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DAS KREUZ

14. April 2017

Von der Bereitschaft eines Jüngers Jesu Christi, dem Meister bis zum Tod am Kreuz zu folgen

Gewichtiger als alle Lehre, als alles Bekenntnis und als alles Für-Wahr-Halten biblischer Inhalte und Aussagen … ist das KREUZ. Die Pflicht eines jeden Nachfolgers des Messias, Ihm insbesondere in derjenigen Hinsicht ähnlich zu werden, den Weg zum Kreuz – zum TOD am Kreuz – freiwillig anzutreten. Was aber bedeutet dieser ‚Tod am Kreuz‘?

Die ehrlichste Antwort: Ich weiß es nicht. Am eigenen Leib kann ich es zwar mit Gottes Beistand erleben, es bis zu einem gewissen Grad daher auch in Worte fassen, die mir selbst etwas bedeuten – aber verallgemeinern kann ich es deshalb noch lange nicht. Für jeden einzelnen muss sich das Kreuz ganz individuell ausleben dürfen. Ich kann theoretisch darüber philosophieren, spekulieren; gar recht geistreiche Argumente für diese oder jene Betrachtungsmöglichkeit hervorbringen. Doch am Ende steht wieder das ‚ich weiß es nicht‘, wenn ich mich nicht selbst täuschen will. Das ‚Kreuz‘, auch wenn seine Wirkung immer gleich ist, der Tod des Gekreuzigten, das Kreuz ist für jeden ein ganz eigenes Erleben. So wie eben sterben, auch im Leiblichen, jeder ganz für sich alleine muss. Wie also das Kreuz des Christus dem einzelnen Jünger den fleischlich-seelischen Tod bringt, das wird allein dieser einzelne Jünger erfahren können, wenn er denn den Gang zum Kreuz antritt und zu Ende geht.

Trotzdem kann ich versuchen, mich einer Antwort wenigstens anzunähern, so weit ich das zu diesem Zeitpunkt vermag, an dem ich eben selbst noch auf dem Weg bin, den ich hiermit zu beschreiben gedenke. Und während bei allen anderen Thematiken rund um den Wandel in Christus, dem Leben nach den Empfehlungen des Ewigen, dem zunehmenden Einswerden mit unserer aller Quelle, mir eine Art der Sprache angemessen scheint, die möglichst ‚überpersönlich‘, nicht-subjektiv formuliert – so ist bei diesem Zentral-Thema gerade das Gegenteil das einzig angemessene: ein schonungslos subjektives, am eigenen Leben als Beispiel orientiertes Beschreiben des (hier im Zeitlichen wohl endlosen) Prozesses, der mit dem eigenen Absterben kämpft, der FÜR dieses Absterben kämpft, nicht dagegen an.

Behauptung: Jeder, der ehrlich ist zu sich selbst, weiß es vielleicht ja immer schon, dass ‚er selbst‘ besser Absterben sollte ‚in sich‘, anstatt sich selbst weiter im Weg zu stehen … Aber es sich wirklich bewusst einzugestehen, das ist eine andere Dimension. Und den Weg dann auch tatsächlich ANZUTRETEN … wieder eine höhere Ebene der Selbstüberwindung. Aber auch eine, in der die erlösende DANKBARKEIT erst eintritt. Dankbarkeit dafür, dass man in sich den Entschluss zu fassen schaffte, ‚umzukehren‘ aus dem immer weiter Verstrickt-Werden in die Welt hinein. So hart dieser Weg dann auch werden wird, man weiß: es wird sich lohnen, ihn anzutreten. Und es ist vor allem das einzig RICHTIGE, das man vor dem Hintergrund besagter Dankbarkeit noch tun kann, ohne sich selbst völlig dem ‚Bösen‘ hinzugeben, sich ganz der Welt auszuliefern, von der einem zu diesem Zeitpunkt klar ist, dass sie einen am Ende verschlingen wird, ja: verschlingen MUSS, es ist quasi ihre Aufgabe.

Bei mir jedenfalls hat es lange, lange gedauert, bis ich mir die erwähnte ‚Erbärmlichkeit‘ wirklich OFFEN eingestanden habe, und in der Folge endlich auch den Weg angetreten habe, jenes mir daraufhin angebotene Erbarmen anzunehmen und in mir wirken zu lassen.

Und weit bin ich auf diesem Weg nun wirklich noch nicht gekommen. Immerhin, DASS ich ihn endlich tatsächlich angetreten habe, kann ich seit einiger Zeit guten Gewissens bezeugen (wenigstens ‚mit den Lippen‘, bzw. mit der Feder; hoffentlich dem ein oder anderen auch ‚handfester‘, anhand meines beobachtbaren tatsächlichen Wandels da draußen).

Obwohl wohlgemerkt die theoretische Einsicht in die eigene Erbärmlichkeit schon längst auch vorher da war; je älter man halt so wurde.

‚Erbärmlichkeit‘, das ist also vom Wort her ein Zustand, über den ’sich erbarmt‘ werden muss, soll dieser Zustand nicht so jämmerlich, wie er ist, bleiben für immer. Und dieses ‚Erbarmen‘, das empfindet man ganz deutlich, das kann man keineswegs ’selbst‘ übernehmen, ja, nicht einmal ein anderer Mensch könnte dies übernehmen, oder gar alle anderen Menschen zusammen. Dies wäre auch alles nur wieder Symptom-Behandlung, wenn überhaupt. Nein: Es muss schon die Quelle selbst sein, aus der man geflossen ist, die sich da über einen erbarmt, die sich wieder des Menschen annimmt, der sich von ihr offenbar einst mutwillig getrennt zu haben scheint irgendwann auf seinem besserwisserischen Weg des Eigenwillens, in Widerspenstigkeit ‚allem anderen‘ gegenüber.

Und dieses ‚Erbarmen‘ besteht dann in erster Linie darin, dass man endlich (als dieses Erbärmliche, dieses Widerspenstige, das sich doch nur selbst im Weg steht und dabei auch noch alle anderen um sich herum potentiell am mitreißen ist …) STERBEN kann, dass dieses erbärmliche, über das weltlich-zeitliche Eingebundensein definierte ‚Selbst‘ im Menschen sich zumindest endlich WAGT, ’sich selbst aufzugeben‘.

Eigentlich weiß man ja längst, dass alles Festklammern am Bisherigen gar keinen Sinn haben KANN. Aber man hängt plötzlich auf so irrationale Weise an sich selbst … Da fängt man dann endlich an, all die eigenen ‚Dämonen‘ zu sehen, die einen auf diese Weise wieder einfangen wollen, betäuben wollen mit ihrer Zauberei; oder zumindest beginnt man, etwas derartiges dumpf zu empfinden (welche Wörter man dann auch immer individuell dafür benutzen mag, um es für sich selbst oder anderen gegenüber zu beschreiben; Wörter hängen immer stark von der individuellen Sozialisation ab).

Und einem wird klar, dass die ursprüngliche Dankbarkeit dafür, überhaupt erst mal dahin gekommen zu sein, sich selbst dem (noch nicht einmal wirklich erblickten, schon gar nicht ERLEBTEN) ‚Guten‘ zuliebe aufopfern zu WOLLEN, erst ein klitzekleiner erster Schritt gewesen sein kann. Die eigentliche Reise, es dann auch wirklich, tatsächlich durchzuführen, hat gerade erst begonnen.

