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Desiderata (Übersetzung II)

13. Mai 2012

(nach dem Original von Max Ehrmann, sehr frei übersetzt aus dem Englischen)

Unbeirrt vom Lärm der Welt
Gehe deinen Weg,
Schätze den Frieden, der in der Stille liegt.
Die Winkelwaage halte im Gleichgewicht
Wenn du den Menschen gegenüber trittst,
Und bemühe dich, sie zu verstehen –
Ohne dich selbst aufzugeben.
Verkünde deine Blickwinkel ruhig und klar;
Doch lausch gleichermaßen den anderen Sichten,
Denen der Profanen und Dummen sogar –
Auch diese Leute haben Geschichten.

Meide die Lauten und Groben,
Denn sie sind meist Gift für den Geist.
Legst du den Zollstock an anderen an,
Führt das vielleicht zu Überheblichkeit
Oder du wirst bald verbittert sein;
Denn immer gibt es sowohl kleinere,
Wie auch größere Menschen als dich.

Genieß´ dein Erreichtes, wie auch deine Pläne.
Feile dabei weiter am rauen Stein –
So ermüdend der Prozess auch erscheint;
Diese Arbeit ist das wohl höchste Gut
Auf dem musivischen Pflaster der Zeit.

Sei umsichtig in all deinem Tun;
Denn voll ist die Welt von Finsternis.
Doch sei deswegen nicht blind für das Licht;
Viele der Menschen bauen schon mit
An Salomos Tempel der Humanität,
Die Bruderkette reicht um die Welt.

Sei du selbst.
Und richte dich stets am Senkblei aus.
Auch die Liebe gib niemals auf;
Denn im Angesicht aller Unbeständigkeit
Bleibt sie der Zirkel der Zeit.

Die Weisheit des Alters nimm herzlich entgegen.
Die Stärke des Geistes im Blick.
Die Schönheit der Jugend bewahre im Innern.
Es seien dir diese drei Säulen ein Schild
Gegen das drohende Schwert fremder Hand.
Doch verliere dich nie in der Furcht vor dem Dunkeln.
Denn so viele Ängste erwachsen
Nur aus Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei aller gesunden Arbeit am Stein,
Gönne dir auch Freude am Licht.
Du bist ein Kind des Universums;
So wichtig wie Bäume und Sterne
Hast auch du alles Recht, hier zu sein.

Und ob du dir dessen bewusst bist oder nicht,
Es besteht kein Zweifel daran:
Das Universum entfaltet sich
Wie vorgesehen. Also lebe im Einklang
Mit dem Großen Erbauer aller Welten –
Was auch immer dies´ Wort dir bedeutet,
Und wie auch dein Streben, deine Arbeit sich darstellt,
Bewahre den Frieden der Seele
In den dröhnenden Wirren des Lebens.
Trotz aller Heuchelei, allem Mühsal
Und all den zerbrochenen Träumen,
Ist es doch eine fantastische Welt.
Erfreu dich an ihr und an dem,
Was noch aus ihr werden kann.

Strebe nach dem kubischen Stein!

From → Gedichte, Literatur, