oder jene wenig hilfreiche Angewohnheit oder Sichtweise auf die Welt und die Mitmenschen missbrauchen. Und wie vieles würde erlöst werden in uns selbst, könnten wir dann dem (wenn auch vielleicht nur vermeintlichen) Verursacher der betreffenden Geschehnisse vergeben?! Aber so einfach sich das abstrakt vermuten lässt, so schwer ist es dann oft in der Umsetzung. Was dabei dann die genauen Hindernisse sind, mag ganz unterschiedlich sein: falscher Stolz, Rachsucht, Selbstmitleid oder sogar bloße Trägheit, ein Thema endlich gedanklich anzugehen, Gewohnheiten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu überwinden. Überhaupt: Gewohnheiten ändern zu wollen ist etwas, das uns (Alten) Menschen gar nicht leicht fällt. Wohlgemerkt: Erst einmal ist hier nur die Rede vom Ändern-WOLLEN! Der primäre Entschluss ist es oft schon, zu dem man sich nicht einmal hinreißen kann. Denn wir müssten dazu oft unsere bisherigen Fehleinsichten korrigieren – korrigieren LASSEN. Und das geht uns wiederum an den sogenannten Stolz, oder es scheitert einfach an der Trägheit unseres Herzens.

Grundsätzlich scheint uns sehr häufig einfach ein gewisser Antrieb zu fehlen, Dinge endlich anzugehen, die uns nicht von der Welt um uns herum abverlangt werden, sondern die uns eben unser Gott empfiehlt, und für die die besagte Welt um uns herum oft im Gegenteil gar kein Verständnis hat, uns womöglich noch misstrauisch anguckt, wenn wir ihr in einer solchen Sache aufzufallen beginnen … ‚Einsatz zeigen‘ ist also etwas, das wir in Fragen unseres Wandels mit dem Messias jeden Tag aufs Neue WOLLEN müssen, aus uns selbst heraus. Die Umwelt wird uns dazu nicht sonderlich antreiben. Höchstens unser Vater im Himmel, VERMITTELS unserer Umwelt, wenn er uns aus Liebe züchtigt. Jedoch, leichter haben wir es eigentlich, wenn wir schon vorher dran denken …

Ein weiteres wichtiges Themenfeld in unserer hektischen Jetzt-Zeit ist sicherlich, sich in jeglicher Hinsicht in Geduld zu üben, sich auch nicht reizen oder gar provozieren zu lassen von Kräften, die uns aus der Reserve locken möchten, um uns wieder der Welt anzugleichen. Wie leicht fühlen wir uns doch ‚berechtigt‘, wütend zu werden, gehässig zu sein, sarkastisch oder zynisch zu reagieren … und merken dabei nicht, wie die Falle des Feindes wieder zugeschnappt hat. Denn der uns da gereizt und verführt hat, solches Verhalten zu zeigen, das war nur in seeehr begrenztem Maße der jeweilige Mensch, über den uns diese Prüfung in dem Moment dann erreicht hat, uns gestellt wurde … nein, wie immer war auch hier dieser Mensch nur das unwissende Handpüppchen des ewigen SCHLEIFSTEINES, des sogenannten ‚Feindes‘, dem wir uns selbst ausgesetzt haben, indem wir uns nicht voll und ganz an unseren Gott gehalten haben. So ließ dieser unser Gott uns in die Versuchung hinein rennen, uns zu prüfen und mal wieder vor Augen zu führen, wo wir erst stehen.

Machen wir uns solcherlei Situationen, wenn sie uns auch immer mal wieder überrumpeln, dann aber konsequent bewusst, so können wir mit der Zeit und mit der Hilfe unseres Vaters im Himmel immer öfter von unserer kurzsichtigen und völlig unangebrachten Überheblichkeit ablassen, insbesondere auch von jener Überheblichkeit, die schon lange gar nicht mehr äußerlich ausgelebt wird, sondern sich um so geschickter und teuflischer innerlich verbarrikadiert hat, sich in Trotz und Stolz eingehüllt hat, und aus dem Verborgenen heraus in unser Verhalten und vor allem in unser Denken und Bewerten eingreift. Gestehen wir uns diese erbärmliche Überheblichkeit ein, und wenn auch wieder erst, nachdem wir hart vom Vater gezüchtigt worden sind wegen ihr, dann lernen wir von Christus nach und nach, wie wir diese unnütze Denkfalle von vorneherein vermeiden können. Hätte nicht Jeschua so viel mehr vermeintliche Gründe gehabt als wir, überheblich gegenüber der ganzen Mitmenschenwelt zu empfinden? Aber was tat sich in Ihm stattdessen? Mitgefühl, Er litt mit ihnen allen, die Ihn in ihrer Verblendung hassten und ablehnten, bat auch für sie um Vergebung. Und wenn Er etwas gegen jemanden vorzubringen hatte, dann tat Er es in eiferndem Zorn, ohne die Kontrolle zu verlieren, und dennoch mit Vollmacht und gewaltigen Worten und zeichenhaften Handlungen! In sich selbst hinein gefressen hat unser König nichts, im Zweifelsfall hat Er es in der Einsamkeit seiner Gebete dem Vater im Himmel vorgetragen und bei Ihm die Kraft getankt, die ihm die unverständigen Mitmenschen vielleicht ständig am entziehen waren. Aber diesen Menschen hätte Er das niemals vorgeworfen. Im Gegenteil: Es war ja seine Mission, sich selbst ganz hinzugeben – wieso hätte Er also mit irgendwem hadern sollen, der sich da so an Ihm labte, und wenn auch auf Seine Kosten?!

Am Ende gilt es deshalb, ein so umfassendes Wohlwollen allen unseren Mitmenschen gegenüber zu entfalten, wie es unser König vorgelebt hat, als Er hier mit uns auf Erden im Fleisch gewandelt ist. Ein Wohlwollen, das nicht mehr unterscheidet zwischen mir und ‚den anderen‘, nur noch zwischen verschiedenen Perspektiven auf ein und das selbe: auf das Leben in dieser gefallenen Welt, als gefallene Menschen im Fleisch; ein Leben, das dem Untergang geweiht ist, insofern es nicht über sich selbst hinaus zu weisen schafft.

Abschließend seien nun am Beispiel des Kreuzestodes unseres Messias noch zwei sehr schwierige Prüfungen betrachtet, die uns jederzeit als Seine Jünger (in mehr oder weniger dramatischer Ausprägung) erwarten können, und die Er am Kreuz sterbend in so besonders erschütternder Weise gemeistert hat. Das ist erstens: die eigentlich verdiente Strafe für seine Geliebten an deren Stelle SELBST zu tragen, um ihnen diese Last abzunehmen; und zweitens: der kommenden Generation zuliebe, selbst im Fleisch das Ziel, für das man kämpft, nicht mehr erreicht sehen, sich selbst also völlig für die Sache aufzugeben, ohne Gewissheit, in dieser Welt noch den Sieg erleben zu dürfen (oder gar mit der ausdrücklichen Gewissheit, diesen Sieg keinesfalls mehr in dieser Welt erleben zu können).

Diese zwei Prüfungen verkörpern sich nun beim Kreuzestod Jeschuas in zwei bestimmten Bezügen zur Heiligen Schrift.

Die erste Thematik entspricht dem sogenannten ‚Eifersuchtsfluch‘ aus der Thorah (Numeri 5,11-31), einem Ritus, bei dem ein Kelch mit ‚bitterem, verfluchtem Wasser‘ ganz spezifischer Anmischung (Verse 17-24) einer mutmaßlich ehebrecherischen Frau zu trinken gegeben wird, um dadurch herauszufinden, ob der Fluch (‚Hüfte soll schwinden, Bauch soll anschwellen‘, siehe Vers 21) sie aufgrund ihrer Schuld treffen wird, oder ob sie doch unschuldig ist und daher unbeschadet aus der Prüfung hervorgeht. Jeschua nimmt nun für uns die Rolle eines solch barmherzigen Ehemannes ein, der diesen Kelch ANSTELLE seiner Frau trinkt, und das trotz der Gewissheit, dass der besagte Fluch wirksam werden wird, weil seine Braut (= WIR, die Gemeinde, das Volk Israel) ganz offensichtlich (mit all den Götzen) herumgehurt hat. Und so geschieht es dann am Kreuz in der Tat, dass Jeschua eben besagten ‚Kelch trinkt‘, da dieser nach dem Willen des Vaters nicht ‚an ihm vorüber gehen‘ soll (wie zunächst von Jesus erbeten im Garten Gethsemane, mit der Einschränkung, dass aber nicht Sein Wille, sondern allein der Wille des Vaters geschehe, siehe Lukas 22,42, Matthäus 26,39), und dass ihn dadurch der Fluch im Zuge der Kreuzigung auch ganz anschaulich trifft: Denn durch einen bestimmten physiologischen Mechanismus kommt es dazu, dass im Laufe einer Kreuzigung der Bauch des Gekreuzigten scheinbar anschwillt, weil unter anderem seine Lunge sich mit Wasser, Blut und sonstiger Körperflüssigkeit vollsaugt, und durch das hierdurch zunehmende Eigengewicht immer weiter absinkt im Brustkorb, und sich die Organe des Oberkörpers dadurch zunehmend zusammengedrückt im Bauchbereich bündeln und dort durch die Bauchhaut nach außen drücken, an dieser einzigen Stelle des Oberkörpers, wo keine Knochenstrukturen ein solches Anschwellen nach Außen verhindern können. Dass auch scheinbar ‚die Hüften schwinden‘ bei der Kreuzigung, ist vielleicht dadurch zu erklären, dass auf den Hüften alle Last liegt, um die Körperspannung so weit aufrecht zu erhalten, dass die Lunge noch ein wenig arbeiten kann. Und weil die mit einem Nagel durchbohrten Füße noch dazu durchgängig heftige Schmerzkrämpfe die Beine hoch senden, dürfte die Kontrolle über die Hüftmuskulatur zunehmend schwierig sein und letztlich vollkommen zusammenbrechen.

Bei der zweiten genannten Prüfungs-Thematik geht es dagegen um ein gewisses Naturgeschehen, das so faszinierend perfekt eine Analogie zur Selbstaufopferung des Messias am Kreuz für seine ‚Kinder‘ darstellt, dass es höchstwahrscheinlich seinen Niederschlag auch schon im berühmten prophetischen Psalm 22 findet: Nämlich der Lebensweg des Muttertieres der sogenannten Kermes-Schildlaus, eines kleinen rotfarbenen Wurmes, der sich an einen Baum (also an ein HOLZ) begibt, sich dort festmacht, dass er nicht mehr loskommt (also wie ‚festgenagelt‘ ist), und dort seine Eier zwischen sich und den Baum legt, an den er nun untrennbar gekettet ist bis zu seinem Tod, und seine Kinder so quasi ‚in sich‘ schlüpfen lässt; und der dann auch tatsächlich SELBST diesem Nachwuchs als Nahrung dient, indem sich die Neugeschlüpften von der Körpersubstanz (quasi dem ‚Fleisch und Blut‘) des Muttertieres ernähren (sonst könnten sie nicht LEBEN), während dieses Muttertier irgendwann am Baum klebend stirbt, und die Kinder – in die charakteristische rote Farbausscheidung (also sozusagen in das ‚Blut‘) des Muttertieres getränkt – aus dem Leib ihres Muttertieres hervorgehen als die neue Generation, ‚das neue Geschlecht‘.

Zusammenfassend können wir noch einmal über die Symbolik des Kreuzes festhalten: Für den Nachfolger des Messias, der wie Er sein Kreuz auf sich nehmen soll, geht es darum, die Grausamkeit dieses Kreuzes gerade dadurch zu einem Heil(en) werden zu lassen, dass er selbst das vervollständigende Fünfte ist, die Eins gegenüber der Vier und gleichzeitig als Einheit MIT der Vier. Denn alles Schlechte und Böse, das der Einzelne als solches wahrzunehmen vermag, ist ’nur‘ aus seiner beschränkten Sicht ’nicht gut‘. Er selbst kann aus sich heraus nicht wissen, wie es sich vor dem Hintergrund des Ganzen darstellt. Doch im Bilde des Messias und des Großen Werkes am Kreuz haben wir den Hinweis, dass selbst das Grausamste in Gottes Plan ein Heilsgeschehen sein kann für die, die Seinen Empfehlungen folgen, die Seinen Zusagen vertrauen.

Die Essenz des individuellen Ganges zum Kreuz ist in jedem Fall: Der Kampf tobt, und zwar vom Moment des Entschlusses zur UMKEHR aus dem Leben dieser Welt an, der Kampf zwischen Altem und Neuem Menschen, zwischen dem ‚Fleisch‘ und dem neugezeugten Gotteskind, jenem erstmals wahrhaft Geistigen im Erdenmenschen. Und dieser Geist muss das ‚Fleisch‘, die alte Seele des gefallenen Menschen, Zug um Zug überwinden. Um jeden Preis. Denn Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht erben. Aus diesem (Hin-)Einleben des frisch gezeugten Geistes zunächst in das Seelische und letztlich bis in das Leibliche des betreffenden Menschen hinein besteht der gesamte Rest des ‚Lebens im Fleisch‘ für ein jedes Kind Gottes. In diesem Kampf wird dann in der Tat der Messias in jedem einzelnen seiner Jünger mehr und mehr erhöht, indem Sein Wesen sichtbar und erfahrbar wird in seinen Brüdern und Schwestern, die Ihm mit allem, was sie haben, nachstreben.

Trotzdem man also ‚in der Welt‘ bleibt, in dieser Welt Wirkung zu entfalten gedenkt, ergibt sich die Freude und der innere Frieden NICHT (mehr) aus den Verhältnissen dieser Welt, sondern allein aus einem innerlichen Gefestigtsein in dem Bewusstsein des eigenen, individuellen Verhältnisses zur Welt, und zur diese Welt hervorbringenden Ewigkeit, ‚Über-Zeitlichkeit‘, die eben auch in jedem kleinsten Teil dieser zeitlichen, vergehenden Welt mit-enthalten, anwesend ist für den, der diese Welt als solche ‚überwunden‘ hat, dadurch ‚durch sie hindurch schaut‘ – sie DURCHSCHAUT.

Deswegen: Immer wieder der Blick auf den Gekreuzigten, auf unseren König und Gott!

Opfergaben


Opfergaben levitischer Ordnung und ihr Widerhall im Alltag des Christus-Jüngers

Drei Arten von Opfergaben sollen im Folgenden besprochen werden. Das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer. Im Vordergrund soll dabei stehen, was diese Opfergaben ihrem Symbolgehalt nach für den individuellen Wandel eines Dieners des Ewigen bedeuten – auch heute noch, ganz jenseits irgendeines oberflächlichen Schlachtopferkultes, bei dem man noch andere Lebewesen für die eigenen Sünden opfert, anstatt die Verantwortung fürs eigene Handeln, mit dem Beistand Gottes, selbst auf sich zu nehmen. Denn aller äußerlicher Ritus ist seit jeher EIGENTLICH in erster Linie ein Abbild von Himmlischem, das uns auf diesem anschaulichen, handfesten Wege näher gebracht werden soll. Und das Hebräische Wort für ‚Opfern‘, Korban, ist wortwörtlich auch als ’näherbringen; sich nahen‘ zu übersetzen. Denn in Gestalt der Prozesse, die sich in den sogenannten ‚Opfergaben‘ verkörpern, können wir als Priester Christi uns dem Ewigen nähern, indem wir diese Opfergaben ‚in Wahrheit und Geist‘ darbringen (und nicht in physischem Blutvergießen und Fleischzerhacken …).

Grundsätzlich gilt: In allen Opfergaben des Levitischen Ritus spiegelt sich das absolute Opfer des Christus wieder, das, vom Ewigen her betrachtet, schon vor ‚Grundlegung der Welt‘ geschehen ist (siehe Offenbarung 13,8), und sich vor nun mehr rund 2000 Jahren dann in einem historischen Ereignis als handfeste Realität manifestiert hat. In jedem Detail der levitischen Opfergaben kann deshalb ein Aspekt der Selbstaufopferung des Messias gesehen werden.

Darüber hinaus jedoch, weil nämlich der Christus in allen seinen Nachfolgern lebendig sein muss (z. B. Galater 2,20; Johannes 15,5), zeigen die levitischen Opfergaben gleichzeitig dem Gläubigen auf, wie dieser in seinem eigenen Leben den Messias erhöhen kann. Jedes Detail der Opferanweisungen kann deshalb auch als Hinweis gelesen werden, an welchen Punkten in unserem eigenen Wandel das ‚Kreuz Christi‘ greifen soll, und auf welche Art und Weise.

Das Ganzopfer (oder ‚Brandopfer‘), bei dem alles ganz ‚aufsteigt gen Himmel‘, ist die erste Grundvoraussetzung für alles weitere. Das bedeutet fürs Geistige: Zu aller erst muss der Diener des Ewiglebendigen bereit sein, sich selbst – seine ganze individuelle Existenz – aufzuopfern, das heißt in die Hände des Ewigen und seines Messias zu legen, der da ist das fleischgewordene ‚Wort Gottes‘ (= die Thorah), das nach seiner Auferweckung vom Tode (= von der einstigen Inaktivität) nun lebendig ‚zur Rechten der Macht sitzt‘ (= als die ‚rechte Hand‘, als das direkte Handeln und Wirken des Ewigen innerhalb der Schöpfung dient), zu ‚richten (= berichtigen) die Lebenden und die Toten‘.

Dem Brand- und Ganz-Opfer entspricht deshalb die Bereitschaft, dem Messias in der Tat ‚bis ans Kreuz‘ zu folgen, das heißt: genau so wie Er den schmachvollen und harten Weg anzutreten, der mit Gewissheit den ‚Tod des Fleisches an der Vierheit des Materiellen‘ zur Folge hat – ein (Ab-)Sterben (des eigenen Fleisches), das die Voraussetzung für die darauffolgende ‚Wiedergeburt aus Wasser und aus Geist heraus‘ (Johannes 3) ist, für die ‚Auferweckung von den Toten‘, zum ‚ewigen Leben‘, zugunsten eines – abstrakt gesprochen – ’sich-selbst-erlebenden Lebendigseins als Existenz bis in die Dimension der Ewigkeit hinein‘.

