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13. Dezember – die Tugend des Ernstes

13. Dezember 2014

Im Urbeginn war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war von göttlichem Wesen.

Dasselbe war im Urbeginn bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was entstanden ist.

In ihm war das Leben, und das Leben wurde das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.

Mit der zweiten Christlichen Tugend, dem ‚Ernst‘, ist nun etwas gemeint, das sowohl Selbstzucht als auch Hingabe in sich vereint: die religiösen Übungen sollen als Werkzeug empfunden werden, nicht als ‚angenehme Freizeitbeschäftigung‘ oder als ‚regelmäßiges Entspannungsritual‘ – nicht ergötzen soll man sich an der Ekstase des Gebets, sondern streng mit sich soll man sein. Die Übungen sind wie eine lebenswichtige Routine durchzuziehen, in möglichst bewusster Betrachtung dessen, was man da gerade tut. Wie wäre es zum Beispiel mal mit der spontanen Ambition, Tag für Tag vor dem Schlafengehen geschlagene 12 Minuten lang in aufrecht sitzender Position leise sprechend das obige Eröffnungs-Mantra zu wiederholen? Und man vollziehe dies wie eine Muskeln aufbauende Leibesübung, im Grundsatz monoton, aber doch in lebendigem Rhythmus, immer wieder die gleiche Handlung ausführend, nicht zum Spaß an der Handlung, sondern für einen langfristigen Effekt, der sich aus der rhythmischen Regelmäßigkeit ergibt.

Den heutigen – wieder recht kurzen – Abschnitt des Johannes-Textes lese man in dem Bewusstsein, dass es für die Verwirklichung des Christus-Mysteriums – in der Welt wie im einzelnen Menschen – und für die Verherrlichung Gottes im Menschen immer auch notwendig ist, im Physischen durch Krankheit und Tod zu gehen. Und Krankheit und Tod sind selbst Teil der religiösen Praxis, die uns Menschen zurück zu Gott führt; die Menschheit als Ganzes, wie auch jeden einzelnen Menschen. So weiß Jesus Christus in der heutigen Episode, dass er denjenigen, welchen er ‚liebhat‘, und der ‚im Sterben‘ zu liegen scheint, nicht einfach ‚von seinem Leiden erlösen‘ darf, um ihn als Ganzes zu retten. Vielmehr muss er ihn erst selbst durch das Dunkle Tal schreiten lassen, um danach an ihm die Herrlichkeit des Vatergottes offenbaren zu können.

Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta.

2Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank.

3Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank.

4Als Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde.

5Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus.

6Als er nun hörte, dass er krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war;

7danach spricht er zu seinen Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen!

8Seine Jünger aber sprachen zu ihm: Meister, eben noch wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dorthin ziehen?

9Jesus antwortete: Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Wer bei Tag umhergeht, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt.

10Wer aber bei Nacht umhergeht, der stößt sich; denn es ist kein Licht in ihm.

11Das sagte er und danach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft, aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken.

12Da sprachen seine Jünger: Herr, wenn er schläft, wird’s besser mit ihm.

13Jesus aber sprach von seinem Tode; sie meinten aber, er rede vom leiblichen Schlaf.

14Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;

15und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht da gewesen bin, damit ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm gehen!

16Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben!

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