Und die mächtige Hand, die einen bis hierhin schon gebracht hat, verdeckt vielleicht IMMER an diesem Punkt ‚aus Methode‘ fürs Erste all die steinigen Pfade, die da noch vor einem liegen; oder wenigstens zeigen sich einem solcherlei Hindernis-gespickte Strauchelpfade zu Beginn nur in soweit, wie der je individuelle Mensch es zu diesem jeweiligen Zeitpunkt auch verkraften kann, ohne direkt wieder völlig abgeschreckt zu werden. Aber all zu locker darf es wiederum wohl auch nie sein … immer hart an der Grenze zum Aufgeben wird man gehalten, oder zumindest immer mal an diese Grenze nah herangeführt, wenn man sich wieder zu überheben droht im Taumel des einen oder anderen kleinen Erfolges im Kampf mit sich selbst …

An dieser Stelle sollte wohl einmal betont werden: Es ist auf dem hier beschriebenen Weg der Selbstaufopferung (oder wenigstens des anfänglichen Versuches einer solchen) lange Zeit gar nicht nötig, jemals von der sogenannten ‚Bibel‘ gehört zu haben oder von ‚Christus‘, der ‚am Kreuz gestorben‘ ist. Im Gegenteil: Selbst WENN man von alldem gehört hat, kann man seinen selbst angetretenen Weg in Richtung ‚Tod am Kreuz‘ noch völlig losgelöst von diesem perfekten Vorbild unseres Messias verstehen. Zwar würde es wohl einem jeden unerschöpflich viel helfen, wenn er auf dieser seiner Reise von Anfang an den Gekreuzigten vor Augen hat, um sich aus dessen Kraft auch ganz bewusst zu speisen. Doch scheint es bei manch einem so bestimmt zu sein, dass diese Kraft einen erst einmal ’nur‘ unbewusst unterstützt. Aber wie dem auch sei: DA ist diese Kraft immer, wo ein Mensch sich (wenn auch erstmal vielleicht nur ‚teilweise‘) zu diesem Pfad entschlossen hat. Christus ist nicht darauf angewiesen, dass an ihn ‚geglaubt‘ wird, um seine Macht zu entfalten. Allein WIR sind auf diesen Glauben an IHN angewiesen, je bewusster, desto wirksamer wird er uns beistehen, wie sein Name es verspricht. Aber auch, wenn wir ’nur‘ indirekt an den ‚Beistand des Ewigen‘ glauben, der in unserem Leben ‚zur Herrschaft bestimmt‘ ist, wirkt dieser ‚Jesus Christus‘ in uns. Mögen wir ab einem gewissen Punkt dann auch vollständig denjenigen Jesus Christus darin erkennen, den uns die sogenannte ‚Bibel‘ vorstellt (und nicht bis zum Schluss an einem selbstgebastelten festhalten, wie es leider so viele von uns zu machen scheinen)!

Springen wir also zu dem Punkt auf dem Weg, wo der ihn Gehende endlich ganz bewusst Jesus Christus als sein Vorbild erkannt hat, dem es nachzustreben gilt. Bis zum Tod, zum Tod am KREUZ. Da wird dann Christus, als der leibhaftige Beistand des Ewigen in unserem individuellen (Er-)Leben, beginnen, uns immer direkter anzutreiben, uns den rechten Weg zu zeigen, auf dass wir nicht unnötig in fruchtlosen Ab- und Umwegen schreiten.

Spätestens dann werden sich daher, vermittels des Studierens seiner Worte und letztlich eben seiner gesamten Thorah, immer wieder ganz neue Baustellen in unserem Alltagswandel und Charakter zeigen, die wir bisher vielleicht aufgrund wichtigerer Projekte (vielleicht aber auch aus kleingläubigem Entmutigt-Sein, aus Furcht vor bestimmten lauernden Dämonen, oder wegen sonst etwas) außen vor gelassen haben.

An dieser Stelle ist dann eine bestimmte Gefahr zu beachten: das Abgleiten in einen all zu äußerlichen Ritus, also in RELIGION im schlimmsten Sinne des Wortes … Denn wenn man sich anhand der detaillierten Empfehlungen der Thorah mit allerlei Bereichen des Lebens beschäftigt, in denen man sich ‚verbessern‘ (lassen) kann, dann kann man dazu neigen, die viel wichtigeren Aspekte der Nachfolge zu übersehen, in den Hintergrund treten zu lassen; die Aspekte, die einem aber doch zu Beginn des Weges überhaupt erst den Anreiz gegeben hatten, die beschwerliche Reise zugunsten seiner Menschen-Geschwister anzutreten: Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbstbeschränkung, Freundlichkeit, Tatkraft, Geduld, Mitgefühl – gelebte Liebe zu allen Menschen eben, selbst den ausdrücklichen Feinden gegenüber.

Dann gilt es, den Blick wieder direkt auf unseren gekreuzigten Messias zu richten, überhaupt den Fokus wieder mehr auf Seinen ganz konkreten ‚Aufenthalt im Fleisch‘ zu legen, statt auf Sein eher allgemeines ‚Wirken aus dem Geistigen heraus‘ (wie es etwa die gesamte Zeit des Alten Israels hindurch vorhanden ist, als der Beistand Gottes noch ’nur‘ stellenweise als ‚Geist Gottes‘, in Form der ‚Salbung‘ von Königen, Priestern und Propheten, und auch mal in Form von ‚mächtigen Wundertaten‘ eingreift). Letzteres Wirken wird zwar weiterhin eine Rolle spielen, doch ist das Wirken ‚als lebendiges Wort‘ im Fleisch des einzelnen Jüngers das eigentlich entscheidende, und auch dasjenige, das den Messias in den übrigen Kindern Gottes, seinen neu gezeugten Brüdern und Schwestern, erst ‚erhöht‘ und damit auch für alle anderen Menschen sichtbar werden lässt.

Wo wir nun einige dieser Grundlagen angesprochen haben, die eben ganz individuell im Leben des Einzelnen zu greifen beginnen müssen, können wir uns gerne auch einmal einigen eher ‚theoretischen‘ Aspekten des ‚Kreuzes‘ zuwenden.

Da wäre etwa die offensichtliche Symbolik der ‚grausamen Vierheit des Materiellen‘, die uns im Kreuz als einem Folterwerkzeug der herrschenden (damals wie heute RÖMISCHEN) Weltmacht vorgestellt ist. Mit der ‚Vier‘ ist seit alters her auf die ‚handfeste‘ Seite der Existenz hingewiesen, auf das äußerliche, ‚weibliche‘ Prinzip der Schöpfung, mit seinen vier Himmelsrichtungen, vier Elementen, oder heute eben ‚vier Raumzeitdimensionen‘. Auch aber ist diese ‚Vierheit‘ seit jeher dasjenige Prinzip, das – befruchtet von der ‚Dreiheit‘, dem unsichtbaren, innerlichen, ‚männlichen‘ Prinzip, dem Geistigen – die neue Schöpfung, das ‚Kind‘ gebiert: die ‚Fünf‘, in der die Einheit der ursprünglichen Eins die äußerliche, raumzeitliche Vierheit wiederum zu einem Heilen, zu einem tatsächlich Ganzen ergänzt hat.

So ist auch jede Geburt in dieser gefallenen Welt einhergehend mit Wehen, mit den schrecklichen Schmerzen des Alten an einem Neuen, das sich aus dem Alten erst ‚befreien‘ muss, und das dadurch nicht nur selbst in die offenbar-werdende Existenz tritt, sondern das dabei auch für das Alte die Erlösung vom Schmerz und die Erfüllung der Bestimmung dieses Alten verwirklicht, und das durch sein Hervorkommen überhaupt ALLEM rund herum ein lebendiges Bild der ‚Ewigkeit innerhalb des Vergänglichen‘ wird, eine ‚Verkörperung von Verheißung‘ gleichsam.

Die materielle Welt der Vierheit, jener abgefallene Teil der ursprünglichen Schöpfung also, der dem Fluch aus Genesis 3,14-19 unterliegt, muss in diesem Sinne durch die ‚Eins‘ ihr gegenüber, die sie zur Fünfheit ergänzt, ‚erlöst‘ werden. Das ist der ‚Sohn Gottes‘, der sich (nach dem Willen des Vaters im Himmel) an die Vierheit begibt (dabei zunächst dieser Vierheit gleich wird, eben auch ‚Fleisch wird‘), um dort zu sterben. Und um daraufhin wieder aufzuleben in ursprünglicher, ‚verherrlichter‘ Gestalt. Und einer teuflischen Illusion unterliegt der, der meint, dieser erlösende Aspekt könnte auch zur Geltung kommen, OHNE dass er zunächst fleischgeworden ‚am Kreuz stirbt‘ (siehe etwa Petrus, dem mit den Worten ‚Satan weiche!‘ gewehrt wird, als er diesen Gedanken auch nur äußert … Matthäus 16,21ff).