Im selben Maße, wie die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe eine Notwendigkeit für alles weitere im Glaubensleben ist, wenn es ein dem Ewigen entsprechendes Glaubensleben sein soll, so ist auch das Ganzopfer im levitischen Ritus eine Notwendigkeit für alle weiteren Opfergaben, die darauf aufbauen. Wird irgendeine andere Opfergabe versucht darzubringen, ohne dabei das ‚Feuer‘, die glühenden Kohlen vom Brandopferaltar zu benutzen, auf dem man zuvor das Ganzopfer gebracht hat – so ist es eine Opfergabe mit ‚fremdem Feuer‘ und endet, wie im Falle von Nadav und Abihu geschehen (Levitikus 10,1ff): der Ewige verzehrt die Falsch-Opfernden, anstelle der Opfergaben, mit seinem unauslöschlichen Feuer. Entsprechend schreibt Paulus: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger [wörtlich etwa: euer ‚dem Logos/Wort entsprechender‘] Dienst ist.‘ (Römer 12,1)

Betrachten wir nun noch einige Details der Anweisungen zum Brandopfer, kommen noch manche interessante Entsprechungen in den Blick.

‚Es soll das Feuer auf dem Altar immer brennen‘: Die Bereitschaft, die eigene Existenz, das eigene Leben vollständig ‚dahinzustellen‘ (Johannes 10,17f; 15,13) ‚für seine Freunde‘ (und für seine Brüder und Schwestern), muss immer vorhanden sein. Das ‚Feuer des Geistes‘ darf niemals ausgehen.

‚Der Priester soll die Hände auf den Kopf des Opfertieres stützen‘: Der Nachfolger des Messias stützt für seine eigene Selbstaufopferung all sein Handeln auf das Haupt (= Prinzip) des für ihn Geopferten (= Messias), sodass also all sein Handeln nach den Prinzipien des Messias ausgerichtet sei.

‚Das Blut des Geopferten soll ringsum an den Altar (‚Altar‘ ist auf Hebräisch wortwörtlich: ‚[sich-]Darbringendes‘) gesprengt werden‘ (das Hebräische Wort für ‚Blut‘ kann u. a. immer auch als ‚Gleichnis‘ übersetzt werden): Das Gleichnis des Messias muss von allen Seiten dem Sich-Darbringenden entgegentreten; die gesamte individuelle Wirklichkeit muss somit zu einer Heiligen Schrift werden, die ihm das Evangelium verkündigt.

‚Das Opfer soll zerlegt werden, Kopf und Fett sind auf dem Holz zuzurichten‘: Unser Messias muss unter alle Welt verteilt werden (indem er in allen seinen Jüngern lebendig sein soll), sein Prinzip und das Beste von ihm müssen unbedingt auf dem Holz (= auf dem ‚Kreuz‘; innerhalb der gefallenen, grausamen, materiellen Welt) das Werk für diese Welt vollenden.

‚Eingeweide und Schenkel sollen in Wasser gewaschen werden‘: Die ‚Reinigung im Wasserbad des Wortes‘ (Paulus an die Epheser, Kapitel 5,26) muss gleichermaßen das Innerlichste betreffen, wie auch den äußerlichen Wandel.

Ein Detail ist noch besonders interessant, näher zu betrachten: Was genau geschieht mit der Haut des Opfers? Sie gehört dem Priester, der das Brandopfer darbringt (Levitikus 7,8). Das Hebräische Wort für ‚Haut‘ (buchstabiert: Ayin-Waw-Resch) leitet sich nun von der Wortwurzel ab, die unter anderem mit ‚erwachen, wach sein; bewusst sein/werden‘ assoziiert ist. Es ist daher eine mögliche Dimension des Verständnisses besagten Verses, dass ‚dem (sich nahenden) Priester‘ das ‚Bewusstsein und Bewusstwerden‘ des ‚Opfers‘ zuteil werde. Und das ursprüngliche ‚Opfer‘, auf dass jedes physische Opfergeschehen hindeutet, ist eben die zeitlose Selbstaufopferung des ‚Lammes Gottes‘, sodass dessen alles durchdringendes, den Fall in die gefallene Schöpfung freiwillig, aus Gnade mitmachendes Bewusstsein uns, als den Priestern Christi, zuteil werden soll, indem wir uns wie Er selbst hinzugeben streben für unsere Brüder und Schwestern und damit für unseren Gott, für das Ewige.

Das Speisopfer besteht dann darin, aufbauend auf dem primären Ganzopfer, zusätzlich Feinmehl, oder Kuchen und Brotfladen aus Feinmehl, darzubringen; stets mit Öl begossen und mit Weihrauch verfeinert (Details in Levitikus 2 und 6,7-16, bzw. 6,14-23 in anderer Verszählung). Insbesondere das Gewinnen von Feinmehl ist dabei nun der Prozess, in dem etwas (nämlich die Frucht des Getreides, das Geerntete) immer weiter verfeinert wird, in tagtäglicher Mühsal (die hierzu gebrauchten Siebe sind recht massiv und der Siebe-Vorgang nimmt Zeit in Anspruch, zudem muss sich damit arrangiert werden, niemals ‚ganz fertig‘ werden zu können, weil es stets wieder Bedarf nach neuem Feinmehl geben wird, solange man noch weiter opfern will und muss).

Vom Hebräischen her ist das ‚Speisopfer‘ eigentlich eher als ‚Geschenk‘ oder als ‚Tribut‘ zu übersetzen (‚Minchah‘), wortwörtlich jedoch ist es sogar das ‚Besänftigende‘, das ‚Beruhigende‘ und das ‚Beschwichtigende‘.

Die Symbolik dieses Opfers also meint, durch einen tagtäglichen, nie ganz zu vollendenden Prozess der ‚Feinsiebung‘ der eigenen Verhaltensweisen und Denkmuster dafür zu sorgen, dass es zu einem zunehmenden ‚Beruhigen‘ kommt, zu einem Beschwichtigen des rechtmäßigen ‚Zornes der Gottheit‘ aufgrund unserer menschlichen Unzulänglichkeiten, durch den wir im Bestfall gezüchtigt, im schlimmsten Fall gar vernichtet werden. Es ist dies gleichermaßen ein Beruhigen dieses Zornes der Gottheit und ein Beruhigt-Werden DURCH die dabei zur Geltung kommende Gnade dieser Gottheit. Ein Beruhigt-Werden, das darin besteht, dass man in der Folge der völligen ‚persönlichen‘ Selbstaufgabe (das ‚Ganzopfer‘) vermittels der freiwerdenden Energie derselben (dem ‚Feuer‘ dieses Ganzopfers) einen wenigstens symbolischen Tribut entrichtet demjenigen, der (oder ‚das‘) einem ermöglicht, entgegen aller Gerechtigkeit, aus reiner Gnade und Barmherzigkeit, zu LEBEN, so als hätte man die Ordnung der ursprünglichen Schöpfung nie verlassen gehabt. Dankbarkeit ist deshalb vielleicht eine wesentliche Triebkraft, die uns zum täglichen Feinsieben verhilft, um unser Beruhigt-Werden als einen Tribut unserem Schöpfer wenigstens symbolisch zurückzugeben.

Auch zum Speisopfer sollten wir uns aus einer symbolischen Perspektive nun noch einige Details der Anordnungen ansehen.

Die Symbolik des Öls ist aus neutestamentlicher Perspektive ganz klar das ‚Erfüllt-Sein mit dem Geist der Heiligkeit‘. Unsere ständige Arbeit an unserem Alltagswandel muss also vom Geist Gottes geleitet sein, darf nicht ohne diesen von Statten gehen (das wäre nämlich dann ‚aus uns selbst heraus‘, das heißt: unseren eigenen, noch vom Fleisch verblendeten Vorstellungen entsprechend).

Bei der Symbolik des Weihrauchs kann einerseits einfach das ‚Gebet eines Heiligen‘ gesehen werden (siehe Offenbarung 5,8), wenn der Weihrauch schlicht als ein ‚Räucherwerk‘ aufgefasst wird. Darüber hinaus allerdings kann auch die Hebräische Wortwurzel, die von der Farbe ‚Weiß‘ spricht, in Betracht gezogen werden: Der Weihrauch also steht für das reine, lautere Bitten, das der an sich selbst Arbeitende stets auf den Lippen haben soll.

Dass kein Sauerteig (das ist ‚Aufblähendes‘) im (regulären) Speisopfer sein soll, unterstreicht den Anspruch an sich selbst, jegliche Sünde und Sündhaftigkeit zu vermeiden, aus dem Wandel auszutilgen. Denn, wie der kleinste Rest an Sauerteig, ist auch die kleinste Sünde etwas, das sich zwangsläufig ausbreitet, bis am Ende ‚der ganze Teig durchsäuert‘ ist (siehe etwa Paulus im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 5,6). Mit dem Vermeiden eines jeglichen ‚Aufblähens‘ steht auch die Empfehlung im Zusammenhang, dass ‚kein Honig‘ im Speisopfer enthalten sein soll; denn Honig begünstigt einen Gärungsprozess, der wiederum Sauerteig hervorbringen würde. Dasjenige also, das unser Bestreben nach einem wohlgefälligen Wandel allzu sehr ‚versüßen‘ würde, gilt es zu vermeiden, weil es die Tendenz hat, uns wieder in Sünde abgleiten zu lassen. Stattdessen soll unser Bestreben ‚gesalzen‘ sein; Salziges macht Durst auf ‚Wasser‘, in diesem Fall auf das ‚lebendige Wasser‘, welches das Wort Gottes, die Lehre unseres Messias ist (siehe z. B. Johannes 4).

Zuletzt: In der Pfanne erhitzt wird das Speisopfer, und damit auf den glühenden Kohlen des Brandopferaltars, deren Feuer nie ausgehen darf. Kann dies ein Hinweis sein auf die ‚Drangsal‘, in der uns unser himmlischer Vater läutert, wie man Gold oder Silber im Feuer läutert (siehe z. B. Sacharja 13,9; Maleachi 3,3; Jesaja 48,10; Sprüche 17,3; 1. Petrus 1,7; Hebräer 12,11)? Denn ganz ohne Drangsal, ohne Anfechtung und Gegenwind, kann ein aufrichtiger Glaubensweg nicht gegangen werden, solange diese Weltzeit noch andauert. Hat ein Diener des Ewigen bisher noch keinerlei Anfechtungen und Prüfungen erleiden müssen, dann sollte er sich ernsthaft Gedanken machen, ob er nicht einem falschen Christus am folgen ist …

Das Friedensopfer ist dann die Vollendung derjenigen drei Opfer, die nicht als bloße Korrektur von konkreten Verfehlungen nötig geworden sind, sondern die ganz grundsätzliche Aspekte der Anbetung des Ewigen darstellen (und die deshalb in diesem Artikel hier beschrieben werden).

‚Frieden‘ ist im Hebräischen von der Wortwurzel her immer gleichzeitig auch ein ‚Ausgleich‘, ein ‚Wiederherstellen von zuvor erschütterter Ordnung‘, eine notwendig gewordene ‚Vergeltung‘ und eine daraus folgende ‚Harmonie‘. Das Endziel der Selbstaufopferung und Heiligung eines Dieners des Ewiglebendigen, eines Jüngers Jesu Christi, ist genau dieser FRIEDEN Christi (Kolosser 3,15; Johannes 14,27): ein erlebter vollendender Ausgleich aller Ungerechtigkeit, als die (zunächst subjektive) Wiederherstellung der harmonischen Ordnung des Ursprungs – etwas, was die Welt einem niemals wird geben können.

Im Friedensopfer zeigt sich besonders deutlich, wie die zwei vorangehenden Opfergaben als direkte Voraussetzung zu verstehen sind, denn das Friedensopfer ist selbst ‚auf dem Brandopfer anzurichten‘ (Levitikus 3,5) und beinhaltet als einen ‚Dankopfer-Anteil‘ auch eine Art Speisopfer (Levitikus 7,12). Überhaupt gibt es beim Friedensopfer einige Gemeinsamkeiten mit dem Brandopfer: der Priester soll wieder seine Hände auf den Kopf des Opfertieres stützen und es soll auch wieder das Blut um den Altar herum gesprengt werden (zur Symbolik siehe daher oben im Text).
Die spezifischen Einzelteile des Opfertieres für das Friedensopfer sind nun: das Fett aller besonders fettigen Stellen (wie immer; das Beste gilt es, dem Ewigen anzudienen), die Nieren (wörtlich auch als ‚Vollendung; Vernichtung‘ aus dem Hebräischen übersetzbar) und das Netz, bzw. der Lappen über der Leber (auch übersetzbar als das ‚Überhängende; Überflüssige‘ oberhalb der ‚Schwere; Ehre; Herrlichkeit‘).

Diese spezifischen Teile nun sollen als ‚Feueropfer‘ dargebracht werden (wie beim Brandopfer), ‚geräuchert‘, zum ‚lieblichen Geruch‘ für den Ewigen. Das Wort ‚Feueropfer‘ ist deswegen interessant, weil es auf Hebräisch genauso geschrieben wird, wie das Wort ‚Frau‘. In diesem Sinne ist ein jedes ‚Feueropfer für den Ewigen‘ eine ‚Frau für den Herrn‘; so wie die Gemeinde Christi, die sich selbst für den Ewigen hingibt, um ‚zu ihm aufzusteigen‘ (1. Thessalonicher 4,17), als dessen ‚Braut‘ (hebräisch wörtlich ‚die Vollendete‘, vgl. auch die erwähnte Wortbedeutung des hebräischen Wortes für ‚Nieren‘) eben auch eine ‚Frau für den Herrn‘ ist, um ‚verherrlicht zu werden‘ (vgl. mit erwähnter Nebenbedeutung des hebräischen Wortes für ‚Leber‘) wie Er es ist.

Bei dem bereits erwähnten ‚Speisopfer-Anteil‘, der für den Dankopfer-Aspekt des Friedensopfers bestimmt ist, ist die Besonderheit festzustellen, dass neben dem ‚regulären‘ Speisopfer in Form von Kuchen aus Ungesäuertem, auch explizit Gesäuertes dazu gefordert wird (Levitikus 7,13). Das kann man möglicherweise so verstehen, dass dies auf die Barmherzigkeit unseres Gottes hinweist, im endgültigen Friedensschluss mit uns durch das Opfer seines erstgeborenen Sohnes Jeschua, uns anzunehmen, auch mitsamt unserer Sünden (für die der Sauerteig steht), die wir bis hierhin trotz allem Ringen nicht gänzlich ablegen konnten (siehe etwa 1. Johannes 1,8+9).

Eine entscheidende Besonderheit des Friedensopfers gegenüber den vorangehenden zwei Opfergaben ist dann: Alle Mitglieder der Gemeinschaft Israels, zumindest alle kultisch ‚Reinen‘, dürfen sich speisen vom Friedensopfer (Levitikus 7,19), nicht nur die Priester. Dies könnte man etwa so auf das Geistige des Einzelnen übertragen, dass durch das Friedensopfer nun auch diejenigen Anteile seiner Existenz mit an der Annäherung (wir erinnern uns: das Wort für ‚Opfer‘ bedeutet im Hebräischen gleichzeitig ‚Annähern‘) an den Ewigen (und an DAS Ewige) teilhaben können, die (noch) nicht völlig bewusst im direkten Kontakt mit diesem Ewigen stehen, die sich aber dennoch durch das Vertrauen auf diejenigen Anteile der Persönlichkeit (die ‚Priester(lichen)‘), die diesen bewussten Kontakt pflegen, ‚rein‘ gehalten haben.

Man könnte außerdem die Deutung wagen, dass erst durch das Friedensopfer auch die Mitmenschen des Christus-Jüngers gesegnet werden. Denn in Christus sind alle Gläubigen nun ‚Priester‘ (Exodus 19,6; 1. Petrusbrief 2,9; genauer: sie sind Priester ’nach der Ordnung Melkhitzedeks‘; siehe Hebräerbrief, Kapitel 7) und speisen sich daher auch schon von den Brandopfern und den Speisopfern, also von der ‚Selbstaufgabe‘ und der ‚Heiligung‘. Vom Friedensopfer, also vom leibhaftig durch den Christus-Jünger erlebten Frieden Christi, können sich dann aber sogar diejenigen Mitmenschen noch speisen, die soweit reinen Herzens sind, dass sie diesen Frieden im Leben des Christus-Jüngers (mehr oder weniger bewusst) wahrnehmen können (‚die, die reinen Herzens sind, werden Gott schauen‘; Matthäus 5,8; das gilt auch, wenn sich Gott durch seine Diener auf Erden offenbart, in und an denen er mit seinem Wirken sichtbar wird).

Das Friedensopfer vollendet deswegen die Dreiheit der zentralen Opfergaben. Es fügt der Selbstvervollkommnung eines Gotteskindes durch den Geist Gottes den Impuls zur Fortpflanzung dieser Gotteskindschaft hinzu, lässt den Leib des Messias auf diesem Wege wachsen und gedeihen.

Alle diese drei Opfer – Brandopfer, Speisopfer und Friedensopfer – greifen also direkt ineinander. Keines von ihnen hat Sinn, bzw. erfüllt seinen Zweck, wenn es isoliert stattfindet. Sie bauen also einerseits aufeinander auf in derjenigen Reihenfolge, in der sie in der Heiligen Schrift erstmals beschrieben werden, andererseits kann niemals eines der Opfer ‚abgeschlossen‘ werden, solange der Mensch im Fleische weilt. Für den wahrhaft heilen Wandel finden immer alle drei Opfer gleichzeitig statt, und insbesondere das Friedensopfer, das gewissermaßen für den (Sich-Selbst-Auf-)Opfernden das (zunächst ‚irdische‘) Ziel darstellt, kann nur tatsächlich zum Frieden Christi führen, wenn dessen Voraussetzungen, Selbstaufopferung und Heiligung, auch wirklich durchgängig aktiv angestrebt werden.

