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Taufe

12. März 2017

Die Wassertaufe als Symbol und Bekenntnisakt

Die ‚Taufe im Namen Jesu Christi‘ ist einer der wohl bekanntesten äußerlichen Bekenntnisakte, und gilt nicht unverdient als wohl wichtigster Bekenntnisakt. In wie fern dies auch aus der Schrift zu rechtfertigen ist, soll im Folgenden geprüft werden, anhand unterschiedlicher Betrachtungsweisen.

Zuerst: Schon in der Apostelgeschichte, den Berichten von den Erlebnissen und Gepflogenheiten der ersten ‚christlichen‘ Gemeinschaften, ist von der Wassertaufe als einem äußerlichen Bekenntnisakt die Rede. Statt findet diese Taufe in der Regel dann konkret zu Beginn der Beteiligung an der Gemeinschaft derjenigen, die sich als die ‚Nachfolger des neuen Weges‘, bzw. als Nachfolger des Messias Jesus begreifen. Beispiele in den Berichten der Taten der Apostel finden sich an den Stellen Apostelgeschichte 2,38; 8,16; 8,31; 10,48; und in besonderer Akzentuierung in Kapitel 19,1-7, wo der Unterschied zwischen der ‚Taufe des Johannes‘ (= nur ein Ritual als äußere Begleitung der innerlich erfolgenden ‚Umkehr‘) und der ‚Taufe auf den Namen Jesu Christi‘ (= zur Teilhabe, oder als Symbol dieser Teilhabe, am ‚Geist der Heiligkeit‘, nach der bereits erfolgten Umkehr).

Die Symbolik des ‚Getauftwerdens‘ wird dann auch in den Briefen des Paulus mehrmals angesprochen und näher ausgeführt. In Römer 6,3-6 heißt es besonders ausführlich (in der recht wörtlich gehaltenen Elberfelder Übersetzung): ‚Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein; da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.‘

Und in seinem Schreiben an die Christusgläubigen in Galatien: ‚Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.‘ (Galater 3,27) Und noch einmal nimmt er auf die Tauf-Symbolik Bezug im ersten Korintherbrief: ‚Denn in EINEM Geist sind wir alle zu EINEM Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit EINEM Geist getränkt worden.‘ (1. Kor 12,13)

Die entscheidenden Aspekte, die aus den Paulus-Zitaten hervorgehen, sind also: Identifizierung des Getauften mit dem Tod Christi, um dadurch auch mit Ihm ein ganz neues Leben zu führen; mit Christus ‚bekleidet zu werden‘, wodurch man also dann ‚in Christus‘ ist, in der lebendigen Thorah wandelt; Einfügung des Getauften in die Gemeinschaft der Gläubigen, die von dem EINEN gemeinsamen Geist erfüllt sind, wodurch der Einzelne also in den ‚EINEN Leib‘ integriert wird, von nun an lebendiges Glied dessen ist.

Als ein archetypisches Bild ist nun Wasser allgemein mit dem Begriff von ‚Zeitlichkeit‘ verknüpft. Besonders fließendes Wasser erinnert den Menschen scheinbar instinktiv an den ständigen (Ver-)Fluss seiner Lebenszeit, den ständigen Wandel der Verhältnisse und an die Unumkehrbarkeit dessen, was bereits ‚verflossen‘ ist. Dieser Gesichtspunkt des Wassers kann auch im Bezug auf die Taufe gesehen werden: In der Welt der Zeitlichkeit ist es, wo der Gläubig-Gewordene (wie sein Messias auch, der extra dafür in die Zeitlichkeit getreten ist) sterben muss, um dann aus dieser Zeitlichkeit heraus aufzutauchen, sich über diese Zeitlichkeit zu erheben in Richtung der Ewigkeit.

Ein weiterer wichtiger, in der Schrift auch gut belegter Aspekt der Wasser-Symbolik liegt in der Rede vom ‚lebendigen Wasser‘ als der Lehre des Messias und als der Trank, der ewiges Leben verleiht (Johannes 4,6-15; 7,38).

Typischerweise wird eine Wassertaufe nun auch in ‚lebendigem‘ Wasser (dies die alttestamentliche Formulierung für ‚fließendes‘ Wasser) vollzogen; oft mit der Assoziation, dass durch den Fluss des Wassers erst ‚das alte Leben‘, bzw. ‚die Sünden‘ abgewaschen, mitgerissen und somit fortgespült werden.

Ein damit zusammenhängendes Motiv kann man in der biblischen Sintflutgeschichte erkennen, wo ebenfalls durch flutendes Wasser das ‚Böse‘ von der Erde vertilgt wird. Hierzu schreibt entsprechend auch Petrus in seinem ersten Brief: ‚[…] als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs Wasser hindurchgerettet wurden. Das Abbild davon errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe – nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen – durch die Auferstehung Jesu Christi.‘ (1. Petrus 3,20f) Man legt also nicht selbst, aus eigener Kraft die ‚Unreinheit des Fleisches‘ ab, sondern bittet Gott darum, sie einem zu nehmen. Und er wird es tun, wie er es mit der Sintflut für die ganze Erde getan hat.