Und dieses ‚Absterben des Fleisches‘, das eben nur mithilfe des Gottesbeistands möglich wird, ist sich als lebenslanger Prozess vorzustellen. Wer hofft, in dem Moment, wo er ein Bekenntnis mit den Lippen aufsagt, oder im Herzen einen bestimmten Glaubensartikel annimmt, sei sein Fleisch auch schon sofort abgestorben und der reine Geistesmensch allein sei nun vorhanden in ihm … der ist einer der wohl erfolgreichsten Fallen des Feindes erlegen. Denn selbst unser geliebter Apostel Paulus spricht noch im Brief an die Philipper davon, wie er weiß, dass er ’noch nicht am Ziel ist‘, und an anderer Stelle, wie er fortwährend seinem Fleisch erbitterten Widerstand leisten muss. Auch unser Messias selbst hat nicht erst angefangen zu sterben, als er schon am physischen Kreuze hing. Vielmehr dürfte sein Absterben begonnen haben, als er diese Welt betreten hat, als er seine Herrlichkeit ablegte für diese verhältnismäßig kurze Zeit, als er es ’nicht für einen Raub erachtete‘, den Menschenkindern gleich zu werden. ‚Das Kreuz auf sich nehmen‘ beginnt aus dieser göttlichen Perspektive bereits, wenn die göttliche Seele (die ‚Neschamah‘, die uns in Genesis 2 eingehaucht wird) sich mit dem Fleisch beladen muss, um in diese Weltzeit einzutreten als fleischlicher Mensch, als ‚lebendige Seele‘. Nur, können wir uns das in unserem gefallenen Zustand wirklich vorstellen? Welches Opfer es für unseren Schöpfer ist, uns immer und immer wieder aufs Neue, wenn einer von uns in diese Welt hinein geboren wird, mit einem Funken seiner Göttlichkeit auszustatten, uns seinen Odem einzuhauchen? Wenn auch wir dieses Göttliche in uns ’natürlicherweise‘ kaum bis nie als solches empfinden (höchstens hier und da mal als ‚quälendes Gewissen‘, oder im angenehmeren Fall, und dafür umso eher noch missverstanden, als ‚geniale Kreativität‘). Das Göttliche selbst allerdings wird all dies immer genau so empfinden und erleben, wie es tatsächlich auch ist. Unser Vater im Himmel erlebt und erleidet deshalb alles mit uns mit, lässt uns in keinem Bruchteil eines Augenblicks allein mit uns selbst, sondern ist immer anwesend. Nicht unbedeutend daher, dass sein hebräischer Name aus den vier Buchstaben (J-H-W-H) auch als ‚Er ist der Fall‘ übersetzt werden kann; denn Er ist es, der den Fall bewirkt hat am Anfang der Tage, und der gleichzeitig diesen Fall in Gänze mitmacht – Er selbst IST also wirklich dieser Fall des Göttlichen in die verdorbene Schöpfung hinein. Oder noch ‚philosophischer‘ verstanden: Immer, wenn in der Thorah ‚(denn) Ich bin Jahweh‘ (hebr. ‚(ki) Ani Jahwah‘) geschrieben steht, kann das auch als ‚(denn) das (täuschbare) Ich [wörtlich auch: ‚meine (eigene) Verdrehtheit‘] ist der Fall (ins Unheil)‘ (hebr. ‚ki anay jehowah‘) gelesen werden. Unser täuschbares, egoistisches Selbst ist es also, das diesen ursprünglichen Fall des Göttlichen in die verkommene Schöpfung hinab geradezu verkörpert. Und unsere Aufgabe besteht nun darin, uns von ‚uns selbst‘ in diesem Sinne wieder zu befreien; befreien zu LASSEN, und zwar durch denjenigen Aspekt des Göttlichen, der im Gegensatz zu unserem eigenen ‚göttlichen Seelenfunken‘ nie die Verbindung zu seiner himmlischen, unversehrten und unversehrbaren Quelle (dem ‚Vater im Himmel‘) eingebüßt hat, und dennoch bis zu uns hinunter gestiegen ist: Maschiach Jeschua.

ER wird uns bei unserem Feldzug gegen das eigene Fleisch befehligen, rechtleiten. Den Kampf FÜHREN müssen wir selber. Aber ausgestattet sind wir durch ihn mit der ganzen ‚Waffenrüstung Gottes‘ (Epheser 6,13ff): ‚Gürtel der Wahrheit‘, ‚Bauchpanzer der Gerechtigkeit‘, ‚Schuhe der Bereitschaft zur Friedensverkündigung‘, ‚Schild des Glaubens‘, ‚Helm des Heils‘, ‚Schwert des Geistes‘ und ’stets ein Gebet auf den Lippen‘ für die Mitstreiter.

Die erlebte Wahrheit markiert an uns selbst die Mitte zwischen unterem und oberem Menschen, zwischen dem, das dem verfluchten Erdboden zugehört, und dem, das nach oben zum Himmlischen hin deutet. Die Gerechtigkeit, um die wir im Umgang mit jedem Mitmenschen bemüht sind, schützt unser Innerstes mitsamt unserem Gewissen und unserem so verletzlichen Fühlen vor Beschädigung vom ‚Außen‘ her. Die Bereitschaft, die frohe Botschaft des Friedens, des göttlichen Shalom, des ewigen Ausgleichs zu verkündigen, beschirmt und beflügelt unseren Wandel und trennt uns zumindest schon mal hauchdünn von dem verfluchten Erdboden, an den uns die Schwerkraft noch fesselt. Der Glaube (das ist die Überzeugung vom Wohlwollen des Ewigen, das unerschütterliche Vertrauen auf seine weise Rechtleitung und die Treue, danach auch zu handeln) wehrt für uns alle Angriffe des Widersachers ab, die uns traumatisieren und somit in unsichtbare, uns schmerzhaft fesselnde Ketten legen wollen. Das Heil, das Hoffen auf und Wissen um die einstmalige Vervollständigung unserer Existenz durch die Einswerdung mit unserem Haupt (welches ist Christus), hält dieses unser Haupt für uns in Unverletzlichkeit, auf dass es uns ohne jede Beeinträchtigung leiten kann. Das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, ist uns einzige Angriffswaffe, mit der wir Mark von Bein scheiden können, Seelisches, Fleischliches von tatsächlich Geistigem zu unterscheiden vermögen, bei uns selbst wie bei anderen Menschen und deren Verhaltensweisen und Worten. Und das ständige Beten auch für unsere Mitstreiter, ob wir sie persönlich kennen oder nicht, bettet uns ein in die Ganzheit des Leibes Christi, in dem wir uns geborgen wissen, selbst wenn wir äußerlich auch mal ganz allein erscheinen mögen.

Jetzt wollen wir doch einmal auch die Spuren des Kreuzes in der Bibel verfolgen, wie sie sich schon so lange VOR dem Großen Werk unseres Königs zeigen, von welchem die Schriften des sogenannten ‚Neuen Testaments‘ berichten. Und anhand eines jeden hier näher betrachteten Beispiels soll ein bestimmter Aspekt aufgezeigt werden, der den tatsächlichen Gang zum Kreuz des Messias-Jüngers kennzeichnen wird.