 

Speise und Ernährung


Was wir uns einverleiben und so zu einem Teil von uns machen

Es beginnt schon im ‚Garten der Wonne‘ (Genesis 2+3), als des Menschen einziges (direkt an ihn gerichtetes) Gebot darin besteht, sich von dem rechten ‚Baum‘ zu speisen. Und daraufhin besteht des Menschen erster Ungehorsam darin, vom demgegenüber verbotenen ‚Baum‘ zu speisen. Das Wort ‚Baum‘ kann im Hebräischen prinzipiell immer auch als ‚Beraten‘ und ‚Beraten-Werden‘ gelesen werden. Es beginnt also alles damit, sich aus einem falschen Beraten-Werden gespeist zu haben, von dem Beraten-Werden durch das ‚Wissen um Vorteil und Nachteil‘ (wie man ‚Erkenntnis von Gut und Böse‘ durchaus auch übersetzen kann). Natürlich geht es genaugenommen auch nicht um die ‚Bäume‘ selbst, sondern um die ‚Frucht‘ der Bäume; also nicht um das Beraten-Werden an sich, sondern um das, was es hervorbringt. Das ‚Beraten-Werden an sich‘, der Baum, steht erst einmal nur als Angebot da, für oder gegen das man sich entscheiden kann …

Wir sehen also schon in einer der ersten Erzählungen der Bibel, wie eng verknüpft miteinander die Konzepte von ‚Speisen‘ und ‚Leben‘, aber diese auch wiederum mit ‚Wissen/Erkenntnis‘ sind. Wir lernen daraus, dass mit der Wahl der ‚Speise‘ direkt einhergeht, welches Leben man führt oder nicht führt, dass anhand der Ernährungs-Wahl der Gehorsam den Empfehlungen des Schöpfers gegenüber erkennbar wird. Jede Form von ‚Ernährung‘ also ist in der Bibel IMMER auch symbolisch zu begreifen als ein Aufnehmen von (heilsamer oder ‚vergifteter‘, verfluchter) Lehre, anhand derer sich ein Lebenswandel orientiert.

Die Ernährung des Menschen ist aus rein biologischer Sicht bereits mit einer schwerwiegenden Symbolik einhergehend: Der Mensch einverleibt sich Teile seiner Umwelt, macht auf diesem Weg diese Teile seiner Umwelt zu Teilen seiner selbst, und scheidet nur dasjenige wieder aus, was er nicht mehr verwerten kann. Und dieses ständige Einverleiben von Teilen seiner Umwelt macht er nicht sporadisch, nur zu besonderen Anlässen – er braucht es vielmehr in hoher Regelmäßigkeit (vermutlich braucht er nur das Atmen von Luft in noch höherer Konzentration), um nicht zu sterben, um nicht ‚einzugehen‘, das heißt: aufzuhören, als Individuum zu existieren und dadurch (das Stoffliche betreffend: ‚wieder‘) in die All-Einheit mit der ihn umgebenden Natur ‚einzugehen‘.

Nachvollziehbar deshalb, dass das ‚Speisen‘ nach dem Willen unseres Schöpfers auch über die bloße Lebenserhaltung hinaus wichtige Funktionen trägt, und Bestandteil einiger kultischer Handlungen ist, die uns als Abbild von Himmlischem, Geistigem gegeben sind.

Ein Leitmotiv sollte in allen Fragen des Lebenswandels immer der Vers sein: ‚Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?!‘ (Paulus im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 6,19). Mit was also dieser Tempel auferbaut wird, und was man in diesen Tempel so alles hineinbringt, das sollte sehr wohlbedacht gewählt sein. Natürlich lässt sich dieser Gedanke noch über die reine Ernährungszusammensetzung hinaus ausdehnen, insbesondere auf sogenannte ‚Genussmittel‘ wie Rauchen, Alkohol, ‚Medikamente‘ und sonstige Substanzen, die man sich auf die eine oder andere Art einverleibt. Möge, als Faustregel, zumindest keinesfalls irgendetwas zu einer ‚Sucht‘, zu einer Abhängigkeit ausarten! Doch auch schon deutlich vor dieser letzten Schwelle sollte man sich immer mal wieder fragen: Hat irgendjemand anderes etwas davon, wenn ich diesem Genuss weiter gelegentlich fröne? Bringt der Genuss mich dem Ewigen in konstruktiver Weise näher? Oder erfüllt der Genuss wenigstens als äußerliches Abbild die Funktion eines Symbols, das eine hilfreiche Botschaft für meine Umwelt sein kann? Und sollte die ehrliche Antwort dann sein, dass der Genuss einzig und allein dem eigenen Ego dient, das einen gewisse Substanzen unter fadenscheinigen Begründungen weiter zu sich nehmen lässt, so sollte diese Gewohnheit wohl einmal ernstlich überdacht werden. Noch weiter ausgedehnt könnte man sicherlich neben solcherlei ‚Substanzen‘ auch gewisse Umwelteinflüsse in Betracht ziehen, die sich beispielsweise als ‚Strahlung‘ und ‚Schwingungsfrequenzen‘ (von Fernsehgeräten, Bildschirmen, Handys, etc.) geltend machen, oder die anderweitig eine Form von ‚geistigem Schweinefleisch‘ sind, wie zum Beispiel fragwürdige Musikrichtungen, Unterhaltungsmedien oder schlichtweg der Anblick bestimmter Dinge, den man auch vermeiden könnte. Der vorliegende Artikel soll nun aber in erster Linie die tatsächlich physische Nahrung behandeln. Auf symbolischer Ebene kann dies dennoch immer auch ein Tor sein zur Beurteilung der jeweiligen ‚geistigen Äquivalente‘ dieser Speisen.

Auch ohne sich als Diener des Ewigen zu verstehen, legen viele Menschen wert auf eine gesunde Ernährung. Doch auf welchem Weg auch immer man sich dieser Ernährungsthematik nähert – geht man diesen Weg zu Ende, gelangt man zwangsläufig bei den Empfehlungen der Thorah. Und diese Aussage ist heutzutage nicht mehr allein aus ‚Glaubensüberzeugung‘ zu treffen, sondern zunehmend auch aus ‚wissenschaftlicher‘ Sicht. Denn gerade die Unterscheidung der Bibel von essbaren und nicht-essbaren Tieren lässt sich durch Forschungsergebnisse wie Untersuchungen zur Schadstoffbelastung von verschiedenen Meerestieren oder durch allgemeine Statistiken zum Verhältnis von Schweinefleischkonsum und Lebenserwartung begründen. Doch all das sind am Ende nur ‚Beigaben‘, das Wesentliche geht weit über den Gesundheits-Aspekt der biblisch-empfohlenen Speisegewohnheiten hinaus. Wie bei allen Richtlinien zu einem göttlichen Wandel als Mensch im Fleisch, steht im Vordergrund, im Materiellen ein möglichst getreues Abbild der geistigen Realität zu verkörpern. Und hierzu gehört bei der Ernährung, neben der Ebene ‚Gesundheit‘, noch einiges mehr, das im Folgenden angerissen werden soll.

Bevor sich hier nun den (meistens bei Besprechungen von Speisegeboten der Bibel im Vordergrund stehenden) Themen ‚Fleischkonsum‘ und ‚reine und unreine Tiere‘ genähert werden soll, beginnen wir mit dem noch viel früher in der Schrift gegebenen Hinweis, welche Art von Pflanzen wir genießen können. Die ausdrückliche ‚Erlaubnis‘ Fleisch zu essen, erhalten wir nämlich erst in der Folge der Sintflut!

Aber bereits in der Schöpfungsgeschichte (Genesis 1) wird uns zur Speise empfohlen: ‚alles [grüne] Gewächs (das im besagten Vers für ‚Gewächs‘ genutzte hebräische Wort ist nämlich ‚Ässäv‘, was von einer Verbwurzel mit der Bedeutung ‚grün sein‘ herstammt, also wortwörtlich etwa als ‚Grünzeug‘ übersetzt werden könnte; außerdem siehe Genesis 9,3) oberhalb des Angesichts der Erde, das Samen trägt‘ (und damit Ebenbilder seiner selbst hervorbringt) ‚und alle Bäume, die samentragende Früchte hervorbringen‘ (Genesis 1,29). Dies schließt zum Beispiel aus: Algen (weil sie nicht ‚oberhalb der Erde‘ wachsen und zudem keine Samen tragen), Moose, Farne, Flechten (weil sie keine Samen tragen) und nach mancher Auslegung auch Pilze (denn sie sind weder grün, noch tragen sie ‚Samen‘ im eigentlichen Sinne, sie verbreiten sich durch Sporen), sofern man Pilze entgegen der offiziellen Klassifizierung heutiger Biologen als Pflanzen betrachtet (gegen diese Einteilung von Pilzen als vollständig ’nicht essbar‘ spricht allerdings, dass Hefe auch ein Pilz ist und laut Bibel relativ eindeutig in ‚erlaubter‘ Nahrung enthalten ist, z. B. in alkoholischen Getränken und in Sauerteig; auch könnte man Pilze möglicherweise als die Früchte selbst verstehen (Stichwort ‚Fruchtkörper‘ in der biologischen Fachsprache), die die Erde direkt hervorbringt, ohne dafür erst einen Baum als Träger zu benötigen; Pilze stellen also vielleicht einen Graubereich dar, den ein jeder im Geiste Gottes für sich selbst einschätzen möge).

Die drei Kriterien für Pflanzen, ‚grüne Farbe‘, ‚Samen tragend‘ und ‚oberirdisch, nicht unter Wasser wachsend‘, tragen nun selbstverständlich jeweils eine tiefere Symbolik in sich.

Die grüne Farbe einer Pflanze rührt her von der Fähigkeit, aus Sonnenlicht Energie zu beziehen und in jenen Stoff des eigenen Lebens zu verwandeln, der die entsprechende grüne Farbe bewirkt. Das Gewächs ist also symbolisch in der Lage, ‚Licht als Leben zu empfangen‘.

Das Samen-Tragen ermöglicht das Fortpflanzen mithilfe der eigenen Frucht (im Gegensatz zu krebs-artigem Ausbreiten durch bloße Wucherung und etwaige Loslösung von Teilen eines Ursprungsgewächses). Das Gewächs ist also in der Lage, überhaupt ‚Frucht zu bringen‘, aus sich selbst ‚Kinder‘ zu zeugen und gebären, die seine Existenz in neuer Blüte fortführen.

Das Wachsen auf (bzw. ‚oberhalb‘) der Erdoberfläche bedeutet, in der umgebenden Luft bestehen zu können. Das Gewächs ist also in der Lage, oberhalb des (‚verfluchten‘; siehe Genesis 3,17) Bodens der Erde zu wachsen, sich somit über diesen zu erheben, in ihm, dem Fluch zum Trotze, zu bestehen; außerdem erträgt das Gewächs ‚Luft‘, ja, ist sogar angewiesen auf die ‚Luft‘ um es herum (‚Luft‘ = Hebräisch ‚Ruach‘, auch ‚Geist‘ bedeutend).

Und auch in Bezug auf den Fleischkonsum der Menschen später spielt die Pflanzenwelt noch (indirekt) eine wichtige Rolle: Tiere sollen nämlich grundsätzlich ausschließlich durch Pflanzen ernährt werden, genauer durch ‚alles gelbgrüne Grünzeug‘ (Genesis 1,30); dasjenige, was für Menschen schon nicht (mehr) genießbar wäre, für Tiere aber durchaus nahrhaft ist (Heu zum Beispiel, und überhaupt allgemein diejenigen Gewächse wie Gräser, die eben ‚keine Samen tragen‘). Hätte sich die Menschheit an dieses Prinzip gehalten, was in jeder Bibel schon auf der allerersten Seite zu lesen ist, wäre uns beispielsweise der sogenannte ‚Rinderwahnsinn‘ erspart geblieben, der daraus entstanden ist, dass Rinder von ihren Haltern zwangsweise zu Kannibalen gemacht worden waren, also nicht ausschließlich mit den vom Ewigen her empfohlenen Gewächsen gefüttert wurden. Weil die Menschen wohl dachten, ihre eigene Weisheit überträfe die Weisheit des Ewiglebendigen … Bezeichnenderweise werden laut den Visionen der Propheten vom ‚Messianischen Friedensreich‘ am Ende sogar alle Raubtiere wieder ‚vegetarisch‘ leben (siehe etwa Jesaja 11,7; 65,25).

Die Unterscheidung von ‚reinen‘ und ‚unreinen‘ Tieren muss hier nun zunächst von der Begrifflichkeit her klar gestellt werden. Dass ein Tier ‚unrein‘ ist, bedeutet keineswegs, dass es deswegen ‚böse‘, unnütz, verachtenswert oder in sonst einer Weise ’schlecht‘ ist. ‚Unrein‘ (bzw. besser: ‚tamä‘, wie es im Hebräischen heißt) bedeutet einzig und allein, dass das Fleisch dieses Tieres nicht von einem Menschen als aufbauende Nahrung verzehrt werden kann. Bedenken wir in dieser Aussage, dass das Hebräische Wort für Fleisch (‚bassar‘) exakt identisch geschrieben wird, wie das Wort für ‚Botschaft, Verkündigung‘ (ebenfalls die drei Buchstaben Bet, Schin und Resch), dann ergibt sich auf der geistigen Ebene, für die der physische Vorgang aus der Sicht des Ewigen stets ’nur‘ ein Symbol ist: Die Botschaft eines Wesens, das uns als ‚tamä‘ offenbart ist, können wir als Menschen nicht auf dem natürlichen Wege verdauen; wir müssen dieser Botschaft vielmehr in diesem Sinne ‚widerstehen‘, um recht mit ihr umzugehen. Diese Sichtweise unterstützend ist auch die Tatsache, dass speziell bei den ‚unreinen‘ Vögeln die Rede ausdrücklich von ‚Scheusalen‘ ist, die zu ‚verabscheuen‘ sind (Levitikus 11,13). In dieser Begrifflichkeit steckt also bei genauerem Hinsehen das Konzept der ‚Scheu‘, die durchaus eine heilige sein kann – gehören zu diesen ‚unreinen‘ Vögeln immerhin anmutige Wesen wie der Adler (häufig in der Bibel Symbol für sehr positive Eigenschaften) oder der Storch (Levitikus 11,13+19). Auch das ‚unreine‘ Tier namens ‚Löwe‘ (‚unrein alles was Tatzen hat‘; Levitikus 11,27) taucht in der biblischen Symbolik durchaus oft in sehr positiver Besetzung auf, selbst unser Messias wird schließlich als ‚Löwe (Judas)‘ gerühmt (Genesis 49,9; Offenbarung 5,5).

Diese symbolische Ebene sei immer im Hinterkopf behalten, wenn nun die Faktoren betrachtet werden, anhand derer die gesamte Tierheit eingeteilt ist in diese zwei Gruppen ‚rein‘ und ‚unrein‘.

Bei Landtieren gilt: Rein ist, was sowohl wiederkäut, als auch (ganz) gespaltene Hufe hat (Levitikus 11,3).

Symbolisch wären denkbar folgende Ansätze einer Auslegung: Das Wiederkäuen versinnbildlicht, aufgenommene Botschaften wieder und wieder zu überprüfen, eben ‚durchzukauen‘, sodass sie möglichst gut verdaut werden können. Gespaltene Hufe stünden zum Beispiel für ein Unterscheiden-Können zwischen ‚links und rechts‘, also zwischen ‚Recht und Unrecht‘ und zwischen ‚Rein und Unrein‘. Auch beachtenswert scheint der Effekt von gespaltenen Hufen, das Tier davor zu bewahren, in schlammigem Boden allzu tief zu versinken; eine Symbolik, die sich selbst erklären dürfte.

Ein Beispiel vor diesem Hintergrund wäre nun etwa ein Schwein. Es hat zwar (ganz) gespaltene Hufe, aber es ist kein Wiederkäuer. Äußerlich also wirkt es zwar zunächst ‚rein‘, die Unterscheidung zwischen ‚links und rechts‘ kennend, in Schlamm ist es auch erst einmal nicht einsinkend; und doch ist es ’nicht am wiederkäuen‘, übertragen aufs Menschliche: in der Aufnahme von Sinnesreizen ist es vollkommen ungefiltert, nicht darauf bedacht, vorzuverdauen.

Ein weiteres Beispiel wäre der Hase; er ist zwar ein Wiederkäuer, aber hat umgekehrt keine gespaltenen Hufe. Er ist nach dieser Logik demnach zwar bedacht in der Aufnahme von Neuem, bemüht darum, schon vorzuverdauen und die Dinge nicht unbedacht runterzuwürgen und alles zu verschlingen, was ihm vor Augen kommt; aber er hat nicht die grundsätzliche Fähigkeit, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden und sich dadurch vor dem ‚Versinken im Schlamm‘ zu bewahren.

Bei Wassertieren gilt: Rein ist, was sowohl Flossen, als auch Schuppen hat (Levitikus 11,9).

Flossen bieten die theoretische Fähigkeit, gegen den Strom zu schwimmen; Schuppen sind ein Schutzpanzer gegen Fremdkörper, die auf einen einprasseln können, und vervollständigen damit für die Praxis, auch wirklich gegen den Strom schwimmen zu können, ohne an den einem entgegen kommenden Hindernissen zerschellen zu müssen.

Eingeflochten in diese Darstellung sei hier auch die gesundheitliche Dimension: Wassertiere, die eine Art ‚Müllschlucker und Staubsauger‘ der Meere sind (Shrimps, Krabben, etc.), werden durch die göttlichen Speisegebote von vorneherein vom Verzehr durch den Menschen ausgeschlossen.

Bei ‚geflügeltem Gewürm, das auf Vieren geht‘ gilt: Rein ist, was ‚Schenkel oberhalb der Füße‘ hat und auf der Erde hüpft (= Heuschrecken, siehe genauer Levitikus 11,21f).

