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16. Dezember – Die eigentliche ‚Einweihung‘: Von der Seele zum Geist

16. Dezember 2014

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.

Dieses war im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was entstanden ist.

In ihm war Leben, und das Leben ward das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Die sogenannte ‚Erweckung des Lazarus‘, mit der sich die letzten Tage über im Johannes-Text beschäftigt wurde, muss zunächst in all ihrer Tiefe verstanden werden, wenn man jetzt vom vorbereitenden seelischen Schulungsweg zum eigentlichen Mysterium, dem geistigen Einweihungspfad des Urchristentums übergehen will. Es handelt sich bei dieser ‚Erweckung des Lazarus‘ nämlich gerade um die Erweckung dessen, ‚den Jesus lieb hat‘, der später als der ‚Jünger, den der Herr lieb hat‘ an Jesu Brust liegt beim Abendmahl und der unter dem Eingeweihten-Namen ‚Johannes‘ dann auch der Erzähler dieses ‚Evangeliums nach Johannes‘ ist. Die ‚Erweckung des Lazarus‘ also ist zu verstehen als die durch den Christus Jesus selbst, in aller Öffentlichkeit vollzogene Mysterien-Einweihung desjenigen Jüngers, der später als der ‚Heilige Johannes‘, als der Apostel Johannes bekannt werden sollte – und diese Einweihung wird also erzählt von Johannes selber.

Wir befinden uns damit heute am Übergang von den Seelenübungen zu den Geistesübungen; während bisher lediglich der Humus bereitet, die ‚Seele geläutert‘ wurde, kann jetzt endlich der eigentliche Same gesät werden, der geistige Same Christi, der in seiner Selbstaufopferung für das Höchste besteht, in Leiden, Sterben und Auferstehung des Menschensohnes. In diesem Bewusstsein lese man den folgenden Abschnitt des Textes, bevor morgen dann der Prozess der Einweihung endlich beginnen wird, der Weg zur Einswerdung im Geiste mit dem Schicksal und der Mission Jesu Christi, durch ein Nachvollziehen des Martyriums von Golgatha mit allen Schichten der eigenen Seele.

20Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.

21Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.

22Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen’s Jesus weiter.

23Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

25Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.

26Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

27Jetzt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.

28Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.

29Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet.

30Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.

31Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.

32Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

33Das sagte er aber, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

34Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?

35Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht.

36Glaubt an das Licht, solange ihr’s habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen.

37Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn,

38damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte: »Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?«

39Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesagt:

40»Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich ihnen helfe.«

41Das hat Jesaja gesagt, weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm.

42Doch auch von den Oberen glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, um nicht aus der Synagoge ausgestoßen zu werden.

43Denn sie hatten lieber Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott.

44Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.

45Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.

46Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

47Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

48Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.

49Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.

50Und ich weiß: sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

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