Es beginnt mit dem ganz Grundsätzlichen bereits in der Schöpfungsgeschichte. Das Thema hier: Die ständige Wahl zwischen zwei Wegen, die eigentlich ein einziger sind, sobald man sich für den richtigen entscheidet. Die Wahl hat der Mensch von Anfang an zwischen dem ‚Baum des Lebens‘ und dem ‚Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‘, den wir auch treffend als den ‚Baum des Todes‘ bezeichnen dürfen, indem er im Laufe der Erzählung zu ebendiesem wird, den Tod bringend, als direkter Gegensatz zum Baum des Lebens, den man ‚versehentlich‘ verworfen hat, als man stattdessen zum ‚Verbotenen‘ gegriffen hat.

Ein einziger Weg sind beide Bäume deshalb in Wahrheit, weil die ‚Erkenntnis von Gut und Böse‘ uns so oder so zu Teil wird. Am Ende nämlich, in der letzten Vision der sogenannten ‚Offenbarung des Johannes‘, haben wir den langen, beschwerlichen Weg über den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse endlich bewältigt und dürfen uns dank dem Beistand des Ewigen nun zusätzlich vom Baum des Lebens speisen. Hätten wir anfänglich gar nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen, sondern direkt vom Baum des Lebens, wäre uns zwar theoretisch der beschwerliche Weg erspart geblieben, doch wüssten wir von dessen Möglichkeit und von dessen detaillierter Gestalt für uns in gleichem Maße, da wir durch den Genuss der Früchte des Lebensbaumes ja letztlich ganz eins mit unserem Schöpfer geworden sind, mitsamt all seiner Einsicht auch in diejenigen Dinge, die in unserer jeweiligen Weltzeit nicht realisiert sein mögen.

Nun mag dies wie eine philosophische Spitzfindigkeit wirken, doch es sei darauf verwiesen, dass die jüdische Tradition schon immer davon berichtet, dass die beiden Bäume im Garten aus EINER Wurzel wachsen und die ‚Ursünde‘ Adams gerade darin besteht, die beiden Bäume voneinander zu trennen. Und zudem seien wir eingedenk, dass die eben umrissene THEORETISCHE Möglichkeit, direkt vom Baum des Lebens gegessen zu haben, den Abweg über den Baum des Todes uns also erspart zu haben, eben nur das ist: theoretisch. In der erlebten Wirklichkeit ist es eben so gekommen, dass wir uns für den Ungehorsam entschieden haben – und das hatte unser Schöpfer selbstverständlich auch vorher schon ‚gewusst‘. Unterm Strich also, war es von Anfang an ‚Sein Plan‘, uns von beiden Bäumen essen zu lassen. Und weil Er als der Ewige eine jede Welt der Zeitlichkeit aus der Ewigkeit heraus gestaltet, ist von seiner Perspektive her auch die Unterscheidung in den langen, schmerzhaften Weg des Baumes des Todes, und den direkten Genuss vom Baum des Lebens nicht notwendig: Beide Wege sind Eins für die Ewigkeit, und führen letztlich beide zurück in die Ewigkeit zu Ihm. Jeschua als der Baum des Lebens errettet uns entweder aus unserem zwischenzeitlichen Abweg, oder Er ist ohnehin unser Ein und Alles von Anfang an und ohne Unterbrechung. Und eigentlich eben beides gleichzeitig.

Doch genug dieser abstrakten Abwägungen. Essentiell bei dieser Thematik ist für den Einzelnen, dass er in jedem Moment aufs Neue wählen darf, wählen MUSS: Baum des Lebens oder Baum des Todes? Der Baum des Todes glitzert und hat in der Welt viele Fürsprecher, die sich gerade selbst von ihm am speisen sind. Der Baum des Lebens schaut dagegen in unserer verzerrten Wahrnehmung des Alten Menschen aus, wie der Tod selbst: wie das KREUZ nämlich, an dem wir sterben sollen. Kein Wunder also, dass Adam ‚damals im Garten‘ sich ‚als seine Frau Eva verführen ließ‘, vom anderen Baum zu essen …

Ein nächster essentieller Punkt des ‚Ans-Kreuz-Gehens‘, auf den man stößt, folgt man der Erzählung der Heiligen Schrift sozusagen ‚chronologisch‘, lässt sich vielleicht folgendermaßen in eine Überschrift gießen: ‚Das gelebte Gleichnis, das mehr Gewicht hat, als das Leben selbst‘. Und hier handelt es sich um die Geschichte von Kain und Abel: Das Blut Abels, dessen Geschrei in den Himmel dringt, ist das ‚Gleichnis‘, das selbst nach dem Tod dessen, der es gelebt hat, noch Wirkung entfaltet, ja: Wirkung bis in das ‚Himmlische‘ hinauf, den starken Arm des Ewiglebendigen in Bewegung setzend! Denn ‚Blut‘, dieses Wort im Hebräischen (‚Dam‘) kann auch ‚Gleichendes‘ bedeuten. Und damit wird das Verständnis etabliert, dass die Lebenskraft eines Menschen sich nicht in seinem physischen Lebendigsein erschöpft, sondern eben auch nach dem ‚Sterben‘ des Geschöpfes ein Faktor für diese gesamte Schöpfung bleibt in dem Maße, wie sich während des physischen, fleischlichen Lebens diese Lebenskraft in der Weltzeit verwirklicht hat – und im Falle eines ‚gerechten‘ Lebens ist dieser Faktor gar so wirkmächtig, dass er seine Wirkung von da an aus der Ewigkeit heraus in diese Weltzeit hinein sendet, als das direkte Eingreifen des Ewigen zu Gunsten der (in dieser Weltzeit ‚von Innen betrachtet‘ nicht immer sofort sichtbaren) Gerechtigkeit: die letztendliche Berichtigung von allem Nicht-Ausgeglichenen, oder biblischer ausgedrückt, das ‚Letzte Gericht‘, das den Shalom herstellt für die Gerechten. Und hier heißt ‚zuletzt‘ nicht in erster Linie einen Zeitpunkt betreffend, der am Ende einer linearen Zeit steht, sondern dieses ‚zuletzt‘ ist IMMER der Abschluss eines subjektiven Erfassens, zu-Ende-Erlebens, ein Vollenden und Vervollständigen der bisher nur bruchstückhaften Sicht- und Erlebnisweise auf ein Verhältnis Seinerselbst zum Umfassenden.

Ebenso meint das ‚bald‘ im ersten Vers der Johannes-Offenbarung kein bloß linear-zeitliches ‚gleich darauf‘, sondern eher so etwas wie ein immer gültiges ‚in jedem Moment, der als vervollständigend auf den vorherigen folgend erlebt wird‘. Wann genau finden also statt all die Ereignisse der sogenannten ‚Offenbarung‘, das heißt, der ‚Aufdeckung und Ent-Deckung Jesu Christi‘ (Offb. 1,1), genauer: das Entdecken der immer-währenden Anwesenheit Jesu Christi, des zur Herrschaft über alles Gesalbten Beistandes durch das Ewige selbst? In jedem Moment finden sie statt, wo das Individuum sein subjektives Erleben des eigenen Schicksals als nicht weniger empfinden darf als die heilende Vervollständigung der ohne ihn sinnlosen Welt. In diesem Erleben nämlich wird genau jener ‚Beistand des Ewigen‘ offenbar in der Weise, dass er als immer schon anwesend erkannt wird. Die sogenannte ‚Parousia‘ Christi, wie Er selbst sie uns versprochen hat: ‚Ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Zeitalter‘ (Matthäus 28,20b). Hallelujah!