Die hierbei explizit als erforderlich für die Reinheit genannten Gelenke bieten dem Tier die Möglichkeit, sich durch Sprungkraft über den (verfluchten) Erdboden zu erheben; nicht ‚auf dem Bauch gehen‘ zu müssen (wie die Schlange seit der Verfluchung durch Gott; Genesis 3,14).

Bei Vögeln gilt: Rein ist, was an Tieren nur Kriechtiere frisst (was also kein sogenannter ‚Raubvogel‘ ist, der auch Säugetiere und andere Vögel verschlingt) und eine Singstimme hat (nicht ausdrücklich so definiert in der Bibel, aber aus den Auflistungen der Vögel geht dies recht deutlich hervor; Levitikus 11,13-19).

Die Empfehlung, sich nicht die Botschaft der aufgelisteten Raubvögel einzuverleiben, deutet wohl recht deutlich an, auch selbst nicht räuberisch vom Charakter sein zu sollen. Die ‚Verkündigung‘ der Singvögel hingegen möge man sich zu Eigen machen: die Fähigkeit, wohlklingenden Lobpreis darzubringen. Was ein ‚Raubtier‘ (und/oder Aasfresser) ist unter den Himmelswesen (die sicherlich auch als Symbol für die himmlischen Botenwesen, meist ‚Engel‘ genannt, stehen können), hat NIE eine Singstimme; räuberische Charaktere können also ganz grundsätzlich keinen (wohlgefälligen) Lobpreis bringen.

Über die grundsätzliche Einteilung der Tiere hinaus gibt uns die Thorah noch einige zusätzliche Hinweise, die den Fleischgenuss betreffen: Wir sollten lieber kein Fleisch mit Blut essen (bzw. natürlich auch kein Blut trinken), auch sollten wir lieber kein Fleisch von verendeten Tieren (‚Aas‘), sowie kein (tierisches) ‚Fett‘ essen (womit, einigen Opfer-Beschreibungen nach, auch bestimmte Bereiche gemeint sind, die sehr fetthaltig sind, wie die Nieren und das ‚Fettnetz um die Leber herum‘).

Das Verbot von Blutverzehr ist noch näher begründet in der Schrift: ‚im Blut ist die Seele‘ (an mehreren Stellen, z. B. Genesis 9,4); sowie: ‚das Blut ist es, welches Sühnung tut durch die Seele‘ (Levitikus 17,11), weswegen es ‚ohne Blutvergießen keine Vergebung geben kann‘ (Hebräer 9,22). Als nähere Anweisung, wie also mit dem Blut der geschlachteten Tiere umzugehen ist, finden sich Stellen (Deuteronomium 12,16), die nahelegen, das Blut auf den Erdboden zu gießen ‚wie Wasser‘ – es also gewissermaßen dem Erdboden ‚zurückzugeben‘ (sofern es eben nicht auf dem Altar als Opfer dargebracht wird).

Dass Blut auch aus ganz ‚weltlich-gesundheitlicher‘ Perspektive nicht als Bestandteil der Ernährung empfehlenswert ist, ergibt sich übrigens aus der biologischen Funktion von Blut, (unter vielem anderem) auch Giftstoffe aus Organen des Körpers aufzunehmen und an andere Organe abzutransportieren, die diese Giftstoffe dann abbauen können (z. B. Nieren, Leber). Daher trägt Blut auf seinem Weg durch den Organismus natürlich des öfteren Giftiges in sich, und in jedem Fall in höherer Konzentration als der Rest des Körpers.

Das Hebräische Wort für ‚Blut‘ ist noch wert, näher betrachtet zu werden: Von der Verbwurzel her könnte es nämlich auch als ‚Schweigen‘ oder sogar als ‚Gleichen‘, bzw. als ‚als Gleichnis dienen‘ übersetzt werden. Wenn also der Messias sagt, nur durch sein Blut ist das ewige Leben erreichbar (Johannes 6,54), dann meint das auch, nur durch ’sein Gleichnis‘, das man sich einverleibt, das damit zum Teil des eigenen Wesens wird, kann der Mensch an der Ewigkeit teilhaben. Entsprechendes gilt für das ‚Fleisch‘ des Messias, das vom Hebräischen her immer auch ‚Botschaft, Verkündigung‘ bedeuten kann.

Das ‚Aasverbot‘ (Levitikus 17,15) bedeutet nun, kein Fleisch von einem Tier zu essen, das nicht ordnungsgemäß getötet, geschlachtet worden ist; geistig betrachtet also steckt hierin die Symbolik, keine ‚Botschaft‘ von Wesen sich einzuverleiben, welche nicht ganz bewusst zu diesem Zweck (vor-)bereitet worden sind.

Das entscheidende am Fett des Tieres ist, dass dieses als das ‚Beste‘ gilt, das man deswegen unbedingt dem Ewigen zurückgeben soll; insbesondere bei den Opfern, wo detailliert erklärt wird, welche genauen fettigen Bestandteile des Tieres in welcher genauen Art und Weise den unterschiedlichen Opfergaben beizugeben sind (Levitikus 1-7). Und auch jenseits des Opferrituals soll kein Fett gegessen werden (Levitikus 3,17; 7,23), es wird in einem Atemzug mit dem Blut als nicht-essbar genannt, vielleicht, weil beides eine spezielle Bedeutung für das Heilige hat (eben beim Opfern). Und speziell zum Fett: ‚Alles Fett gehört dem Ewigen‘ (Levitikus 3,16). Allerdings darf Fett, das nicht geopfert wird, durchaus zu allen anderen Zwecken (außer eben zum Essen) gebraucht werden (Levitikus 7,24).

Ein ganz eigenes umfangreiches Thema ist das Speisen als Bestandteil von Opferritualen und spezifischen Bündnisschlüssen. In diesem Überblicks-Artikel soll mit dem folgenden Absatz nun nur im Grundsatz hierauf hingewiesen sein und dabei einiges Zentrales angesprochen werden. Verschiedene Opfer-Arten bringen verschiedene Arten (und vor allem Umfänge) des Verspeisens des Geopferten mit sich. Ein ‚Ganzopfer‘ (auch: ‚Brandopfer‘, ‚Aufstiegsopfer‘; Levitikus 1) etwa bringt keinerlei Speiseritual für die Gemeinschaft mit sich, da eben alles Essbare ‚in Rauch aufgehen‘ gelassen wird. Bei einigen Opfern (‚Sünd-‚ und ‚Schuldopfer‘, aber auch ‚Speisopfer‘ zu Teilen) essen ausschließlich die Priester (des levitischen Systems) von der Opfergabe. Bei einem ‚Friedensopfer‘ (auch: ‚Mahlopfer‘, Levitikus 3) dagegen steht das gemeinsame Speisen der Gemeinde geradezu im Vordergrund (Levitikus 7,19: ‚Jeder Reine darf davon essen‘). Das bekannteste der Opfer, bei denen das gemeinsame Speisen im Vordergrund steht, ist wohl das Passah-Opfer (Exodus 12), wobei allerdings dieses Speisen zusätzlich unter sehr speziellen Bedingungen stattfinden soll, um an den Auszug aus der ägyptischen Knechtschaft zu erinnern, als die Umstände diese spezielle Art des Verzehrs schlichtweg nötig machten: ‚gerüstet, die Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand und in Eile‘ soll das ’nur über dem Feuer gebratene‘ Opfertier zusammen ‚mit bitteren Kräutern‘ verspeist werden, und ‚was übrigbleibt bis zum Morgen, soll verbrannt werden‘ (Exodus 12,10f).

Zum Schluss dieses Abstechers in das weite Feld der Opfergaben sei noch betont, dass nicht allein (wenn auch sehr häufig) Fleisch im Zentrum der Opfergabe und des damit einhergehenden Verspeisens steht. Auch Brot und ‚Kuchen‘ kommen nicht selten hierzu in Frage (siehe das ‚Speisopfer‘, Levitikus 2). Besonders beim Wort ‚Brot‘ lohnt mal wieder ein Blick in die Hebräische Sprache: Das Wort für ‚Brot‘, ‚Lechem‘, nämlich kann, identisch geschrieben, auch ‚Kampf‘ und ‚kämpfen‘ bedeuten.

Und im Zusammenhang mit dem eben erwähnten Passah-Opfer und dem damit einhergehenden Mahl sei noch auf die wichtige biblische Unterscheidung hingewiesen zwischen ‚ungesäuertem‘ Brot und ‚gesäuertem‘ Brot. Ersteres ist das einzig angemessene für das Passah-Mahl (und in der darauf folgenden Woche des ‚Festes der Ungesäuerten Brote‘), da auch dies an den hektischen Auszug aus Ägypten erinnern soll, als keine Zeit war, das Brot durchsäuern zu lassen. Gesäuertes Brot demgegenüber kann vom Hebräischen her auch als ‚Aufblähendes‘ Brot übersetzt werden und ist besonders dann in den Schriften des ‚Neuen Testaments‘ fast ausschließlich ein Bild für die ‚Sünde‘ oder zumindest für etwas ’nicht erstrebenswertes‘ (wie z. B. die ‚Heuchelei der Pharisäer‘). Das Brot als ‚Kampf‘ und ‚Kämpfen‘ verstanden ist somit also biblisch unterschieden in ein ‚aufblähendes‘, wenig erstrebenswertes Kämpfen und in ein reines, nicht ‚aufblähendes‘ und nicht ‚aufgeblähtes‘ Kämpfen, das (erst) auf den Auszug aus der Knechtschaft folgt (und darauf sogar unbedingt folgen soll!).

Ein durchaus erwähnenswertes Schlagwort zum Thema ’symbolträchtige Speisen‘ der Bibel ist sicherlich auch das wundersame ‚Manna‘, das den Israeliten in der Zeit ihrer ‚Wüstenwanderung‘ vom Himmel gespendet wird (Exodus 16,4), an sechs Tagen der Woche; und am sechsten doppelt so viel, sodass es auch für den Sabbat noch reiche (16,5).

Dieses ‚Manna‘, im Hebräischen schlicht ‚Man‘ (mit der Erklärung, dass dieses Wort soviel wie ‚Was (ist) das?! bedeute, Exodus 16,15), ist offensichtlich ein sehr deutlicher ‚Vorschatten‘ dessen, was der Messias dann das ‚lebendige Brot, das vom Himmel kommt‘ (Johannes 6,51) nennt und auf ’sich selbst‘ bezieht – wobei er unter ’sich selbst‘ die fleischgewordene, leibhaftige Thorah versteht (gegenüber einer jeden abstrakten, leblosen Thorah, die nur als ‚toter Buchstabe des Gesetzes‘ in erstarrenden Menschentraditionen und in den Vorstellungen von heuchlerischen Theoretikern, ‚Pharisäern und Schriftgelehrten‘, existiert). Das Manna, als dasjenige ‚Was ist das?‘, was einen Diener Gottes in der trockenen ‚Wüstenzeit‘ nach der Befreiung von den weltlichen Zwängen ‚Ägyptens‘ ernährt, ist also nichts anderes, als die Thorah selbst. Jedoch erst, wenn sie dazu führt (wie im Falle des Messias, als des ‚Erstgeborenen‘ dieser erneuerten Schöpfung), dass der Mensch wieder zum Ebenbild Gottes wird, indem er in dieser Thorah wandelt; erst dann ist dieses ‚Brot vom Himmel‘ auch tatsächlich jenes, das zum ‚ewigen Leben‘ verhilft (und nicht, wie das Manna in der Wüste damals, die Essenden dennoch eines Tages sterben lässt; siehe Johannes 6,49).

Um nun langsam zurück zu kommen zu den ‚praxisnahen‘ Empfehlungen der Heiligen Schrift in Sachen Essen und Ernährung, sollen jetzt einige derartige Anweisungen genannt und kommentiert werden, die sich in Thorah und Apostelbriefen finden.

Da wäre in der Thorah zum Beispiel die Ermahnung, den Dank an den Ewigen für die Speisen und für das Gesättigt-Werden niemals zu vergessen.

Ausdrücklich findet sich bei Paulus dann die Empfehlung, nicht mit ‚Ungerechten‘ (die sich aber ‚Bruder‘ nennen lassen, sich also als ‚im Glauben stehend‘ bezeichnen) gemeinsam zu speisen. Hier kann ein Bezug zu anderen Warnungen des Paulus hergestellt werden, wo dieser klarstellt, dass man nicht ‚gleichzeitig aus dem Kelch des Messias und aus dem Kelch der Dämonen trinken kann‘ (im Bezug auf Götzenopfer-Mahle, an denen ein Christus-Nachfolger ‚aus symbolischen Gründen‘ tendenziell nicht teilnehmen sollte, auch wenn natürlich den Götzen als solchen keine tatsächliche Macht zukommt)

Im Bezug auf die ganze Thematik ‚Götzenopfer‘ könnte der heutige Mensch leicht auf den absurden Gedanken kommen, dass sich doch heute niemand mehr ‚vor einem Stein niederwirft‘ und entsprechend auch Nahrung gar nicht solchen ‚Steinen‘ geweiht werden könne. Doch mit dieser verengten Perspektive würde man fürwahr sehr irregehen! Vermutlich gab es noch keine Zeit in der Menschheitsgeschichte, in der die Götzendienerei noch ausschweifender war, als heutzutage in der sogenannten ‚zivilisierten‘ Welt. Und ganz besonders auch die Weihung von Nahrungsmitteln allen möglichen greulichen Götzen hat inzwischen Ausmaße angenommen, dass diese Götzenweihung buchstäblich industriellen Charakter hat. Um es konkret zu machen: Einige der schlimmsten Greuel, denen in besagtem industriellen Maßstab besonders in der Fleischproduktion geopfert wird, sind ‚Grausamkeit‘, ‚Bewusstlosigkeit‘ und ‚Massenlethargie‘. In Grausamkeit werden die Tiere gehalten und letztlich geschlachtet, die Konsumenten dieser Schmerz- und Qual-getränkten Fleischprodukte werden gezielt von dieser Realität abgeschirmt, um sie diesbezüglich in Bewusstlosigkeit zu halten, und daraus ergibt sich auf Seiten der ‚Verbraucher‘ (wie Menschen heutzutage ja bösartiger Weise genannt werden …) die Massenlethargie, gespeist aus dem weitgehend unbewussten Schuldkomplex für den Verzehr all der Grausamkeit.

Doch auch andere Götzen werden fleißig gefüttert in der Nahrungsmittelindustrie, auch weit jenseits der Fleischverarbeitung: Säfte werden zum Beispiel routinemäßig zur ‚Ent-Trübung‘ durch Schweinegelatine gefiltert; in diesem Sinne ‚dem Schweinegötzen geweiht‘, ohne, dass es auf der Saftpackung irgendwie verzeichnet werden müsste (weil ja kein Schweinebestandteil ‚drin‘ ist …). Lebensmittelfärbungen geschehen besonders gerne durch Stoffe wie ‚Karmesin‘, dem Sekret der Kermes-Schildlaus, das ein wunderbares Färbemittel ist, schon seit biblischen Zeiten angewandt – aber eben für Werkstoffe, und sicher nicht für Nahrung, ist es doch ein offenkundig ‚unreines‘ Tier, aus dem es stammt. Beliebt scheint auch, als ein glänzender Überzug auf Lebensmitteln, sozusagen nur ‚fürs Auge‘, das bekanntlich ‚auch mit isst‘: sogenannter Schellack, gewonnen ebenfalls aus den Ausscheidungen eines unreinen Tieres, namentlich der Lackschildlaus. Und aus Algen wird Carrageen gewonnen, das sich als Verdickungs- und Geliermittel in allerlei Produkten von Babynahrung über Milchprodukte bis hin zu Marmeladen findet und von mancher Seite als einer der entscheidenden Auslöser von einer chronischen Darm-Entzündung namens ‚Morbus Crohn‘ identifiziert wird.

Ein letztes praktisches Thema, das hier abgedeckt werden soll, ist das Fasten. Fürs Fasten gibt es aus biblischer Sicht verschiedene Gründe:

Da wäre einmal das sehr ’selbst-erzieherische‘ Motiv, sich durch den Verzicht auf Nährstoffe bewusst zu machen, wie wichtig für den menschlichen Körper Nahrung schlichtweg ist. So kann der Fastende zum Beispiel sehr gut seine allgemeine Dankbarkeit für jeden Speise-Genuss steigern.

Ein weiteres Motiv kann eher methodischer Natur sein, nämlich das Erleben eines besonders klaren Geistes während des Fastens. Weil es nach einem gewissen Zeitraum des Fastens zu einer Umstellung des Hirnstoffwechsels kommt, tritt eine bemerkenswerte Leichtigkeit der Gedankenbewegungen ein und trotz körperlicher Schwäche beginnt man geistig sehr fit zu sein und auch keinen Hunger mehr zu empfinden (sofern man während des Fastens wirklich gar keine hunger-stillenden Nährstoffe zu sich nimmt, sondern lediglich Flüssigkeit). Ein berüchtigter Nebeneffekt hierbei ist allerdings der kennzeichnende Mundgeruch, der von besagter Umstellung im Hirnstoffwechsel herrührt.

Ein eher ‚weltlicher‘ (aber nicht minder ehrbarer) Grund zum Fasten ist dann schlichtweg der gesundheitliche Vorteil, den regelmäßiges (zum Beispiel einmal in der Woche für 24 Stunden stattfindendes) Fasten bringen kann. Natürlich sollte man es dabei keineswegs übertreiben und es zu einer Sucht werden lassen – das Potential hierzu ist durchaus gegeben, da insbesondere die erwähnte ‚geistige Klarheit‘ durch den veränderten Hirnstoffwechsel einen nicht zu unterschätzenden Reiz ausmachen kann.

Wiederum ein eher methodischer Grund wäre es, zu fasten, um dadurch eine zunehmende Gewöhnung des eigenen Fleisches daran zu erlangen, dass es nicht immer alles kriegt, was es gern hätte. Gerade in sogenannten ‚Wohlstandsgesellschaften‘ ist der menschliche Organismus durch das Überangebot an Nahrung (auch, wenn diese nicht selten eigentlich ziemlich ungesund sein mag) völlig darauf getrimmt, niemals längere Zeit echten Hunger zu empfinden oder aus Nährstoffmangel in seinen grundlegendsten Fähigkeiten eingeschränkt zu sein. Diese Mangel-Verhältnisse, welche die frühere Menschheit wohl recht gut gekannt haben dürfte (und die auch heute noch in vielerlei Regionen der Erde anzutreffen sind), stellen aber eigentlich sogar so etwas wie den ‚Normalzustand‘ des menschlichen Ernährungsverhaltens dar, mit entsprechenden Effekten auf die Alltags-Lebensführung.

Und zuletzt sei hier erwähnt als Motivation zum Fasten dasjenige, was sogar in der jüdischen Tradition von hochrangiger Stellung ist und insbesondere für die jüdische Jom-Kippur-Begehung zum Tragen kommt: Fasten als Selbst-Demütigungs-Geste. Sei es wegen eigener bewusstgewordener Sünde, quasi zur Begleitung der Buße, bzw. äußerlicher Ausdruck derselben, oder sei es angesichts einer spirituellen Problematik, der man sich ausgeliefert fühlt, für die man sich im Gebet Lösung erbitten will.

Blicken wir noch einmal zurück auf das bis hierhin angeführte, erkennen wir, wie ausgiebig die Bibel das Thema ‚Nahrung‘ behandelt: Angefangen bei Anordnungen eines ‚Speiseplans‘ für die wohlgeordnete Schöpfung auf der ersten Bibelseite,über den sogenannten ‚Sündenfall‘, der sich an der Wahl von bestimmter Speise entzündet, über unseren Messias, der mit Nachdruck darauf hinweist, dass man sich ’sein Fleisch und Blut‘ einverleiben müsse, er, der sich auch als das ‚Brot vom Himmel‘ bezeichnet – bis hin zur abschließenden Zukunftsaussicht der Offenbarung des Johannes, wo das ‚Neue Jeruschalajim‘ erblickt wird, wo der Baum des Lebens wieder erreichbar ist für Gottes Volk, nun sogar ’12 mal im Jahr Früchte tragend‘. Und auch zwischendurch, jenseits dieser ‚Eckdaten‘ der Heilsgeschichte, taucht das Motiv ‚Speise und Ernährung‘ entsprechend immer und immer wieder auf, in ganz unterschiedlicher Akzentuierung: Bündnisschlüsse im Rahmen von gemeinsamen Mahlen; Hungersnöte als entscheidende Auslöser wichtiger Wanderschaften; quälende Sehnsucht nach den Speisen Ägyptens, die fast die Befreiung aus der Knechtschaft überwiegen; ‚Manna‘ vom Himmel und Wasser aus Felsen; ausführliche Einteilungen der Tiere in essbar und nicht-essbar; minutiöse Aufteilungen der essbaren und nicht-essbaren Tierbestandteile im Opfer-Kult; Jahresfeste zu allen großen Erntezeiten und sogar ein spezielles Fest mit Schwerpunkt auf ‚Ungesäuertem Brot‘; wundersame Vermehrungen von Nahrung … und Gesänge über die Thorah als etwas so ‚Süßem, wie Honig‘! Kein Wunder, dass selbst in der Empfehlung unseres Messias, wie wir ein rechtes Gebet aufbauen sollen (das ‚Vaterunser‘), die Bitte um das ‚tägliche Brot‘ enthalten ist (z. B. Matthäus 6,9-13).

Überhaupt nimmt es nicht Wunder, dass unser Erlöser eine seiner Zentral-Botschaften in Worte kleidet, die aus der Welt von Speise und Ernährung entnommen sind: ‚Brot vom Himmel‘, das zum ewigen Leben verhilft, ist Er; und nur wer ’sein Fleisch isst und sein Blut trinkt‘, kann an ihm teilhaben. Und so ist es dann auch jenes Gedenkritual, das wir heute meist als ‚Abendmahl‘ oder ‚Herrenmahl‘ kennen, das auf genau dieser Kernaussage des Meisters basiert: Wir sollen zu seinem Gedenken das Passah-Mahl einnehmen als ungesäuertes Brot und als Wein, wie er es mit seinen Jüngern tat, als Symbol für das Sich-Speisen aus seinem ‚Fleisch‘, aus seiner Botschaft, und dem Sich-Tränken mit seinem ‚Blut‘, mit seinem Gleichnis.

 

Rechte Kleidung


Bekleidung als Ausdruck des ‚Seelengewandes‘

Das erste Kleid der Menschheit hatte sie sich selbst gemacht (nachdem ‚ihre Augen aufgetan worden waren‘), aus ‚Feigenblättern‘, um ihre ‚Nacktheit‘ (oder ‚Listigkeit‘) zu bedecken (Genesis 3,7). Der Ewige jedoch gab ihr als Kleid eine ‚Tierhaut‘ (Genesis 3,21), ein Wort, das im Hebräischen den Buchstaben nach exakt dasselbe ist, wie das Wort für ‚Bewusstheit‘ oder ‚Wach-Sein‘, und das der Tradition nach identisch ausgesprochen wird, wie ein anders geschriebenes Wort, welches ‚Licht‘ bedeutet.

Wie wird sich ein Jünger des Messias heute kleiden? Im Bestfall ganz entsprechend der Thorah, wie es auch sein Meister getan hat, als er auf Erden im Fleisch weilte. Das heißt in jedem Fall: Empfohlen sind allein reine, unvermischte Stoffe (Levitikus 19,19; Deuteronomium 22,11), kein Mischgewebe und am besten auch keine synthetischen Stoffe, bei denen das ‚Viel‘ oft ja sogar schon im Namen steckt (die griechische Vorsilbe ‚Poly-‚: Polyester, Polyamid, etc.). Dass gewisse (pseudo-)jüdische Traditionen der Thorah-Auslegung behaupten, dieses sogenannte ‚Schatnaz‘-Gebot beziehe sich nur auf die Mischung von Wolle und Leinen, muss als ein geradezu bösartiges Klammern an den toten Buchstaben zurückgewiesen werden; strahlt doch der Geist hinter der wörtlichen Formulierung (im Kontext mit den im selben Vers, bzw. in den Nachbar-Versen genannten anderen Mischverboten) wirklich deutlich genug hervor, sodass offenbar ist, dass es sich bei diesem Geist um das allgemeine Prinzip der Nicht-Vermischung, der Reinheit handelt, das hier das Leitende ist.

Über die Beachtung des Mischverbotes in den einzelnen Kleidungsstücken selbst hinaus, ist der Optimalzustand sicherlich ein komplettes Outfit aus nur einer Art Stoff – also etwa nur Leinen für die Sommerbekleidung und nur Wolle für die Winterbekleidung. Doch leider wird in heutiger Zeit diese Stringenz nicht so einfach möglich sein, da bestimmte Kleidungsstücke (besonders Unterwäsche und Socken) relativ schwer in reinem Leinen und reiner Wolle zu bekommen sind. Ein vollständiges Outfit in reiner Baumwolle dagegen ist durchaus gut zu beschaffen.

Will man sich nun der Symbolik dieser biblischen Empfehlung nähern, lohnt es sich, die Symbolik von Kleidung überhaupt zunächst zu erforschen. Begonnen hat das Konzept ‚Kleidung‘ biblisch also bereits in der Geschichte vom Fall der Menschheit im ‚Garten der Wonne‘, als die Menschen sich zunächst selbständig ‚aus Scham‘ Kleider machten, und danach der Ewige selbst ihnen ein anscheinend etwas angemesseneres Gewand verlieh, als jenes, das sie sich zuvor selbst gemacht hatten.

Beim Hebräischen Wort für ‚Kleidung‘ im Sinne von ‚Bedeckung‘ (Wurzel: Kaph-Samech-Heh) ist interessant, dass einige Etymologen (z. B. Brown-Driver-Briggs-Hebrew-Definitions) davon ausgehen, dass es ursprünglich eher ‚auffüllen‘ bedeutet habe. Das ‚Bedecken‘ der Nacktheit durch die Kleidung könnte also ursprünglich als ein ‚Auffüllen‘ des Mangels um den Leib herum verstanden worden sein.

In diesem Sinne ahmt die Kleidung vielleicht etwas nach, das im Gegensatz zum Fleischesleib zwar beim Sündenfall nicht mit in die äußere Sichtbarkeit ‚gefallen‘ ist, das der Mensch aber als eigentlich dennoch vorhanden (sein sollend) weiß, obwohl nicht physisch ertastbar: das ‚Seelische‘, bzw. die Regungen des Gemüts und des Verstandes, ‚der Hauch, der einen umspielt‘, aus dem sich unser individuelles ‚Atmen‘ speist (im Hebräischen ist Atmen fast immer ein Wort mit der gleichen Wurzel entweder wie ‚Nephesch‘ oder wie ‚Neschamah‘; das heißt wie ‚Seele‘, bzw. ‚Geistseele‘). So führte damals im Garten nach dem Fall also das Empfinden der ‚Scham‘ (über die ‚Nackheit‘, die auch als ‚Listigkeit‘ übersetzt werden kann) zu einem ‚Lendenschurz‘ als sichtbares Zeichen dieser Empfindung; und heute führt unser sehr viel komplexeres (mehr durcheinander geratenes) Seelenleben dazu, dass wir auch äußerlich recht komplexe Outfits mit mehreren Schichten und sehr vielfältiger Gestaltungsmöglichkeit ‚benötigen‘, um unser inneres Wirrwarr weiterhin auf diese Art (wenn auch meist gänzlich unbewusst) ausdrücken zu können …

Und nun möge einmal jeder vor diesem gedanklichen Hintergrund die verschiedenen Erscheinungen von Kleidung heutzutage (und z. B. auch mal verglichen mit dem Altertum) betrachten, und dabei die ’seelische‘ Entsprechung erfühlen, die sich in einem bestimmten Kleiderstil ausdrückt! Reine Stoffe symbolisieren dann vielleicht so etwas wie ‚ein reines, ehrliches, sich über sich selbst im Klaren befindliches Empfinden, Denken und Gefühlsleben‘ – wogegen allerlei Mischgewebe zumindest schon mal etwas ‚heuchlerisches‘ in sich tragen, in dem etwa der äußerlich sichtbaren Baumwolle auch 5 Prozent Elastan oder dergleichen beigemischt sind, die lediglich aus vermeintlichen ‚Komfortgründen‘ für den Träger benutzt werden, nach Außen hin aber nicht direkt sichtbar sein sollen … Entspricht so etwas nicht sehr deutlich manchen Charakterlichkeiten, die zwar bemüht sind um eine gewisse Außenwirkung, aber innerlich überhaupt kein Problem mit einem (je individuell ‚gewissens-technisch‘ ertragbaren) Anteil an Heuchelei haben; ja, gerade durch solche innerlich verborgenen Anteile des Empfindungslebens erst den gewissen ‚Komfort‘ im Umgang mit ihren Mitmenschen vermuten (‚… man kann ja nicht immer jedem die volle Wahrheit auf die Nase binden!‘)? Und bei manchen ist bereits so wenig echt an Gefühlswelt, dass diese Falschheit gar als stolze Errungenschaft nach Außen getragen wird (‚du musst in dieser Welt deine wahren Gefühle beherrschen können, darfst keine Schwäche zeigen‘, etc.); was sich dann niederschlägt in jenen allgegenwärtigen Kleidungsstücken (besonders Jacken derzeit), die ganz offen aus nichts anderem mehr als aus Kunststoff gefertigt sind (und nebenbei bei jeder Bewegung scheuernde bis quietschende Geräusche von sich geben …).

Ein weiterer empfehlenswerter Anspruch an die eigene Kleidung sollte sein, dass sie keine Risse und Löcher hat. Und auch hierbei haben wir eine Bibelstelle, die in diese Richtung deutet, wenn auch für Menschen, die beim toten Buchstaben stehenbleiben, wiederum nicht völlig eindeutig. Es handelt sich nämlich um die Stelle, als nach dem Tod von Nadav und Abihu ihrem Vater Aharon und dessen verbliebenen zwei Söhnen geboten wird, nicht (aus Trauer) ihre Kleider zu zerreißen (Levitikus 10,6; das ‚Entblößen der Häupter‘ meint übrigens das Kahlscheren des Kopfes, nicht das Abnehmen von Kopfbedeckungen).

Sehen wir hinter diesem punktuellen Gebot nun erneut den herrschenden Geist, so zeigt sich dieser eben als einer der Unversehrtheit, Vollkommenheit und Beherrschtheit. Verstehen wir weiterhin die Bekleidung eines Menschen als ein Abbild seines ‚Seelengewandes‘ und ‚Nervenkostüms‘, so deuten Risse hierin eben auf genau dasjenige hin, was unter anderem die Bestürzung über den Tod der eigenen Söhne bewirken kann: Kontrollverlust im Ausdruck der eigenen Gefühlsregungen. Diesen Kontrollverlust gilt es zu vermeiden; was sich dann irgendwann auch äußerlich niederschlägt, indem man darum bemüht ist, auch sein physisches Gewand frei von Löchern zu halten und es erst recht vor dem völligen Zerreißen zu bewahren.

Das genaue Gegenteil dieser Bemühungen zeigt sich hingegen in den immer mal wieder aufkommenden ‚Trends‘, sogar mit Absicht Risse in der Kleidung (besonders in Hosen) zu haben. Manchmal scheint es fast so, als symbolisieren solcherlei Risse im Kniebereich der Beinkleider geradezu das Sich-Niederwerfen vor all den Götzen, die weder sehen, noch gehen, noch reden, noch hören können …

Ein weiteres ausdrückliches Gebot des Ewigen in Bezug auf Kleidung und die äußerliche Gestalt der Menschen seines Volkes ist: Es soll keine ‚Geschlechter-Verwischung‘ geben; Männer sollen keine Frauenkleider tragen und Frauen kein Männerzeug an sich haben – denn ‚es ist dem Ewigen ein Greuel‘ (Deuteronomium 22,5). Dieses Gebot ist in jeder Gesellschaft ein wenig unterschiedlich zu befolgen, indem die Definition von ‚Frauenkleider‘ und ‚Männerkleider‘ wechselhaft ist. Dennoch sollte als Grundsatz ein biblisches, dadurch gewissermaßen ‚altertümliches‘, Verständnis bewahrt werden. Das meint nun, nur, weil in heutiger ‚westlicher Gesellschaft‘ Männer eigentlich immer Hosen tragen, heißt das nicht, dass sie als Jünger des Messias heute keine weiten, langen Gewänder mehr stattdessen tragen können, wenn sie sich denn darin wohl genug fühlen, um auch eine entsprechende Haltung und Würde auszustrahlen. Nur sollten sie sicherlich keine ausdrücklich für Frauen gefertigten Sommerkleider oder Röcke anziehen, die auch beim besten Willen heutzutage niemand für geschlechtsneutral halten kann. Ein gesundes Gefühl für den Mittelweg muss durch den Geist des Ewigen erwirkt werden, wie im Grunde in jeder Frage der genauen Ausführung einer biblischen Empfehlung. Umgekehrt kann heute wohl keiner Frau das Tragen einer Hose im Grundsatz vorgeworfen werden, da dies zumindest im ‚Westen‘ so gut wie niemand als reines ‚Männerzeug‘ (mehr) empfindet. Dennoch sollte eine Frau, die dem Messias nachfolgt, kaum ständig in Latzhosen mit Werkzeug in den Taschen herumspazieren, oder mit Bauarbeiterhelm auf dem Kopf …

Eine ganzheitliche Anwendung der Thorah ergänzt diese relativ ausdrücklichen Hinweise bezüglich der Bekleidungswahl dann noch um einige (mindestens zwei sehr grundsätzliche) allgemeinere Sachen, die sich eben auch in der Kleidung niederschlagen: 1. das Gebot, keinen Götzen zu dienen; 2. das Gebot, keine Hurerei zu betreiben und zu unterstützen.

So führt die bereits in den ‚!0 Geboten‘ erfolgende dringende Abempfehlung allen Götzendienstes recht unbestreitbar dazu, dass ein Diener des Ewiglebendigen es vermeiden wird, irgendwelche ‚Götzensymbole‘ und anderweitige falsche oder auch nur fragwürdige Botschaften auf seinen Kleidern zu tragen und dadurch eine Art ‚lebende Litfaßsäule‘ für derartige Dinge zu sein. Was genau nun der einzelne unter ‚Götzensymbolen‘ und ‚fragwürdigen Botschaften‘ versteht, muss sich im Laufe seines Glaubensleben von selbst entwickeln. Es hat wie so oft wenig Sinn, sein individuelles Verständnis in dieser Frage anderen Mitstreitern aufzwingen zu wollen; allein bei Nachfrage darf sicherlich gern die eigene Sichtweise in aller Bescheidenheit kundgetan werden. So soll nun an dieser Stelle nur gesagt sein, dass der hier Schreibende unter ‚Götzensymbolen‘ zumindest alles versteht, was gängigen Symbolen und Zeichen des dunklen Okkultismus all zu deutlich ähnelt, und auch schon, was schlichtweg eine unnötige Darstellung von Elementen der Schöpfung als angebliches ‚Schmuck‘-Motiv ist: sogenannte ‚Sterne‘ (also Pentagramme, Hexagramme, etc.; tatsächliche Sterne am Himmel haben schließlich wohl kaum derartig geometrisch perfekte Formen …), Dreiecke (insbesondere mit Strahlen geschmückte), Augen, allerlei Tier- oder Menschengestalten (seien es abstrahierte, seien es nahezu fotorealistische Abbildungen). Darüber hinaus kann auch über extravagante Kleidungsstücke und -accessoires nachgedacht werden, die von ihrer Form her fragwürdige Symboliken in sich tragen. Insbesondere Krawatten zum Beispiel könnte man aus diesem Grund deshalb vermeiden, weil sie doch sehr an den Einweihungsritus der weltlich-organisierten Freimaurerei (und vieler anders-benannter Ableger derselben) erinnert (wo dem Kandidaten ein (Galgen-)Strick, bzw. eine Leine um den Hals gelegt wird). Aber auch schon eine Halskette kann hinterfragt werden, ist sie immerhin nichts anderes als eine ‚Kette um den Hals‘, also etwas, was recht deutlich Gebundenheit und Gefangenschaft symbolisiert.