In der Lebensgeschichte der sogenannten ‚Patriarchen‘ des Volkes Israel – Abraham, Isaak und Jakob – findet sich dann ein weiterer Vorschatten des Tauf-Geschehens des Erneuerten Bundes: Der Kampf des Jakob mit ‚dem Mann‘ an der Jabbok-Furt (Genesis 32,24ff), in dessen Folge unser Vater Jakob erst seinen neuen Namen ‚Israel‘ verliehen bekommt und damit die ‚Patriarchen-Erzählungen‘ erst zu dem werden können, was sie heute sind; zur Lebensgeschichte der Erzväter des Volkes ISRAEL. Dieses Geschehen am Fluss Jabbok gestaltet sich bekanntlich derart, dass Jakob allein zurückbleibt, nachdem er seine Familie mitsamt seiner Habe bereits über den Fluss geleitet hatte. Und wie ‚aus heiterem Himmel‘ geschieht es dann, dass ‚ein Mann mit ihm am ringen ist bis zur Morgenröte‘ (Vers 32). Und das Ergebnis dieses Kampfes, der mit einer Art ‚Unentschieden‘ ausgeht, ist dann, dass der ‚Mann‘ (= offensichtlich kein ‚Mann‘ aus Fleisch und Blut, sondern eine Art himmlisches Botenwesen, über dessen genaue Natur und Identität in der Tradition immer wieder spekuliert wird) Jakob segnet und ihm den Namen ‚Israel‘ verleiht (Vers 28) mit der Begründung, dass Jakob ‚mit Göttern (oder ‚mit der Gottheit‘) und mit Menschen gekämpft und bestanden‘ habe (offensichtlich eine Anspielung auf eine der vielen Bedeutungsnuancen des Hebräischen Wortes ‚Jissrael‘ oder ‚Jischrael‘, bzw. J-Sch-R-A-L; ~ ‚er bekämpft die Gotteskraft‘). Außerdem ’schlägt er Jakob auf die Hüfte‘, wodurch Jakob dann ‚hinkt‘ (siehe Verse 25 und 31). Zusammenfassend lässt sich vor dem Hintergrund der Tauf-Symbolik nun also sagen: Jakob überquert ein fließendes Gewässer, bringt zunächst sein weltliches Gut hinüber, und bleibt allein zurück, gerät dann in einen Kampf mit einer himmlischen Gestalt, im Verlaufe dessen er an seiner ‚Hüfte‘ (häufig ein Euphemismus für den ‚fleischlichsten‘ Teil des menschlichen, besonders des männlichen Fleischesleibes …) geschlagen wird, wodurch diese Stelle seines Fleisches (also symbolisch sein Fleisch insgesamt) geschwächt wird, was sich bis in seinen Wandel hinein sichtbar ausdrückt (‚hinken‘). Und dadurch wird er mit einem ’neuen Namen‘, also einem neuen WESEN ausgestattet und legt damit die Grundlage für das ‚Eigentumsvolk Gottes‘, dessen Urvater er sein wird. In ähnlicher Weise wird für uns heute die Taufe Jesu Christi ein Hinüberschreiten über das ‚Fließen des Wassers‘ (Verfließen der Zeitlichkeit des materiellen Lebens) sein, um auf die andere Seite ans ‚Trockene‘ (in die ‚Ewigkeit‘) zu gelangen; diesen Weg allein gehend (ohne unsere weltliche Habe, ein jeder für sich selbst), dabei ‚einen Kampf kämpfen‘ müssend, der in der ‚Schwächung des eigenen Fleisches‘ endet und uns bereit macht, ein ’neues innerstes Wesen‘ zu empfangen, das uns ‚zu einem Teil des Volkes Gottes‘ (Israels) macht.

Den Geschichtsberichten der Thorah nach der Sintflut und den Patriarchen-Erzählungen weiter folgend, gelangt man im zweiten Buch Mosis dann an die Erzählung des Passah-Ereignisses (ab Kapitel 12), also an den Bericht von der Befreiung der Kinder Israels aus dem sie knechtenden Ägyptenland durch die mächtige Hand ihres Gottes. An die erste Flucht aus dem Reich Ägyptens schließt sich dann eine Verfolgungsjagd in der Wüste an, im Verlauf derer die Israeliten auf wundersame Weise im Trockenen durch das sogenannte ‚Schilfmeer‘ ziehen, die ihnen nachjagenden ägyptischen Streitwagen aber in den wieder zurückkehrenden Fluten zu Tode kommen (Kapitel 14+15). Auch in dieser Begebenheit also trennt eine reißende Wasserflut das ‚Böse‘ vom Guten ab und vernichtet es, um dem Guten ein neues Leben, frei von dem Bösen, zu ermöglichen. Interessant zu erwähnen ist hierbei noch, dass das ‚Schilfmeer‘ im Hebräischen der Bibel ‚Jam Suph‘ genannt wird, was identisch geschrieben ist, wie ‚Jam Soph‘, was ‚Meer des Endes‘ bedeuten würde.