Die beiden bisher besprochenen Aspekte der Bereitschaft zum Gekreuzigt-Werden stellen eher grundlegende, aber noch nicht an sich herausfordernde Kriterien dar. Sie bereiten erst den geistigen Boden, um in diesen dann sich selbst als das Samenkorn hinein zu säen – als das Samenkorn, das eben erst sterben muss, um Frucht bringen zu können (vgl. Johannes 12,24). Der nun dritte Punkt, der angesprochen werden soll, behandelt aber jetzt diesen eigentlichen Akt des Loslassens, die tatsächliche Bereitschaft, den Tod auf sich zu nehmen, und er zeigt sich besonders klar in der sogenannten ‚Bindung des Isaak‘ (oder ‚Opferung des Isaak‘, wobei aber ja die Opferung ISAAKs dann doch nicht stattfindet). Hier geht es namentlich um das Vertrauen auf die (rechtzeitige) Errettung des Wesentlichen beim Aufopfern des Besten, was man hat, für seinen Gott. Vertraue ich wirklich darauf, dass es ’sich lohnen‘ wird, wenn ich alles aufgebe, was ich bis hierher an Werten in meinem Leben angehäuft habe (so viel oder wenig es individuell auch sei; es ist eben ‚Alles‘)? Vertraue ich darauf, dass mein Gott es nicht zulassen wird, dass ich im Zuge dieser Opferbereitschaft etwas unwiederbringlich verschwinden lasse, das Ihm und damit auch meinem eigenen wahren Wesenskern noch dienlich sein kann? Oder stelle ich womöglich noch immer meine eigene, menschlich-beschränkte Perspektive über Seinen weisen Ratschluss und über das Vertrauen in Seinen besten Willen für mich? Hier entscheidet sich erst, ob ich wirklich bereit bin, das mir Wertvollste in der Welt (was es auch in diesem oder jenem Moment des Lebenslaufes gerade sei) hinzugeben, um dafür etwas erhoffen zu dürfen, das sich zwar VIELLEICHT auch in der Welt ZEIGEN wird, wenn der Ewige das so bestimmt, das aber selbst essentiell ’nicht von dieser Welt‘ ist und das mir deshalb als solches auch nicht innerhalb dieser Welt zuteil werden kann (als ‚Teil dieser Welt‘ also), sondern nur DURCH diese Welt (also ‚vermittels dieser Welt‘). Aber dafür muss ich eben dieser Welt ganz absterben, trotzdem mein Fleisch weiter in ihr und an sie gebunden ist, wie Isaak auf das Holz gebunden ist, wie unser Messias auf das Kreuz geheftet ist. Und die Erlösung wird sich darin zeigen, dass das Fleisch stirbt, aber der Geist auflebt. So sieht Abraham dann auch rechtzeitig den ‚Widder‘, mit seinem ‚Kopf im Dornengestrüpp‘ verfangen; unschwer zu identifizieren als den Vorschatten des Messias, des ‚Lammes Gottes‘, mit seinem ‚Haupt von den Dornen des Spottes seiner Mörder gekrönt‘. Abraham und Isaak sehen hierdurch, wie heute auch wir es sehen dürfen, dass da ein Größerer sich stellvertretend selbst hingibt, und somit zu UNSEREM Besten denjenigen Tod unschuldig auf sich nimmt, den WIR eigentlich verdient haben, den wir eigentlich auf uns nehmen müssen, auf dass wir so durch dieses Opfer jenes Größeren, aus reiner Gnade unseres Königs also, DENNOCH leben dürfen. Könnten wir nach diesem Anblick dann etwa noch allein FÜR UNS SELBST leben wollen?

Nach den bisher behandelten drei Beispielen aus der biblischen Vorgeschichte, den Berichten des sogenannten Buches Genesis, gehen wir nun zur zweiten Buchrolle der Thorah über und befassen uns dort mit dem Pessach-Opfer, dem wahrscheinlich bekanntesten Vorschatten des Kreuzestodes unseres Messias, zu dem im Rahmen des ‚Exodus‘ der Kinder Israels wohl entscheidendsten Ereignis überhaupt, wird hier doch ihr ultimatives Vertrauen auf ihren Gott verlangt und todernst geprüft, um dann mit der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens belohnt zu werden.

Es sollte hier wohl einmal umrissen werden, was es mit ‚Ägypten‘ in der Bibel grundsätzlich auf sich hat, und besonders, was mit der ‚Befreiung der Kinder Israels aus der Knechtschaft Ägyptens‘ auch heute noch für jeden Einzelnen gemeint ist, der sich die Bibel zu seiner individuellen Grundlage zu machen gedenkt.

‚Ägypten‘, das ist im Hebräischen ‚Mitzrajim‘, ein Wort, das man auf so vielfältige Weise übersetzen kann, dass hier nur anhand seiner Wort-Wurzel auf einige Aspekte verwiesen werden kann: ‚Tzar‘ ist die ‚Bedrängnis‘, aber auch die ‚Form‘ als ein Begrenzendes. Außerdem wird der ‚Fels‘ genauso geschrieben (und auch die phönizische Stadt ‚Tyrus‘ gelegentlich). Die Endung ‚-ajim‘ deutet traditionell auf einen sogenannten ‚Dual‘ hin, also auf eine ‚Beidseitigkeit‘, etwa im Sinne des ‚von beiden Seiten in der Form eingezwängt sein’s, oder noch allgemeiner auf das Prinzip von Dualität überhaupt, die Zweiheit, in die alles in der äußerlichen Welt zerfällt, will man es verstehen und analysieren. Für dies alles steht ‚Ägypten‘ in der Bibel. Und dass es außerdem mit ‚Knechtschaft‘, mit dem Gefangen-Halten des Gottesvolkes und mit Weltherrschaft assoziiert ist, macht es zu einem sehr prototypischen Bild für jegliche sogenannte ‚Hochkultur‘ oder ‚führende Zivilisation‘. Nichtsdestotrotz ist Ägypten als der ‚Schmelzofen‘ auch von einer gewissen Nützlichkeit im großen Plan des Ewigen, indem wir als das zu formende Volk dort erst zu einem solchen werden, und indem wir im Zuge des immer mehr und heftiger Geknechtet-Werdens mit der Zeit uns erst unserer Situation bewusst werden und nach Beistand und Errettung durch das Ewige zu schreien beginnen. Auch nehmen wir am Ende bei unserem Auszug aus Ägypten von dort allerlei ‚Gold und Silber‘ mit, aus dem dann in der Wüste die erste Wohnung Gottes unter den Menschen nach Anweisung des Ewigen gebaut werden wird. Ägypten hat also trotz allem seine Berechtigung im sogenannten ‚Heilsplan‘. Und trotzdem sollen wir Ägypten nicht dienen, nicht in Ägypten BLEIBEN (selbst wenn wir wie Abraham oder Josef zwischenzeitlich notwendigerweise von Gott selbst einmal dorthin geführt werden).

Allerdings, wenn wir erst mal ‚drin sind‘ in Ägypten, lässt uns Pharao nicht mehr freiwillig weg (Pharao ist natürlich ein Bild des Erzfeindes überhaupt, der die Gotteskinder erst – zu Josefs Zeiten – zu sich lockt und scheinbar gut versorgt, dann aber bald sein wahres Gesicht zeigt, wenn sich das Gottesvolk bereits all zu sehr in Ägypten ‚eingerichtet‘ hat und eigentlich schon gar nicht mehr weg will …). Und hier kommt dann das ‚Pessach-Opfer‘ zum Zuge, ohne das wir unmöglich dem endgültigen Gericht über Ägypten hätten entgehen können, nachdem dieses schon zuvor durch die vorangegangenen neun Schläge des Ewigen in Trümmer gelegt worden war.

Was lernen wir aus dem Pessach-Opfer? Für die Zwecke dieses Artikels wollen wir den Fokus auf einen bestimmten Aspekt legen. Das geforderte einjährige, makellose, männliche Lamm, Schaf oder Ziege, gibt Wolle und zeugt potentiell noch viele Nachkommen, von denen wiederum Wolle erzeugt wird und von den weiblichen sogar noch Milch. Das Opfertier hätte also lebendig einige Anreize, wäre wohl eine Quelle von materiellem Gut ein Leben lang: Nahrung und Kleidung würden direkt oder indirekt von ihm bezogen werden können, das sind die grundlegenden materiellen Bedürfnisse des Menschen. Dennoch hat dieses Tier nun in seinem Tod einen noch größeren Wert, gar einen Wert auf einer völlig anderen Ebene, welche gar nicht mit materiellen Gütern aufzuwiegen ist. Das vergossene Blut des Tieres nämlich dient nach Gottes Willen als einzig mögliches Mittel zur Errettung vor dem ‚Verderber‘, der durch Ägyptenland gesandt wird, um alle Erstgeburt zu töten. Es verkörpert sich also im Pessach-Lamm und seiner Opferung das Wissen, dass im Tod mehr erreicht werden wird, als in jeglichem ganzen Leben möglich wäre. Ein ähnliches Bild bietet im Buch der Richter übrigens auch Simsons ‚Selbstmordattentat‘ (Richter 16,30).