In wie weit man übrigens das Symbol des sogenannten (‚christlichen‘) ‚Kreuzes‘ propagieren möchte, möge jeder für sich selbst entscheiden. Sicher ist bei Paulus einmal von dem ‚Wort vom Kreuz‘ die Rede (1. Korinther 1,18), das für die Erretteten eine ‚Gotteskraft‘ (genauer: die ‚Dynamik der Gottheit‘), für alle anderen eine ‚Torheit‘ ist. Jedoch kann das Wort ‚Kreuz‘ im griechischen Original auch schlicht ‚Pfahl‘ bedeuten, und schlicht das meinen, was unser Messias als dasjenige nennt, was ein jeder ‚auf sich nehme, um ihm nachzufolgen‘ (in seiner Verkörperung im Fleisch damals dann halt tatsächlich in dem Querbalken eines Kreuzes sich materialisierend, den er zu seiner Hinrichtungsstätte hat tragen müssen – aber als Symbol auch jeder individuelle ‚Ballast‘, der einem zugeteilt ist vom Schicksal, aus dem es gilt, ‚etwas zu machen‘, das im Sinne des Ewigen liegt).

Das heute als ‚Kreuz‘ bezeichnete Symbol geht historisch dagegen vielmehr auf verschiedene heidnische Symbole zurück, die meistens etwas mit der Darstellung der Sonne inmitten der Tierkreiszeichen des Jahresverlaufs zu tun haben. Sicherlich kann man die Sonne als Symbol für unseren Herrn Jeschua betrachten, er ist das ‚große Licht, das am vierten Tag an die Feste gesetzt wurde‘, unter anderem ‚als ein Zeichen‘; siehe Genesis 1,14), die ‚Sonne der Gerechtigkeit‘, ‚in dessen Flügeln Heilung ist‘ (siehe Maleachi 3,20; bzw. in machen Übersetzungen 4,2; im Zusammenhang gesehen mit der ‚blutflüssigen Frau, die den Messias am Zipfel [= auf Hebräisch das selbe Wort wie ‚Flügel‘] seines Gewandes ergreift und dadurch sofort geheilt ist‘, z. B. in Matthäus 9,20-22; ausführlich in Markus 5,24-34).

Und auch die 12 Tierkreiszeichen können sicher leicht mit den 12 engsten Jüngern assoziiert werden, die unseren Meister umringen. Doch will man wirklich das Risiko eingehen, ein uraltes Symbol heidnischer Götzenverehrung auf diese Weise umzudeuten, um damit den lebendigen Gott zu ehren? Hat nicht genau diese Geisteshaltung im Alten Israel zu all den Greueln geführt, die der Ewige dann mit Schlägen der Züchtigung strafen musste, bis hin zur Zerstreuung der Stämme unter die Nationen? Ein jeder sei also zumindest eingedenk dieser Sachverhalte.

Und was die Thematik der ‚Hurerei‘ mit der Bekleidung zu tun hat, sollte jedem offensichtlich sein: Der Jünger (und die Jüngerin) des Messias wird keine unnötig ‚aufreizende‘ Kleidung wählen, sondern sich in natürlicher Schönheit gefallen und sich statt mit ‚Perlenschmuck und aufwändiger Haarpracht‘ lieber mit guten Taten und Gottseligkeit zum Glänzen bringen wollen (1. Timotheus 2,9f). Es soll hier nun nicht ausführlich auf die verschiedenen Greuel eingegangen werden, die in unserer verkommenen Zeit (mal wieder) Gang und Gäbe sind in Fragen der Kleidergestaltung. Aber als ein Beispiel seien sogenannte ‚Stöckelschuhe‘ aufgeführt. Von der ungesunden Fußhaltung abgesehen, die diese Schuhe bei der Trägerin erzwingen, fällt auf, dass der ‚aufreizende Effekt‘ (die Betonung des Gesäßes und der Beine) gerade dadurch erzielt wird, dass Beine und Füße den Beinen einer Ziege durchaus ähnlich gemacht werden, mit den dicken Absätzen als den Hufen und der dadurch besonders angespannten, leicht gebeugten Haltung des Unterschenkel.

‚Gekrönt‘ wird die rechte Bekleidung übrigens mit einer rechten Haartracht (beim Mann zudem Barttracht), und der Wahl der rechten Kopfbedeckung. Beim Mann wäre das: ein Bart (nicht in unnatürliche Formen gezwungen, lediglich gepflegt und eventuell getrimmt; siehe etwa Levitikus 21,5), keine allzu langen Haare (1. Korinther 11,14 ; aber auch auf keinen Fall komplett geschoren oder um die Ohren herum kahl rasiert, eventuell sollte das Haar sogar um die Ohren herum demonstrativ etwas fülliger sein, als ‚Abschirmung’/’Schutzwall‘ um die Ohren als den ‚Mündern des Hauptes‘; siehe wiederum Levitikus 21,5), tendenziell keine Kopfbedeckung (zumindest nicht beim Beten und Verkündigen; 1. Korinther 11,4+7). Bei der Frau demgegenüber sind angeraten: eher lange Haare (1. Korinther 11,15) und tendenziell das Tragen einer Kopfbedeckung (mindestens beim Beten und Verkündigen; 1. Korinther 11,5f). Doch zu den Details und Symboliken von Kopfbedeckung, Haar- und Barttracht siehe den entsprechenden eigenen Artikel.

Ein allerletzter Schliff wird der rechten Kleidung dann noch mit dem Tragen der sogenannten Tzitzit gegeben (mindestens für Männer; siehe Numeri 15,38ff und Deuteronomium 22,12). Zu den Tzitzit siehe ebenfalls den entsprechenden eigenen Artikel.

Und zum Schluss soll nun einmal das absolute Idealbild der Bekleidung eines Menschen im Dienst des Ewigen genannt sein, wie es unser Messias vorgelebt hat, als er im Fleisch auf Erden wandelte (Johannes 19,23; Exodus 28,4): ein Leibrock (‚Kethuneth‘, ‚Obergewand‘), aus einem Stück gewebt; dazu vermutlich einen Gürtel (‚Avnat‘) und einen Unterrock (‚Me’ijl‘). Möglichst einfach also, leicht in der Schwere der Last, die man auf der Haut trägt, und dennoch alles nötige der ‚Haut‘ und des ‚Fleisches‘ bedeckend. So möge also auch unser ‚Seelengewand‘ stets möglichst einfach, einfältig gestaltet sein, möge es keine Last für den Leib sein, und möge es dennoch alles mit reinem (Seelen-)Stoff abdecken und auffüllen, ausfüllen, ERfüllen, was wir als ‚Bewusstheit‘ und ‚Botschaft‘ (‚Haut und Fleisch‘) mit uns herumtragen – und es soll nichts davon im falschen Rahmen ‚entblößt‘, das heißt ‚offenbart‘ werden. ‚Keine Perlen vor die Säue‘ …

Bekenntnis


Das Bekennen der Überzeugung, dass ‚Jesus der Christus‘ ist

Ein bekanntes Beispiel aus der Schrift, was es mit dem ‚Christus-Bekenntnis‘ auf sich hat, findet sich im Brief des Paulus an die Römer (Kapitel 10, Verse 9+10): ‚Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum, daß er der HERR sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig.‘ … soweit eine gängige Übersetzung, die allerdings zu vielen Missverständnissen beigetragen haben dürfte. Nicht, dass es gänzlich falsch wäre, es so zu übersetzen. Doch für die meisten heutigen Leser gehen entscheidende Dimensionen der Botschaft dabei unter.

Deshalb hier einmal eine etwas wortwörtlichere Übersetzung der zwei Verse, samt Anmerkungen in eckigen Klammern, die den hebräischen Kontext der Begriffe berücksichtigen:

‚Denn wenn du [über den stillen entsprechenden Wandel hinaus sogar] mit deinem Munde (als) den Herrn [auch: (als) die Grundlage (deines Lebens)] Jeschua [= den Beistand des Ewigen] bekennst, und glaubst [auch: treu bist, und handelst im Bewusstsein] in deinem Herzen [auch: vermittels deines Herzens; vermittels deines Verstandes], daß ihn Gott [= der und das Ewige] von den Toten [= aus dem bereits vergangenen Geschehen] auferweckt [auch: wieder in Aktivität versetzt] hat, so wirst du [durch göttliches Eingreifen aus der Welt heraus] errettet (sein). Denn mit dem Herzen ist man gläubig [auch: treu] (bis) in das Gerecht-Sein hinein; und mit dem Munde ist man bekennend (bis) in das Errettet-Sein hinein.‘ (Römer 10,9-10)

All das hierin ausgesagte ist nur in seiner Fülle und Gewaltigkeit zu begreifen, wenn man ‚Jesus‘ in allen seinen Dimensionen (an) zu erkennen bereit ist. Daher hier zunächst eine Auflistung einiger seiner ‚Namen‘, ‚Titel‘ und Charakterisierungen: Christus/Messias/Gesalbter, Herr, König der Könige und Herr der Herren, (erstgeborener) Sohn (des lebendigen) Gottes, Wort Gottes, Sohn der Liebe (des Vaters im Himmel)/Sohn Davids, Ebenbild des unsichtbaren Gottes, Erstling der Schöpfung, Weisheit (Gottes), Richter der Lebenden und der Toten, Gesetzgeber, Friedefürst, Ewig(keits)vater, Heiland der Welt, Licht der Welt, Haupt der Versammlung/Gemeinde, Weg+Wahrheit+Leben, Brot vom Himmel, der Fels (des Heils), Hoherpriester im Himmlischen Heiligtum (nach der Ordnung MelkhiTzedeks, des Königs von Salem), der Prophet (der da kommen soll).

Versuchen wir nun, diese vielen Pinselstriche als ein Gesamtbild zu erfassen. Dazu müssen wir natürlich einen Schritt zurücktreten und die Bibel als ein vollkommenes, heiles Ganzes verstehen. Auf diesem Wege können wir uns den einzelnen Begrifflichkeiten nähern, um sie langsam in ihrer organischen Verbundenheit begreifen zu lernen.

Christus/Messias/Gesalbter: Durch die ‚Salbung‘ mit Öl werden in Israel dreierlei Funktionsträger in ihr Amt eingesetzt: Propheten, (Hohe-)Priester und Könige. Jeschua vereint alle diese drei Funktionen in sich. Ihn als den ‚Christus‘ zu bekennen, meint daher in erster Linie, dass man ihn als rechtmäßigen Herrscher anerkennt (Königtum), ihn zudem als einzige Autorität versteht, zwischen dem einzelnen Geschöpf und dem Schöpfer zu vermitteln (Priestertum), und darüber hinaus ihn als den letztgültigen Verkünder der göttlichen Wahrheit ansieht (Prophetentum).

(erstgeborener) Sohn (des lebendigen) Gottes: Als ‚Sohn‘ bezeichnet das Althebräische nicht nur den leiblichen männlichen Nachkommen, sondern auch ganz allgemein ein ‚einzelnes Exemplar eines Kollektivs‘ (‚Ben Bakar‘, wörtlich ‚Sohn des Rindviehs‘, ist zum Beispiel schlichtweg ein einzelnes Rind, gegenüber dem Kollektiv-Wort ‚Bakar‘, das für ‚Rindvieh im Allgemeinen‘ steht); und ‚Ben ha Elohim‘ (‚Sohn Gottes‘, oder ‚Sohn der Gottheit‘) kann somit auch als ‚ein einzelnes Exemplar der Mannigfaltigkeit des Göttlichen‘ verstanden werden. Indem Jeschua nun der ‚Erstgeborene‘ von solcherlei Exemplaren ist, wird darauf verwiesen, dass er in Rang und Stellung einzigartig ist und bleibt, und dies schon seit ‚vor Grundlegung der Welt‘ so bestimmt ist (siehe Offenbarung 13,8); dass aber dennoch seine Nachfolger ebenfalls zu ‚Kindern Gottes‘ werden (sollen), also ihm ähnlich, bis sie letztlich sogar in der ‚Verherrlichung‘ ihm gänzlich gleich werden sollen (von der Ursprache her kann ‚Herrlichkeit‘, hebr. ‚kawod‘, unter anderem auch als ‚Ehre‘ oder schlicht als ‚Gewicht(igkeit)‘ übersetzt werden; ‚Verherrlichung‘ kann so auch in der Dimension des ‚Wichtig-Werdens‘ verstanden sein).

Ebenbild des unsichtbaren Gottes: Auch hierin zeigt sich die Wesensidentität des ‚einzelnen und ersten Exemplares‘ der Gottheit innerhalb der Schöpfung (= des Sohnes Gottes) mit der Gottheit selbst, die diese Schöpfung als ihr Schöpfer hervorgebracht hat; die Gottheit, die daher in und an sich selbst ‚unsichtbar‘ ist, nämlich als der ‚himmlische Vater‘ und Erzeuger ‚in unzugänglichem Licht wohnt‘.

Sohn der Liebe (des Vaters im Himmel)/Sohn Davids (wörtlich etwa: ‚Sohn des Gottgeliebten‘): Hiermit wird nun noch einmal näher die Art der Wesensgleichheit zwischen ‚Sohn‘ und ‚Vater‘ spezifiziert; es handelt sich bei dem ‚Sohn‘ um ein Exemplar der ‚Liebe‘ des Vaters, also um die Verkörperung dieser väterlichen Liebe selbst, die in Gestalt des ‚Sohnes‘ eine innerhalb der Schöpfung tätige Kraft des Schöpfers ist.

Wort Gottes: Diese ‚tätige Kraft des Schöpfers‘ ist seit dem ersten Kapitel der Bibel als ‚Wort Gottes‘ erkennbar, das alles in Erscheinung ruft.

Erstling der Schöpfung: Als ‚Wort Gottes‘, durch das erst alles weitere entsteht, ist diese ‚tätige Schöpferkraft‘, diese ‚Verkörperung der Liebe des himmlischen Vaters‘, der ‚Erstling der ganzen Schöpfung‘, nicht selbst ‚geschaffen‘, sondern ‚gezeugt‘.

Weisheit (Gottes): Als dieses zu Beginn von Allem Gezeugte ist die ‚Liebe Gottes‘ als ‚tätige Kraft des Schöpfers‘ gleichzeitig die ‚Weisheit Gottes‘, die ‚vor allem schon da war und durch die alles bemessen und geplant ist, was dann als Schöpfung in die Existenz tritt‘ (siehe etwa Sprüche Kapitel 8).

der Prophet (der da kommen soll): Nach all den bisherigen, eher ‚kosmischen‘ Aspekten des Christus, des Schöpferwortes, der Gottesliebe-Verkörperung, ist mit dem ‚Propheten, der da kommen soll‘ nun eine Bezeichnung (siehe Deuteronomium 18,18; Johannes 1,21, Matthäus 21,11 u. a.) gegeben, die gerade auf die Mensch-gewordene Dimension abzielt und das Verkündende dabei in den Vordergrund rückt: das Wort Gottes, das sich innerhalb der Menschheitsgeschichte selbst offenbart (zunächst nur durch den temporären ‚Geist Gottes‘ in einzelnen ‚gesalbten‘ Menschen wirkend) und letztlich sogar gänzlich ‚Fleisch wird‘, als Mensch unter Menschen auftritt.

Weg+Wahrheit+Leben: Gerade in seiner Menschwerdung nun zeigt sich dieses ‚Wort Gottes‘ als der einzige Weg für den Einzelnen hin zurück zum ‚Vater‘, aus dem er erzeugt worden, zur Quelle, aus der er geflossen ist; als die einzige Wahrheit mithin, die diesen einen Weg weisen kann und als das wahre Leben, das nur auf diesem Weg erreicht wird.

Brot vom Himmel: Damit also ist dieses Wort Gottes das wahre ‚Brot vom Himmel‘, das denjenigen, der sich Daraus speist, nicht mehr sterben lässt, sondern dem Es ewigwährendes Lebendigsein garantiert, also die Existenz gänzlich in die Sphäre des Ewigen versetzt, insofern sich von Ihm gespeist wird.

Ewig(keits)vater: Hiermit ist erneut verwiesen auf die Tatsache, dass die ‚Ewigkeit‘, das ‚ewige Leben(digsein)‘, allein IHN zur Quelle hat, dass Er allein es ist, der den ewiglebendigen Menschen zu zeugen vermag. Und zwar, wenn sich ‚von ihm genährt‘ wird, als vom ‚Brot des Himmels‘.

Licht der Welt: Als das ‚Licht der Welt‘ tritt die ‚Weisheit Gottes‘, die ‚tätige Liebe des Vaters‘ als sein ‚Schöpferwort‘, nun insbesondere wieder in seiner Gestalt als offenbarte Heilige Schrift auf (siehe z. B. Psalm 19,8; 119,105; Sprüche 6,23; auch 2. Petrus 1,19), wenn diese nicht als ‚toter Buchstabe‘ verkümmert, sondern im Optimalfall als kompletter fleischlicher Mensch auftritt, wie in Gestalt des Messias geschehen (Johannes 9,5). Und wer ‚in diesem Licht bleibt, der wird nicht verlorengehen‘ (1. Johannes 1,7; Johannes 12,35; siehe auch Johannes 3,21) in der Dunkelheit der (gefallenen) Welt, sondern wird – indem er eben dieses Licht als Hilfe und Wegesleuchte annimmt, dadurch sich mit dem ‚Brot vom Himmel‘ speist – ‚ewiges Leben haben‘.