Ein weiterer Reflex dieser Symbolik des ‚Durchs-Wasser-Gehens‘ zeigt sich dann rund 40 Jahre später, beim Zug der Kinder Israels durch den Jordan-Fluss (Hebräisch ‚Jarden‘, ‚Hinabsteigendes‘) unter Jehoschua (siehe das Buch Josua Kapitel 3 und 4), als sie ‚gegenüber von Jericho‘ erstmals das ‚Verheißene Land‘ erreichen. Diesmal müssen keine (äußeren) Feinde mehr abgeschüttelt werden, sondern es muss lediglich das Vetrauen bewiesen werden, dass die ‚Lade des Bundes‘, mit dem Zeugnis der Worte Gottes darin, die Wasser (also die ‚Zeitlichkeit‘) so lange aufhält, bis die Israeliten ‚im Trockenen‘ (= vermittels des Ewigen) diese Grenze zum ‚Gelobten Land‘ überquert haben. Und direkt im Anschluss kommt es dann (in Kapitel 5 des Buches Josua) zur kollektiven Beschneidung der Kinder Israels; also wird nun im Anschluss an diese Art der Taufe ‚das eigene Fleisch‘ beschnitten, das heißt: das eigene Fleischliche wird nun auch ‚tatkräftig‘ begrenzt.

Bekannt ist das Untertauchen in Wasser dem Volk Israel auch schon als rituelles Bad (heute genannt eine ‚Miqweh‘) im levitischen Ritus, das als ein Reinigungsritual dient, wenn sich ein Mensch ‚kultisch verunreinigt‘ hat, bzw. wenn er unverschuldet verunreinigt wurde (zum Beispiel im Falle der Berührung eines Toten, nach der monatlichen Ausschwemmungs-Blutung der Frau und nach einem außer-verkehrlichen Samenerguss des Mannes; letztere beide sind körperliche Vorgänge, die jeweils mit einem ‚ins-Nichts-Gehen‘ von Reproduktions-/Lebenskraft einhergehen, und dadurch ebenfalls mit dem Tod assoziiert sind).

Und da der Mensch als gefallenes Wesen in einer gefallenen Schöpfung ständig in Kontakt mit dem Tod kommt, welcher aus göttlicher Perspektive das Leben grundsätzlich bedroht und das Lebendige ‚verunreinigt‘, ist es wohl naheliegend, dass das Untertauchen in Wasser, die ‚Miqweh‘ oder ‚Taufe‘, auch für denjenigen Propheten, den wir heute ‚Johannes den Täufer‘ nennen, bildhaftes Mittel seiner Berufung ist, um die Menschen in ihrer Umkehr aus ihren toten Werken zurück zum göttlichen Leben zu unterstützen. So gipfelt Israels Bekanntschaft mit dem Prinzip der Taufe also in der berühmten Jordan-Taufe des Messias Jeschua durch besagten ‚Täufer‘.

Und wie sich da der Geist Gottes, ‚wie eine Taube‘ auf ihm niederlässt, so sollen auch wir als seine ‚Jünger‘ (= Lehrlinge) in möglichst jeder Hinsicht seinem Beispiel folgen – also sollen auch wir ‚im Wasser getauft‘ werden und ‚den Geist Gottes empfangen‘. Nur folgerichtig deshalb, dass dies auch noch einmal als ausdrückliches Gebot vom Messias an seine engsten Vertrauten gerichtet wird: als der sogenannte ‚Taufbefehl‘ (siehe Matthäus 28,18-20; Markus 16,15f), der dann im Wirken der Apostel zur ersten Entfaltung gelangt. Und das tatsächliche Unter-Wasser-Tauchen der ‚Neubekehrten‘ ist dabei selbstverständlich ’nur‘ die allerletzte Besiegelung im äußerlichen Ritual – das eigentlich Entscheidende findet, wie in diesem Artikel umrissen, schon vorher, auf dem Weg dorthin statt, im Inneren des Einzelnen in Gestalt der geistigen Prozesse, welche durch die Taufe selbst dann nur noch ’nach Außen‘ symbolisiert werden, als ‚Zeugnis für alles Fleisch‘ (nicht zuletzt auch für das eigene).

 

 

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