Ein weiterer Vorschatten des Kreuzes, der sich ebenfalls schon in der Thorah findet, der aber leicht als vermeintliche Nebensächlichkeit in den Hintergrund treten kann, wenn man ihn eben nicht als einen solchen Vorschatten des Großen Werkes begreift, soll im Folgenden einmal näher beleuchtet werden. Es handelt sich dabei um die des Öfteren (im Buch Levitikus) anzutreffende Empfehlung im Rahmen von Opfergaben-Anweisungen, die darzubringenden Bestandteile des Opfers ‚auf dem Holz zuzurichten‘. Was sich hierin ausdrückt, ist die wichtige Einsicht, dass erst die materielle Verwirklichung eines Vorsatzes von solcher Wirkung sein kann, dass auch tatsächlich der ‚Rauch aufsteigt zum lieblichen Geruch für den Herrn‘, das Opfer also in den Himmel zum Ewigen vordringt und es dadurch zu einer Wechselwirkung mit dem Ewigen kommen kann.

Denn die Formulierung ‚auf dem Holz‘ meint natürlich, neben der zunächst oberflächlichen, plastisch-praktischen Bedeutung, das zu Opfernde dem Feuer auszusetzen, welches mit besagtem Holz genährt wird, auch, dass das Dargebrachte eben in der Realität des ‚Holzes‘, des KREUZES, in der materiellen Welt mit all ihrer Schwere und Härte erscheinen muss. Es genügt niemals, ‚geistige Opfergaben‘ in einem abstrakten (und damit de facto illusionären) ‚Raum des Geistigen‘ darzubringen. Denn auch alles Geistige benötigt, wenn es mehr als ein flimmerndes Phantom sein will, das Materielle als Vehikel, in dem es erscheint. Der Zusammenhang von Geist und Materie war, ist und wird niemals ein oppositioneller sein, sondern stets ein ambivalenter, als eine Einheit bestehend aus ‚Innen‘ und ‚Außen‘, aus ‚männlich und weiblich‘. Und wer den Geist so verstehen will, dass dieser die Materie insgesamt überflüssig mache, der befindet sich bereits (bewusst oder unbewusst) auf einem unheiligen Feldzug gegen das Göttliche in dessen Dimension der Weiblichkeit, und in letzter Konsequenz dadurch im Krieg gegen die sogenannte ‚Shekhinah‘ selbst, gegen jede Art von göttlicher ‚Einwohnung‘ innerhalb der Schöpfung.

Daher wird der getreue Jünger unseres Messias darum bemüht sein, insbesondere auch die Empfehlungen des Jakobus-Briefes ernstzunehmen, allen ausgesprochenen Segenswünschen immer auch segnende TATEN mitzugeben. Gleichermaßen wird er sich selbst, als das eigentliche Opfer, das er bringen kann, nicht nur im Abstrakten und in schönen Worten, sondern so konkret wie möglich, durch persönliche Hingabe, darbringen: nämlich ‚auf dem Holz zugerichtet‘, das heißt, wirklich bereit, den Flammen ausgeliefert zu werden, um verzehrt zu werden dort auf den ‚Brettern‘, die eben tatsächlich ‚die Welt bedeuten‘. Die ganze eigene ‚Person‘, die Maske also, die man als diese Figur hier im Weltlich-Zeitlichen tragen muss, um wahrgenommen zu werden, gilt es wie in einem Theaterstück ganz den Wünschen des Regisseurs gemäß zu spielen; nicht irgendwelchen flüchtigen Gelüsten des Charakters entsprechend, den die Maske in dem gerade aufgeführten Stück am repräsentieren ist – sondern einzig und allein der ‚Story‘ dienend, wie sie dem Publikum zu vermitteln ist, um die ‚Katharsis‘ zu ermöglichen, die Läuterung als Ideal vor Augen zu stellen, das Erlösung verheißt. Und wir sind wieder beim Stichwort ‚gelebtes Gleichnis‘, das für den Himmel mehr wert ist, als der Lebenslauf selbst, der dieses Gleichnis am leben ist.

Kurzer Einschub: Für eine Menge von knapp gehaltenen, aber durchaus inhaltsschweren und oft sehr erbaulichen Untersuchungen alttestamentlicher Bezugnahmen auf das Kreuz Christi sei hier zuletzt mit einem Satz das Büchlein ‚Spuren zum Kreuz‘ vom Prediger Wilhelm Busch empfohlen (im Internet leicht als kostenloses PDF zu finden).

So. Nun gilt es aber dringlichst eines klarzustellen: Alles bisherige war im Grunde nur Theorie. Diese kann zwar erstaunliche Hilfe beim innerlichen Verdauen gewisser Realitäten leisten, ist aber am Ende dennoch wertlos, wenn sie nicht die Praxis mit sich bringt, von der die Mitmenschen etwas haben. Ohne die Liebe Gottes, die durch einen selbst an die Mitmenschen weitergegeben wird, bleibt das ‚Kreuz-auf-sich-Nehmen‘ eine sinnlose Selbstgeißelung, gar ein greulicher Götzendienst, bei dem wiederum nur das eigene Ego, und wenn auch in neuer, verzerrter Gestalt, auf den Thron gesetzt worden ist.

Bin ich also im Vertrauen auf meinen König und seine Kraft und Macht so weit gefestigt, dass ich hinreichend in mir selbst ruhe, dann habe ich die Kapazität, alle weitere Kraft, die mir von Ihm zufließt, da hinein zu leiten, nun wirklich an mir selbst arbeiten zu lassen. Das heißt, dass von da an keine Ausreden mehr greifen können, nach dem Motto ‚dieses oder jenes bindet meine Kräfte zu sehr, als dass ich hier und dort noch weiteres erreichen könnte‘. Denn solches sind die Argumentationen des Alten Menschen, der ohnehin absterben muss, dem nicht mehr nachgegeben werden darf. Der Neue Mensch dagegen, der sich zunehmend Ausdruck verleiht in mir, stellt alle seine freien Ressourcen in den Kampf gegen diesen Alten Menschen, um auszutreiben, was dem Tempel des lebendigen Gottes nicht würdig ist, was nicht dem Wesen unseres Himmlischen Königs und geliebten Messias entspricht. Und genau DIESER Kampf des Neuen gegen den Alten Menschen ist es dann eigentlich erst, der das tatsächliche ‚Auf-sich-Nehmen des Kreuzes‘ kennzeichnet.

Was sind nun einige typische ‚alt-menschliche‘ Charakterzüge und Verhaltensweisen, die so dringend durch die Reinheit unseres Meisters ersetzt werden müssen?

Wenn auch wohl gemeinhin mit dem an sich freilich sehr fragwürdigen Katholizismus assoziiert, sind doch die sogenannten ‚7 Todsünden‘ als klassische Beispiele für solcherlei Charakterzüge unbedingt einmal zu nennen: Hochmut/Eitelkeit, Habsucht/Geiz, Lüsternheit/Genusssucht, Jähzorn/Rachsucht, Maßlosigkeit/Völlerei, Eifersucht/Missgunst, Faulheit/Trägheit. Allesamt die Entgleisungen (in die eine oder andere Richtung) von sieben göttlichen ‚Tugenden‘ oder Charakterzügen: Selbstzufriedenheit, Vorsicht, Wonnebereitschaft, Gerechtigkeitsempfinden, Hingabe, Eifer, Gelassenheit. Wer ehrlich zu sich selbst ist, sollte genug von den besagten Entgleisungen dieser Sieben bei sich in der Seele finden, sofern er noch nicht völlig der Welt abgestorben ist. Manch eine dieser krummen Eigenschaften mag sich geschickt zu tarnen schaffen, wenn ich nicht allzu ambitioniert nach derlei dunklen Flecken in mir Ausschau halte – aber bei eingehender Selbstbetrachtung werde ich mich nicht endlos täuschen können und früher oder später wahrscheinlich in jedem dieser sieben Bereiche etwas in mir finden, das eindeutig noch nicht mit den Wesenszügen des Christus übereinstimmt.