Haupt der Versammlung/Gemeinde: Das Ziel dieses ‚Weltenlichtes‘ besteht dann in der Erleuchtung desjenigen Teils der Welt, der dieses Licht annimmt; das ist die ‚Gemeinde‘, bzw. die Versammlung aller ‚Heiligen‘, als deren ‚Haupt‘ das Licht fungiert (wunderschön in der Gestalt des siebenarmigen Leuchters versinnbildlicht, aus dessen mittlerem Stamm sich die äußeren Arme speisen; nicht umsonst ist in der Offenbarung des Johannes diese Menorah als Bild für die Gemeinde genutzt; Offenbarung 1,20). Wiederum ist hier zu beachten, dass es sich bei dem ‚Licht‘ als dem Haupt der Gesamtheit aller wahren Diener des Ewigen um nichts anderes handelt, als um das ‚Wort Gottes‘ selbst, in seiner lebendigen Form, das sich in schriftlich-überlieferter Gestalt für uns Menschen konzentriert in der Thorah und in den darauf aufbauenden Schriften, und letztenendes dann in den Berichten über das leibliche Wirken des Messias, als der fleischgewordenen Thorah, die uns als bestmöglicher Leitfaden gegeben ist.

Hoherpriester im Himmlischen Heiligtum (nach der Ordnung MelkhiTzedeks, des Königs von Salem): ‚Melkhi Tzedek‘ kann sowohl als ‚König der Gerechtigkeit‘ als auch als ‚mein König ist gerecht/mein König ist (die) Gerechtigkeit‘ übersetzt werden. ‚Salem‘ entspricht ‚Schalom‘, dem Frieden, der Vergeltung, dem Ausgleich, der Harmonie, der Unversehrtheit, der Beschwichtigung. Eines solchen Herrschers Ordnung also ist es, nach der das fleischgewordene Gotteswort, die personifizierte Liebe des himmlischen Vaters, uns als erster und letzter und einziger Vermittler dient zwischen uns (als jeweils einzelnen Geschöpfen, und auch ‚uns‘ als der Gesamtheit der Schöpfung) auf der einen Seite, und dem ‚allesdurchdringenden‘ (dies eine altgriechische Nebenbedeutung von der Wortwurzel ‚pantokratein‘, für den ‚allesbeherrschenden, allmächtigen‘) Schöpfer auf der anderen. Diese Vermittlung also wird allein bewirkt durch Jeschua, die ’nach angewandter Gottesliebe‘ strebende Thorah in den Herzen all derjenigen Menschen, welche sich nach dieser Vermittlung sehnen und deshalb ‚in Christus bleiben‘ und ‚er in ihnen‘. Die Thorah, die Weisung des ewigen Gottes muss IN den Menschen sein (Jeremia 31,33), damit diese auch IN dieser Weisung bleiben können. Und umgekehrt. Der Geist Gottes bewohnt keinen entweihten Tempel (1. Korinither 3,16f).

Richter der Lebenden und der Toten: Wir wissen, dass der Richter am Ende der Zeit auch derjenige ist, der das Gesetz gegeben hat (Jakobus 4,12), und dass er entsprechend nach diesem Gesetz richten, das heißt: die Zustände berichtigen wird. Der Gesetzgeber am Berg Sinai muss demnach Jeschua selbst gewesen sein, der auch als der ‚Bote‘ (auch als ‚Engel‘ übersetzt) auftritt, ‚in dem der Name des Ewigen ist‘ (Exodus 23,20f). Und da das ‚Gesetz‘ wiederum die Thorah, das Wort Gottes selbst meint, hat Jeschua (als der ‚Engel, in dem der Name des Ewigen ist‘) auf dem Berg Sinai nicht weniger als SICH SELBST gegeben als das Wort Gottes, und damit den Segen, der es uns ermöglicht, das (wahrhaftige) Leben zu wählen anstatt den Tod (Deuteronomium 30,15+19). Nichts desto trotz hat er uns gleichzeitig dadurch den Fluch vorgelegt, den wir wählen können, indem wir seinen Segen verwerfen und so dem Tod statt dem Leben dienen (siehe Deuteronomium das ganze Kapitel 28). Doch wie Paulus ausführlich darlegt, ist selbst im Fluch Gottes noch Segen enthalten, indem die Heiden erst durch die göttliche Verwerfung derer, die den Fluch wählten, zum Heil gelangen (siehe konkret etwa Römer 11,11+15).

Heiland/Erretter der Welt: Das lebendige Wort Gottes, die tätige Liebe des Vaters im Himmel – sie ist es, die das Potential zur Errettung der ganzen Welt in sich birgt: die Wiederherstellung der eigentlich ursprünglich vorgesehenen göttlichen Ordnung, die durch die Entscheidung der Schöpfung, diesem göttlichen Willen zu widerstehen, am Anfang unserer Weltzeit zerstört worden ist (der sogenannte ‚Fall‘, erst des ‚Erzrebellen‘, jenes einst schönsten Engels, des ‚gesalbten Cherubs‘, der Gott ersetzen wollte, erzählt in Jesaja 14,12ff und Ezechiel 28,13ff; dann auch der Fall des Menschen, der sich von selbigem Gefallenen in Gestalt der ‚Schlange‘ im ‚Wonne-Garten‘ zur selben Sünde verführen lässt; Genesis Kapitel 3).

Friedefürst: Auch als ‚Mächtiger Kämpfer des harmonischen Ausgleichs‘ könnte man das hebräische Wort aus Jesaja 9,6 übersetzen; der Bezug zur richtenden, berichtigenden Funktion des Gottessohnes und -wortes steht wieder im Vordergrund, sowie sein Recht, endgültig zu herrschen.

der Fels (des Heils): Der ‚Fels (des Heils)‘ ist gleichzeitig auch (wegen einer althebräischen Doppeldeutigkeit des Wortes für ‚Fels‘) die ‚Bedrängnis des Heils‘; denn der Beistand Gottes, Jeschua, zeigt sich all den Söhnen, die vom Vater geliebt sind, auch als Züchtigung (Sprüche 3,12; Hebräer 12,6), als Bedrängnis mithin, die die abirrenden Kinder wieder auf den rechten Weg zu bringen schafft. Und so ist gerade derjenige Aspekt unseres Messias, auf den wir als unsere Grundlage unser ‚Haus bauen sollen‘, anstatt auf ’sandigen Boden‘ (Matthäus 7,24ff), der Aspekt der Bedrängnis, in die Er uns zwangsläufig bringt, um uns endgültig entscheiden zu müssen. Wie spricht Jeschua von sich selbst (Matthäus 21,44): Der Fels, an dem zerschellt, wer auf Ihn fällt; und der den zerschmettert, auf den Er fällt. Wir haben also die Wahl, die Bedrängnis uns dienstbar sein zu lassen, oder an ihr zerstört zu werden. Denn das Wort Gottes ist bekanntlich ‚ein zweischneidiges (auch: zwei-mündiges) Schwert‘ (Hebräer 4,12; Offenbarung 1,16; 19,15) …

Herr, Herr der Herren und König der Könige: Das althebräische Wort für ‚Herr‘ (dort, wo es auch tatsächlich in der Heiligen Schrift steht, und nicht dort, wo es die traditionellen Bibelübersetzungen auch noch hinsetzen, wo aber eigentlich der Gottesname J-H-W-H steht) lautet ‚Adon‘ und wird im Urtext exakt gleichgeschrieben wie das Wort ‚Ädän‘, was ‚Grundlage, Fundament‘ bedeutet. Mit der Bekenntnis Jesu als ‚Herrn‘ ist also immer auch gemeint, dass man ihn zur ‚Grundlage‘ hat, zum ‚Fundament‘ seines Handelns und Wandels. ‚Herr der Herren‘ könnte man demnach als Steigerung dieser Bezeichnung auffassen, als ‚Fundament aller Fundamente‘, das Grundlegendste, auf dem alles aufbaut. Und ‚König der Könige‘ oder ‚Herrscher der Herrscher‘ ist demgegenüber das Höchste in einem hierarchischen Bau, der ‚Oberste Souverän‘, der das Bauwerk bewohnt, das auf besagter ‚fundamentalster aller Grundlagen‘ erbaut ist, welche also wiederum Er selbst ist – Basis und Krönung in einem ist der ‚Herr der Herren und König der Könige‘ damit, und sein Haus auferbaut aus den ‚lebendigen Steinen‘ (1. Petrus 2,5), die als die Versammlung der Heiligen ’sein Leib‘ sind (1. Korinther 12,27; Epheser 1,22f; Kolosser 1,24; u. v. a.).

Jeschua/Jehoschua/Jesus: Die konzentrierteste Zusammenfassung aller Eigenschaften und Charakterlichkeiten des nun ausführlich umrissenen Gotteswortes, das gleichzeitig ‚Sohn‘ des Allerhöchsten selbst ist, lässt sich am besten geben als: Jeschua, bzw. Jesus, der Name des tatsächlich fleischgewordenen Wortes, wie die Evangelienberichte von ihm berichten. Vom Hebräischen ‚Jehoschua‘ kommend (eine Kurzform desselben), bedeutet der Name ursprünglich so etwas wie ‚der Ewige (Jah/Jahwah) errettet/leistet Beistand‘, oder eben ‚der errettende Beistand des Ewigen‘. Die Kurzform ‚Jeschua‘ ist dann sogar gleichlautend mit dem Wort ‚Errettung; Heil‘ selbst. Die leibhaftige Verkörperung des Gottessohnes im tätigen Leben eines Menschen offenbart sich also ihrem Wesen nach als der ‚heilsame Beistand des Ewigen‘ schlechthin. Auch beachtenswert scheint, dass der ‚Heilige Geist‘, der ‚Geist der Heiligkeit‘, das heißt: der Geist des für-Gott-aus-der-profanen-Welt-heraus-abgesondert-Seins, neben seiner schlichten Charakterisierung als ‚Geist Gottes‘ überhaupt, und als ‚Geist der Wahrheit‘, auch als ‚Beistand‘ (griechisch: parakleitos; siehe Johannes 14,16f+26) bezeichnet wird, der vom Vater im Himmel herabgesandt wird. ‚Wort‘, ‚Geist‘ und ‚Liebe‘ Gottes sind also eins in der Wirksamkeit innerhalb der Schöpfung, als der ‚Sohn‘ der ansich unbeschreibbaren Mannigfaltigkeit Gottes; und als ein leibhaftiger Mensch auftretend, bzw. in einem leibhaftigen Menschen zumindest partiell wirkend, sind ‚Wort, Geist und Liebe‘ des Ewiglebendigen der direkte, errettende Beistand dieses Ewiglebendigen selbst, wie er in seine Schöpfung eingreift, wie er als ‚Person‘ einem jeden entgegenzutreten vermag.

‚Person‘ – das Wort kommt von Lateinisch ‚per-sonare‘, dem ‚Hindurch-Tönen‘, und zwar speziell das Hindurch-Tönen der Stimme eines Charakters im Theaterstück, die durch die ‚Maske des Schauspielers‘ (ebenfalls als ‚persona‘ bezeichnet) ‚hindurchtönt‘ und sich vermittels ihrer erst dem Betrachter und Zuhörer zu erkennen gibt. Im Hebräischen kommt unserem Wort der ‚Person‘ noch dasjenige am nächsten, was man als ‚Angesicht(er)‘ zu übersetzen gewohnt ist (Hebräisch: ‚Panijm‘, beispielsweise bei den ‚Schaubroten‘ in der Stiftshütte, auch als ‚Brote des Angesichts‘ übersetzt; hebräisch ‚Lechem Panijm‘). Dieses Wort ‚Panijm‘ kommt von einer Verbwurzel ‚P-N‘, die als ‚(hin-/ab-)wenden‘ übersetzt werden kann; das ‚Angesicht‘, die ‚Person‘ also ist dem hebräischen Verständnis nach etwas, das sich einem zu- und/oder abwendet. Wie der Beistand des Ewigen eben auch sich uns zuwendet, oder sich von uns abwendet, je nach Wahl, die wir in jedem neuen Moment unserer individuellen Existenz treffen.

Zum Bibelwort zurückkommend, das zu Beginn dieses Artikels steht, können wir nun das Ganze sehr viel tiefer verstehen. Mit dem ‚Lippenbekenntnis‘, dass ‚Jesus der Herr‘ ist, und dem ‚Herzensglauben‘, dass dieser Herr von den Toten auferweckt, also trotz seinem physischen Vergangen-Sein in die lebendige Aktivität (zurück) gesetzt worden ist, muss sehr viel mehr gemeint sein, als das wohl allgemein darunter vermutete.

‚Lippenbekenntnis‘ klingt heute sehr flach und oberflächlich, weil kaum mehr jemand ernsthaft jedes einzelne Wort für gewichtig hält, das er selbst oder ein Mitmensch im Laufe seines Lebens so von sich gibt. Aber in einer Zeit, da man für die Verweigerung eines Treueschwurs auf den herrschenden Kaiser zum ganz handfesten Tode verurteilt wird, da wird das ‚Bekenntnis mit den eigenen Lippen‘ etwas durchaus schwerwiegendes sein, etwas, das geradezu logischerweise auch mit sich bringt, dass man sein gesamtes Handeln nach einem solchen Bekenntnis ausrichtet – weshalb sonst hätte man ein solch großes Risiko eingehen sollen, dieses gesamte Handeln (das vielleicht für sich genommen noch unauffällig bleiben könnte, um Strafe auszuweichen) so wortwörtlich ‚ausdrücklich‘ vor sich her zu tragen? Da aber in unserer Zeit und Gesellschaft ein ’nur‘ in Worten ausgedrücktes Bekenntnis leicht nicht ernst genommen wird, sollte die Betonung heute vielleicht eher auf gerade den Begleitumständen dieses Lippenbekenntnisses liegen, die damals ganz selbstverständlich mit besagtem Lippenbekenntnis einhergingen, heute aber wohl GERADE dasjenige am Bekenntnis erst ausmachen, das es auch wahrgenommen und vor allem ERNSTgenommen werden lässt: nämlich der auch äußerlich gelebte, demonstrativ verkörperte Wandel, der sich in dem Lippenbekenntnis dann ’nur‘ konzentriert, in einen sprachlichen Begriff fassen lässt, den wir Menschen zur inneren Einordnung des Wahrgenommenen eben brauchen. Sofern dieses Lippenbekenntnis also keine Heuchelei ist, bringt es zwangsläufig auch den entsprechenden Wandel mit sich. Und dieser tatsächliche Wandel ist es dann, der laut den zwei Paulus-Versen ‚zum Heil‘ führt, der den ‚Bekennenden in das Errettet-Sein hinein bringt‘. Denn dieses besteht im Frei-Sein von der ‚Sünde‘, welche definiert ist als ‚Gesetzlosigkeit‘, also als die Übertretung des Gesetzes, der Thorah, der Weisung des Ewigen (siehe 1. Johannes 3,4).

Und der im Eingangsvers erwähnte ‚Herzensglaube‘ ist ebenfalls aus dem ursprünglichen Denken zu begreifen; er ist nicht als bloßes ’naives Für-wahr-Halten‘ zu verstehen, sondern als Vertrauen, Gefestigt-Sein und Treue des ‚Herzens‘; und mit dem ‚Herz‘ meinte sowohl alter Hebräer als auch alter Grieche stets mehr als die heute damit assoziierten ‚Gefühle und Emotionen‘ … vielmehr war das Herz begriffen als der Sitz des Verstandes und des Empfindens, ungefähr im Sinne dessen, was wir heute als ‚gesunder Menschenverstand‘ bezeichnen würden. Nichts unfehlbares, aber doch etwas, das des Menschen Denken und Handeln zwangsläufig bestimmt, mehr als jedes vollbewusste Resümieren. Also nicht das reine ‚Kopfdenken‘ findet sich im ‚Herz‘ des Hebräers und Griechen, nicht das Kopfdenken von uns heutzutage, das sich in jedem Gedankengang selbst Zeugnis über die vollzogene Logik ablegt; sondern im Herz angesiedelt ist für den Menschen des Altertums ein natürliches Ab- und Einschätzen, geleitet von gemachten Lebenserfahrungen und der natürlichen Weltverbundenheit des Menschen, das niemals losgelöst von der erlebten Wirklichkeit, völlig ‚abstrakt‘ vonstatten geht.

Der ‚Herzensglaube an etwas bestimmtes‘ ist deshalb in diesem Sinne zu verstehen als ‚das unerschütterliche Gefestigt-Sein in und Vertrauen auf eine bestimmte Tatsache, die sich dem Betreffenden aus einem natürlichen Verstehen der erlebten Wirklichkeit für schlichtweg gegeben erweist, woraus sich dann ein treues Handeln ergibt, das diese erfahrene Tatsache möglichst in jeder Hinsicht berücksichtigt‘.