Weil nun aber diese sieben Begriffe so ideologisch vorbelastet und für viele wohl auch pseudo-moralisch aufgeladen sind, empfiehlt es sich vielleicht, einmal auch konkretere Beispiele anzusprechen, die letztlich alle irgendwie unter eine dieser sieben Kategorien untergeordnet werden könnten, wenn man ein Freund von schematischer Systematisierung ist.

Da wäre zum Beispiel: das Vergeben-Können. Wie viele Menschen hadern ihr Leben lang mit Dingen, die an ihnen nagen, die sie zwar gar nicht ’selbst verschuldet‘ haben, sondern die ihnen widerfahren sind, die sie aber dann im Nachgang als unzulässige Ausreden für dieses oder jenes Verhalten, für diese oder jene wenig hilfreiche Angewohnheit oder Sichtweise auf die Welt und die Mitmenschen missbrauchen. Und wie vieles würde erlöst werden in uns selbst, könnten wir dann dem (wenn auch vielleicht nur vermeintlichen) Verursacher der betreffenden Geschehnisse vergeben?! Aber so einfach sich das abstrakt vermuten lässt, so schwer ist es dann oft in der Umsetzung. Was dabei dann die genauen Hindernisse sind, mag ganz unterschiedlich sein: falscher Stolz, Rachsucht, Selbstmitleid oder sogar bloße Trägheit, ein Thema endlich gedanklich anzugehen, Gewohnheiten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu überwinden. Überhaupt: Gewohnheiten ändern zu wollen ist etwas, das uns (Alten) Menschen gar nicht leicht fällt. Wohlgemerkt: Erst einmal ist hier nur die Rede vom Ändern-WOLLEN! Der primäre Entschluss ist es oft schon, zu dem man sich nicht einmal hinreißen kann. Denn wir müssten dazu oft unsere bisherigen Fehleinsichten korrigieren – korrigieren LASSEN. Und das geht uns wiederum an den sogenannten Stolz, oder es scheitert einfach an der Trägheit unseres Herzens.

Grundsätzlich scheint uns sehr häufig einfach ein gewisser Antrieb zu fehlen, Dinge endlich anzugehen, die uns nicht von der Welt um uns herum abverlangt werden, sondern die uns eben unser Gott empfiehlt, und für die die besagte Welt um uns herum oft im Gegenteil gar kein Verständnis hat, uns womöglich noch misstrauisch anguckt, wenn wir ihr in einer solchen Sache aufzufallen beginnen … ‚Einsatz zeigen‘ ist also etwas, das wir in Fragen unseres Wandels mit dem Messias jeden Tag aufs Neue WOLLEN müssen, aus uns selbst heraus. Die Umwelt wird uns dazu nicht sonderlich antreiben. Höchstens unser Vater im Himmel, VERMITTELS unserer Umwelt, wenn er uns aus Liebe züchtigt. Jedoch, leichter haben wir es eigentlich, wenn wir schon vorher dran denken …

Ein weiteres wichtiges Themenfeld in unserer hektischen Jetzt-Zeit ist sicherlich, sich in jeglicher Hinsicht in Geduld zu üben, sich auch nicht reizen oder gar provozieren zu lassen von Kräften, die uns aus der Reserve locken möchten, um uns wieder der Welt anzugleichen. Wie leicht fühlen wir uns doch ‚berechtigt‘, wütend zu werden, gehässig zu sein, sarkastisch oder zynisch zu reagieren … und merken dabei nicht, wie die Falle des Feindes wieder zugeschnappt hat. Denn der uns da gereizt und verführt hat, solches Verhalten zu zeigen, das war nur in seeehr begrenztem Maße der jeweilige Mensch, über den uns diese Prüfung in dem Moment dann erreicht hat, uns gestellt wurde … nein, wie immer war auch hier dieser Mensch nur das unwissende Handpüppchen des ewigen SCHLEIFSTEINES, des sogenannten ‚Feindes‘, dem wir uns selbst ausgesetzt haben, indem wir uns nicht voll und ganz an unseren Gott gehalten haben. So ließ dieser unser Gott uns in die Versuchung hinein rennen, uns zu prüfen und mal wieder vor Augen zu führen, wo wir erst stehen.

Machen wir uns solcherlei Situationen, wenn sie uns auch immer mal wieder überrumpeln, dann aber konsequent bewusst, so können wir mit der Zeit und mit der Hilfe unseres Vaters im Himmel immer öfter von unserer kurzsichtigen und völlig unangebrachten Überheblichkeit ablassen, insbesondere auch von jener Überheblichkeit, die schon lange gar nicht mehr äußerlich ausgelebt wird, sondern sich um so geschickter und teuflischer innerlich verbarrikadiert hat, sich in Trotz und Stolz eingehüllt hat, und aus dem Verborgenen heraus in unser Verhalten und vor allem in unser Denken und Bewerten eingreift. Gestehen wir uns diese erbärmliche Überheblichkeit ein, und wenn auch wieder erst, nachdem wir hart vom Vater gezüchtigt worden sind wegen ihr, dann lernen wir von Christus nach und nach, wie wir diese unnütze Denkfalle von vorneherein vermeiden können. Hätte nicht Jeschua so viel mehr vermeintliche Gründe gehabt als wir, überheblich gegenüber der ganzen Mitmenschenwelt zu empfinden? Aber was tat sich in Ihm stattdessen? Mitgefühl, Er litt mit ihnen allen, die Ihn in ihrer Verblendung hassten und ablehnten, bat auch für sie um Vergebung. Und wenn Er etwas gegen jemanden vorzubringen hatte, dann tat Er es in eiferndem Zorn, ohne die Kontrolle zu verlieren, und dennoch mit Vollmacht und gewaltigen Worten und zeichenhaften Handlungen! In sich selbst hinein gefressen hat unser König nichts, im Zweifelsfall hat Er es in der Einsamkeit seiner Gebete dem Vater im Himmel vorgetragen und bei Ihm die Kraft getankt, die ihm die unverständigen Mitmenschen vielleicht ständig am entziehen waren. Aber diesen Menschen hätte Er das niemals vorgeworfen. Im Gegenteil: Es war ja seine Mission, sich selbst ganz hinzugeben – wieso hätte Er also mit irgendwem hadern sollen, der sich da so an Ihm labte, und wenn auch auf Seine Kosten?!

Am Ende gilt es deshalb, ein so umfassendes Wohlwollen allen unseren Mitmenschen gegenüber zu entfalten, wie es unser König vorgelebt hat, als Er hier mit uns auf Erden im Fleisch gewandelt ist. Ein Wohlwollen, das nicht mehr unterscheidet zwischen mir und ‚den anderen‘, nur noch zwischen verschiedenen Perspektiven auf ein und das selbe: auf das Leben in dieser gefallenen Welt, als gefallene Menschen im Fleisch; ein Leben, das dem Untergang geweiht ist, insofern es nicht über sich selbst hinaus zu weisen schafft.