Und DIESER Herzensglaube ist es dann, der laut Paulus ‚in die Gerechtigkeit hinein‘ führt denjenigen, der ihn hat. Denn allein das Bekenntnis der Herrschaft Jesu im eigenen Leben, des ‚Wortes Gottes‘, als des lebendigen Beistands durch den und das Ewige; dieses Bekenntnis durch den eigenen Wandel bis hinein ins wortwörtliche ‚Lippen‘-Bekenntnis – das allein KANN den Menschen nicht tatsächlich erfolgreich diesen Wandel bestreiten lassen, so sehr er es auch aufrichtig versuchen mag, da der Mensch ‚von Natur aus‘, ‚in seinem angeborenen Herzen‘ einfach SCHLECHT ist, als das gefallene Wesen, das er nun mal ist (siehe exemplarisch etwa Römer Kapitel 3, im Besonderen Verse 10-20 und Vers 23). Deshalb muss, um auch tatsächlich in Gerechtigkeit wandeln zu können, bis in das so sündhafte menschliche Herz hinein erkannt sein und darauf vertraut werden, dass das Ewige seinen ‚persönlichen‘ Beistand für jeden Einzelnen bereits vollständig ‚zur Aktivität‘ gebracht hat, ‚von den Toten auferweckt‘ hat. Dass mithin das einzige, das diesen Beistand individuell noch nicht in Vollendung wahrnehmen lässt, besagtes ‚Böses im menschlichen Herzen‘ sein muss. Und dieser Prozess, durch den dann dieses Böse mehr und mehr ausgetrieben und ausgetilgt wird im einzelnen Herzen, durch den ‚das steinerne Herz durch ein fleischernes ersetzt‘ wird (Ezechiel 11,19; 36,26), und also ‚das Gesetz Gottes‘ direkt ‚ins Herz geschrieben‘ wird (Jeremia 31,33), dieser Prozess entfaltet sich als die eigentliche ‚Apokalypse Jesu Christi‘, zu deutsch: ‚die Aufdeckung/Offenbarwerdung des zur Königsherrschaft (über alle individuellen Lebens- und Seelenkräfte) gesalbten Beistandes durch das Ewige‘ im persönlichen Leben des Gläubigen. Wobei insbesondere an einem entscheidenden Punkt offenbar wird, dass die Anwesenheit, die Präsenz (griechisch: paraousia; siehe besonders 1. Thessalonicher 2,19; 3,13; 4,15; 5,23; 2. Thessalonicher 2,1+8; 2. Petrus 1,16; 3,4+12) Jesu Christi niemals aufgehört hat, seit er eben ‚von den Toten auferweckt worden ist‘. Hat er nicht selbst versprochen: ‚Ich bleibe bei euch bis ans Ende aller Tage‘ (letzter Vers bei Matthäus)?! Nur fällt es uns Menschen sooo schwer, so eine Frohe Botschaft, dieses Evangelium des Reiches Gottes, einfach zu glauben und auf seine Unumstößlichkeit zu vertrauen. Wir wollen immer erst irgendetwas Wundersames ’sehen, um glauben zu können‘ – nicht in Betracht ziehend, dass wir vielmehr ‚glauben müssen, um (all das Wunderhafte um uns herum) sehen zu können‘, das längst da ist … als das ‚Hindurch-Tönen‘ der Stimme, als die ‚Hinwendung‘ des Angesichts jenes lebendigen Beistandes unseres Schöpfers, des Ewigen Gottes.

Glaube


‚Glaube‘: Vertrauen, Gewissheit, Treue.

Kurz und knapp: ‚An die Bibel glauben‘ bedeutet nicht in erster Linie ‚die traditionell interpretierten wortwörtlichen Übersetzungen der ursprünglich hebräischen und griechischen Urtexte als historische Tatsachenberichte für WAHR in einem formal-logischen Sinn zu halten‘.

Dies ist lediglich eine ab einem gewissen Punkt natürliche Konsequenz, allerdings in erster Linie von ‚methodischer‘ Wichtigkeit. Was aber die ‚Überzeugung‘ angeht, nach der man sein ganzes Leben auszurichten gedenkt … da reicht kein abstraktes ‚Für-Wahr-Halten‘, da geht es vor allem um VERTRAUEN auf die unermessliche Fülle an geistig-seelischem (und durchaus auch das körperliche Wohlbefinden begünstigenden) Beistand, der aus den (Ur-)Schriften der Bibel quillt; da geht es außerdem um GEWISSHEIT, dass ein von Herzen kommendes Studium dieser Schriften einem selbst und den Mitmenschen zu Gute kommt, wie nichts sonst einem selbst und den Mitmenschen zu Gute kommt; und da geht es zudem sehr um TREUE, auch in seinem Alltagshandeln und in seinem ganzen Lebensentwurf möglichst den Prinzipien entsprechend zu leben und zu wirken, die sich aus dem Bibelstudium für einen selbst individuell ergeben.

Ist ein derartiges ‚Glauben‘ an die Heilige Schrift vorhanden, so hat man die Bibel in der Tat zu seinem Fundament, als die Grundlage seines Lebens. Und das Wort ‚Grundlage, Fundament‘ wird im Althebräischen exakt identisch geschrieben, wie das Wort für ‚Herr‘ (nämlich mit den 3 Buchstaben namens Aleph, Daleth und Nun; ‚Ädän‘, bzw. ‚Adon‘). Wenn also das eigene Leben im Fleische Zeugnis von einem Wandel nach der Bibel gibt, dann hat man als den ‚Herrn‘ seines Lebens ganz wortwörtlich das ‚Wort Gottes‘ angenommen; und ‚fleischgeworden‘, also nicht als bloß ‚toter Buchstabe‘, ist dieses ‚Wort Gottes‘: Jeschua, der Messias.

 

Taufe


Die Wassertaufe als Symbol und Bekenntnisakt

Die ‚Taufe im Namen Jesu Christi‘ ist einer der wohl bekanntesten äußerlichen Bekenntnisakte, und gilt nicht unverdient als wohl wichtigster Bekenntnisakt. In wie fern dies auch aus der Schrift zu rechtfertigen ist, soll im Folgenden geprüft werden, anhand unterschiedlicher Betrachtungsweisen.

Zuerst: Schon in der Apostelgeschichte, den Berichten von den Erlebnissen und Gepflogenheiten der ersten ‚christlichen‘ Gemeinschaften, ist von der Wassertaufe als einem äußerlichen Bekenntnisakt die Rede. Statt findet diese Taufe in der Regel dann konkret zu Beginn der Beteiligung an der Gemeinschaft derjenigen, die sich als die ‚Nachfolger des neuen Weges‘, bzw. als Nachfolger des Messias Jesus begreifen. Beispiele in den Berichten der Taten der Apostel finden sich an den Stellen Apostelgeschichte 2,38; 8,16; 8,31; 10,48; und in besonderer Akzentuierung in Kapitel 19,1-7, wo der Unterschied zwischen der ‚Taufe des Johannes‘ (= nur ein Ritual als äußere Begleitung der innerlich erfolgenden ‚Umkehr‘) und der ‚Taufe auf den Namen Jesu Christi‘ (= zur Teilhabe, oder als Symbol dieser Teilhabe, am ‚Geist der Heiligkeit‘, nach der bereits erfolgten Umkehr).

Die Symbolik des ‚Getauftwerdens‘ wird dann auch in den Briefen des Paulus mehrmals angesprochen und näher ausgeführt. In Römer 6,3-6 heißt es besonders ausführlich (in der recht wörtlich gehaltenen Elberfelder Übersetzung): ‚Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein; da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.‘

Und in seinem Schreiben an die Christusgläubigen in Galatien: ‚Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.‘ (Galater 3,27) Und noch einmal nimmt er auf die Tauf-Symbolik Bezug im ersten Korintherbrief: ‚Denn in EINEM Geist sind wir alle zu EINEM Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit EINEM Geist getränkt worden.‘ (1. Kor 12,13)

Die entscheidenden Aspekte, die aus den Paulus-Zitaten hervorgehen, sind also: Identifizierung des Getauften mit dem Tod Christi, um dadurch auch mit Ihm ein ganz neues Leben zu führen; mit Christus ‚bekleidet zu werden‘, wodurch man also dann ‚in Christus‘ ist, in der lebendigen Thorah wandelt; Einfügung des Getauften in die Gemeinschaft der Gläubigen, die von dem EINEN gemeinsamen Geist erfüllt sind, wodurch der Einzelne also in den ‚EINEN Leib‘ integriert wird, von nun an lebendiges Glied dessen ist.

Als ein archetypisches Bild ist nun Wasser allgemein mit dem Begriff von ‚Zeitlichkeit‘ verknüpft. Besonders fließendes Wasser erinnert den Menschen scheinbar instinktiv an den ständigen (Ver-)Fluss seiner Lebenszeit, den ständigen Wandel der Verhältnisse und an die Unumkehrbarkeit dessen, was bereits ‚verflossen‘ ist. Dieser Gesichtspunkt des Wassers kann auch im Bezug auf die Taufe gesehen werden: In der Welt der Zeitlichkeit ist es, wo der Gläubig-Gewordene (wie sein Messias auch, der extra dafür in die Zeitlichkeit getreten ist) sterben muss, um dann aus dieser Zeitlichkeit heraus aufzutauchen, sich über diese Zeitlichkeit zu erheben in Richtung der Ewigkeit.

Ein weiterer wichtiger, in der Schrift auch gut belegter Aspekt der Wasser-Symbolik liegt in der Rede vom ‚lebendigen Wasser‘ als der Lehre des Messias und als der Trank, der ewiges Leben verleiht (Johannes 4,6-15; 7,38).

Typischerweise wird eine Wassertaufe nun auch in ‚lebendigem‘ Wasser (dies die alttestamentliche Formulierung für ‚fließendes‘ Wasser) vollzogen; oft mit der Assoziation, dass durch den Fluss des Wassers erst ‚das alte Leben‘, bzw. ‚die Sünden‘ abgewaschen, mitgerissen und somit fortgespült werden.

Ein damit zusammenhängendes Motiv kann man in der biblischen Sintflutgeschichte erkennen, wo ebenfalls durch flutendes Wasser das ‚Böse‘ von der Erde vertilgt wird. Hierzu schreibt entsprechend auch Petrus in seinem ersten Brief: ‚[…] als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurchgerettet wurden. Das Abbild davon errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe – nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen – durch die Auferstehung Jesu Christi.‘ (1. Petrus 3,20f) Man legt also nicht selbst, aus eigener Kraft die ‚Unreinheit des Fleisches‘ ab, sondern bittet Gott darum, sie einem zu nehmen. Und er wird es tun, wie er es mit der Sintflut für die ganze Erde getan hat.

In der Lebensgeschichte der sogenannten ‚Patriarchen‘ des Volkes Israel – Abraham, Isaak und Jakob – findet sich dann ein weiterer Vorschatten des Tauf-Geschehens des Erneuerten Bundes: Der Kampf des Jakob mit ‚dem Mann‘ an der Jabbok-Furt (Genesis 32,24ff), in dessen Folge unser Vater Jakob erst seinen neuen Namen ‚Israel‘ verliehen bekommt und damit die ‚Patriarchen-Erzählungen‘ erst zu dem werden können, was sie heute sind; zur Lebensgeschichte der Erzväter des Volkes ISRAEL. Dieses Geschehen am Fluss Jabbok gestaltet sich bekanntlich derart, dass Jakob allein zurückbleibt, nachdem er seine Familie mitsamt seiner Habe bereits über den Fluss geleitet hatte. Und wie ‚aus heiterem Himmel‘ geschieht es dann, dass ‚ein Mann mit ihm am ringen ist bis zur Morgenröte‘ (Vers 32). Und das Ergebnis dieses Kampfes, der mit einer Art ‚Unentschieden‘ ausgeht, ist dann, dass der ‚Mann‘ (= offensichtlich kein ‚Mann‘ aus Fleisch und Blut, sondern eine Art himmlisches Botenwesen, über dessen genaue Natur und Identität in der Tradition immer wieder spekuliert wird) Jakob segnet und ihm den Namen ‚Israel‘ verleiht (Vers 28) mit der Begründung, dass Jakob ‚mit Göttern (oder ‚mit der Gottheit‘) und mit Menschen gekämpft und bestanden‘ habe (offensichtlich eine Anspielung auf eine der vielen Bedeutungsnuancen des Hebräischen Wortes ‚Jissrael‘ oder ‚Jischrael‘, bzw. J-Sch-R-A-L; ~ ‚er bekämpft die Gotteskraft‘). Außerdem ’schlägt er Jakob auf die Hüfte‘, wodurch Jakob dann ‚hinkt‘ (siehe Verse 25 und 31). Zusammenfassend lässt sich vor dem Hintergrund der Tauf-Symbolik nun also sagen: Jakob überquert ein fließendes Gewässer, bringt zunächst sein weltliches Gut hinüber, und bleibt allein zurück, gerät dann in einen Kampf mit einer himmlischen Gestalt, im Verlaufe dessen er an seiner ‚Hüfte‘ (häufig ein Euphemismus für den ‚fleischlichsten‘ Teil des menschlichen, besonders des männlichen Fleischesleibes …) geschlagen wird, wodurch diese Stelle seines Fleisches (also symbolisch sein Fleisch insgesamt) geschwächt wird, was sich bis in seinen Wandel hinein sichtbar ausdrückt (‚hinken‘). Und dadurch wird er mit einem ’neuen Namen‘, also einem neuen WESEN ausgestattet und legt damit die Grundlage für das ‚Eigentumsvolk Gottes‘, dessen Urvater er sein wird. In ähnlicher Weise wird für uns heute die Taufe Jesu Christi ein Hinüberschreiten über das ‚Fließen des Wassers‘ (Verfließen der Zeitlichkeit des materiellen Lebens) sein, um auf die andere Seite ans ‚Trockene‘ (in die ‚Ewigkeit‘) zu gelangen; diesen Weg allein gehend (ohne unsere weltliche Habe, ein jeder für sich selbst), dabei ‚einen Kampf kämpfen‘ müssend, der in der ‚Schwächung des eigenen Fleisches‘ endet und uns bereit macht, ein ’neues innerstes Wesen‘ zu empfangen, das uns ‚zu einem Teil des Volkes Gottes‘ (Israels) macht.

Den Geschichtsberichten der Thorah nach der Sintflut und den Patriarchen-Erzählungen weiter folgend, gelangt man im zweiten Buch Mosis dann an die Erzählung des Passah-Ereignisses (ab Kapitel 12), also an den Bericht von der Befreiung der Kinder Israels aus dem sie knechtenden Ägyptenland durch die mächtige Hand ihres Gottes. An die erste Flucht aus dem Reich Ägyptens schließt sich dann eine Verfolgungsjagd in der Wüste an, im Verlauf derer die Israeliten auf wundersame Weise im Trockenen durch das sogenannte ‚Schilfmeer‘ ziehen, die ihnen nachjagenden ägyptischen Streitwagen aber in den wieder zurückkehrenden Fluten zu Tode kommen (Kapitel 14+15). Auch in dieser Begebenheit also trennt eine reißende Wasserflut das ‚Böse‘ vom Guten ab und vernichtet es, um dem Guten ein neues Leben, frei von dem Bösen, zu ermöglichen. Interessant zu erwähnen ist hierbei noch, dass das ‚Schilfmeer‘ im Hebräischen der Bibel ‚Jam Suph‘ genannt wird, was identisch geschrieben ist, wie ‚Jam Soph‘, was ‚Meer des Endes‘ bedeuten würde.

Ein weiterer Reflex dieser Symbolik des ‚Durchs-Wasser-Gehens‘ zeigt sich dann rund 40 Jahre später, beim Zug der Kinder Israels durch den Jordan-Fluss (Hebräisch ‚Jarden‘, ‚Hinabsteigendes‘) unter Jehoschua (siehe das Buch Josua Kapitel 3 und 4), als sie ‚gegenüber von Jericho‘ erstmals das ‚Verheißene Land‘ erreichen. Diesmal müssen keine (äußeren) Feinde mehr abgeschüttelt werden, sondern es muss lediglich das Vetrauen bewiesen werden, dass die ‚Lade des Bundes‘, mit dem Zeugnis der Worte Gottes darin, die Wasser (also die ‚Zeitlichkeit‘) so lange aufhält, bis die Israeliten ‚im Trockenen‘ (= vermittels des Ewigen) diese Grenze zum ‚Gelobten Land‘ überquert haben. Und direkt im Anschluss kommt es dann (in Kapitel 5 des Buches Josua) zur kollektiven Beschneidung der Kinder Israels; also wird nun im Anschluss an diese Art der Taufe ‚das eigene Fleisch‘ beschnitten, das heißt: das eigene Fleischliche wird nun auch ‚tatkräftig‘ begrenzt.

Bekannt ist das Untertauchen in Wasser dem Volk Israel auch schon als rituelles Bad (heute genannt eine ‚Miqweh‘) im levitischen Ritus, das als ein Reinigungsritual dient, wenn sich ein Mensch ‚kultisch verunreinigt‘ hat, bzw. wenn er unverschuldet verunreinigt wurde (zum Beispiel im Falle der Berührung eines Toten, nach der monatlichen Ausschwemmungs-Blutung der Frau und nach einem außer-verkehrlichen Samenerguss des Mannes; letztere beide sind körperliche Vorgänge, die jeweils mit einem ‚ins-Nichts-Gehen‘ von Reproduktions-/Lebenskraft einhergehen, und dadurch ebenfalls mit dem Tod assoziiert sind).

Und da der Mensch als gefallenes Wesen in einer gefallenen Schöpfung ständig in Kontakt mit dem Tod kommt, welcher aus göttlicher Perspektive das Leben grundsätzlich bedroht und das Lebendige ‚verunreinigt‘, ist es wohl naheliegend, dass das Untertauchen in Wasser, die ‚Miqweh‘ oder ‚Taufe‘, auch für denjenigen Propheten, den wir heute ‚Johannes den Täufer‘ nennen, bildhaftes Mittel seiner Berufung ist, um die Menschen in ihrer Umkehr aus ihren toten Werken zurück zum göttlichen Leben zu unterstützen. So gipfelt Israels Bekanntschaft mit dem Prinzip der Taufe also in der berühmten Jordan-Taufe des Messias Jeschua durch besagten ‚Täufer‘.

Und wie sich da der Geist Gottes, ‚wie eine Taube‘ auf ihm niederlässt, so sollen auch wir als seine ‚Jünger‘ (= Lehrlinge) in möglichst jeder Hinsicht seinem Beispiel folgen – also sollen auch wir ‚im Wasser getauft‘ werden und ‚den Geist Gottes empfangen‘. Nur folgerichtig deshalb, dass dies auch noch einmal als ausdrückliches Gebot vom Messias an seine engsten Vertrauten gerichtet wird: als der sogenannte ‚Taufbefehl‘ (siehe Matthäus 28,18-20; Markus 16,15f), der dann im Wirken der Apostel zur ersten Entfaltung gelangt. Und das tatsächliche Unter-Wasser-Tauchen der ‚Neubekehrten‘ ist dabei selbstverständlich ’nur‘ die allerletzte Besiegelung im äußerlichen Ritual – das eigentlich Entscheidende findet, wie in diesem Artikel umrissen, schon vorher, auf dem Weg dorthin statt, im Inneren des Einzelnen in Gestalt der geistigen Prozesse, welche durch die Taufe selbst dann nur noch ’nach Außen‘ symbolisiert werden, als ‚Zeugnis für alles Fleisch‘ (nicht zuletzt auch für das eigene).