Abschließend seien nun am Beispiel des Kreuzestodes unseres Messias noch zwei sehr schwierige Prüfungen betrachtet, die uns jederzeit als Seine Jünger (in mehr oder weniger dramatischer Ausprägung) erwarten können, und die Er am Kreuz sterbend in so besonders erschütternder Weise gemeistert hat. Das ist erstens: die eigentlich verdiente Strafe für seine Geliebten an deren Stelle SELBST zu tragen, um ihnen diese Last abzunehmen; und zweitens: der kommenden Generation zuliebe, selbst im Fleisch das Ziel, für das man kämpft, nicht mehr erreicht sehen, sich selbst also völlig für die Sache aufzugeben, ohne Gewissheit, in dieser Welt noch den Sieg erleben zu dürfen (oder gar mit der ausdrücklichen Gewissheit, diesen Sieg keinesfalls mehr in dieser Welt erleben zu können).

Diese zwei Prüfungen verkörpern sich nun beim Kreuzestod Jeschuas in zwei bestimmten Bezügen zur Heiligen Schrift.

Die erste Thematik entspricht dem sogenannten ‚Eifersuchtsfluch‘ aus der Thorah (Numeri 5,11-31), einem Ritus, bei dem ein Kelch mit ‚bitterem, verfluchtem Wasser‘ ganz spezifischer Anmischung (Verse 17-24) einer mutmaßlich ehebrecherischen Frau zu trinken gegeben wird, um dadurch herauszufinden, ob der Fluch (‚Hüfte soll schwinden, Bauch soll anschwellen‘, siehe Vers 21) sie aufgrund ihrer Schuld treffen wird, oder ob sie doch unschuldig ist und daher unbeschadet aus der Prüfung hervorgeht. Jeschua nimmt nun für uns die Rolle eines solch barmherzigen Ehemannes ein, der diesen Kelch ANSTELLE seiner Frau trinkt, und das trotz der Gewissheit, dass der besagte Fluch wirksam werden wird, weil seine Braut (= WIR, die Gemeinde, das Volk Israel) ganz offensichtlich (mit all den Götzen) herumgehurt hat. Und so geschieht es dann am Kreuz in der Tat, dass Jeschua eben besagten ‚Kelch trinkt‘, da dieser nach dem Willen des Vaters nicht ‚an ihm vorüber gehen‘ soll (wie zunächst von Jesus erbeten im Garten Gethsemane, mit der Einschränkung, dass aber nicht Sein Wille, sondern allein der Wille des Vaters geschehe, siehe Lukas 22,42, Matthäus 26,39), und dass ihn dadurch der Fluch im Zuge der Kreuzigung auch ganz anschaulich trifft: Denn durch einen bestimmten physiologischen Mechanismus kommt es dazu, dass im Laufe einer Kreuzigung der Bauch des Gekreuzigten scheinbar anschwillt, weil unter anderem seine Lunge sich mit Wasser, Blut und sonstiger Körperflüssigkeit vollsaugt, und durch das hierdurch zunehmende Eigengewicht immer weiter absinkt im Brustkorb, und sich die Organe des Oberkörpers dadurch zunehmend zusammengedrückt im Bauchbereich bündeln und dort durch die Bauchhaut nach außen drücken, an dieser einzigen Stelle des Oberkörpers, wo keine Knochenstrukturen ein solches Anschwellen nach Außen verhindern können. Dass auch scheinbar ‚die Hüften schwinden‘ bei der Kreuzigung, ist vielleicht dadurch zu erklären, dass auf den Hüften alle Last liegt, um die Körperspannung so weit aufrecht zu erhalten, dass die Lunge noch ein wenig arbeiten kann. Und weil die mit einem Nagel durchbohrten Füße noch dazu durchgängig heftige Schmerzkrämpfe die Beine hoch senden, dürfte die Kontrolle über die Hüftmuskulatur zunehmend schwierig sein und letztlich vollkommen zusammenbrechen.

Bei der zweiten genannten Prüfungs-Thematik geht es dagegen um ein gewisses Naturgeschehen, das so faszinierend perfekt eine Analogie zur Selbstaufopferung des Messias am Kreuz für seine ‚Kinder‘ darstellt, dass es höchstwahrscheinlich seinen Niederschlag auch schon im berühmten prophetischen Psalm 22 findet: Nämlich der Lebensweg des Muttertieres der sogenannten Kermes-Schildlaus, eines kleinen rotfarbenen Wurmes, der sich an einen Baum (also an ein HOLZ) begibt, sich dort festmacht, dass er nicht mehr loskommt (also wie ‚festgenagelt‘ ist), und dort seine Eier zwischen sich und den Baum legt, an den er nun untrennbar gekettet ist bis zu seinem Tod, und seine Kinder so quasi ‚in sich‘ schlüpfen lässt; und der dann auch tatsächlich SELBST diesem Nachwuchs als Nahrung dient, indem sich die Neugeschlüpften von der Körpersubstanz (quasi dem ‚Fleisch und Blut‘) des Muttertieres ernähren (sonst könnten sie nicht LEBEN), während dieses Muttertier irgendwann am Baum klebend stirbt, und die Kinder – in die charakteristische rote Farbausscheidung (also sozusagen in das ‚Blut‘) des Muttertieres getränkt – aus dem Leib ihres Muttertieres hervorgehen als die neue Generation, ‚das neue Geschlecht‘.

Zusammenfassend können wir noch einmal über die Symbolik des Kreuzes festhalten: Für den Nachfolger des Messias, der wie Er sein Kreuz auf sich nehmen soll, geht es darum, die Grausamkeit dieses Kreuzes gerade dadurch zu einem Heil(en) werden zu lassen, dass er selbst das vervollständigende Fünfte ist, die Eins gegenüber der Vier und gleichzeitig als Einheit MIT der Vier. Denn alles Schlechte und Böse, das der Einzelne als solches wahrzunehmen vermag, ist ’nur‘ aus seiner beschränkten Sicht ’nicht gut‘. Er selbst kann aus sich heraus nicht wissen, wie es sich vor dem Hintergrund des Ganzen darstellt. Doch im Bilde des Messias und des Großen Werkes am Kreuz haben wir den Hinweis, dass selbst das Grausamste in Gottes Plan ein Heilsgeschehen sein kann für die, die Seinen Empfehlungen folgen, die Seinen Zusagen vertrauen.

Die Essenz des individuellen Ganges zum Kreuz ist in jedem Fall: Der Kampf tobt, und zwar vom Moment des Entschlusses zur UMKEHR aus dem Leben dieser Welt an, der Kampf zwischen Altem und Neuem Menschen, zwischen dem ‚Fleisch‘ und dem neugezeugten Gotteskind, jenem erstmals wahrhaft Geistigen im Erdenmenschen. Und dieser Geist muss das ‚Fleisch‘, die alte Seele des gefallenen Menschen, Zug um Zug überwinden. Um jeden Preis. Denn Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht erben. Aus diesem (Hin-)Einleben des frisch gezeugten Geistes zunächst in das Seelische und letztlich bis in das Leibliche des betreffenden Menschen hinein besteht der gesamte Rest des ‚Lebens im Fleisch‘ für ein jedes Kind Gottes. In diesem Kampf wird dann in der Tat der Messias in jedem einzelnen seiner Jünger mehr und mehr erhöht, indem Sein Wesen sichtbar und erfahrbar wird in seinen Brüdern und Schwestern, die Ihm mit allem, was sie haben, nachstreben.

Trotzdem man also ‚in der Welt‘ bleibt, in dieser Welt Wirkung zu entfalten gedenkt, ergibt sich die Freude und der innere Frieden NICHT (mehr) aus den Verhältnissen dieser Welt, sondern allein aus einem innerlichen Gefestigtsein in dem Bewusstsein des eigenen, individuellen Verhältnisses zur Welt, und zur diese Welt hervorbringenden Ewigkeit, ‚Über-Zeitlichkeit‘, die eben auch in jedem kleinsten Teil dieser zeitlichen, vergehenden Welt mit-enthalten, anwesend ist für den, der diese Welt als solche ‚überwunden‘ hat, dadurch ‚durch sie hindurch schaut‘ – sie DURCHSCHAUT.

Deswegen: Immer wieder der Blick auf den Gekreuzigten, auf unseren König und Gott!

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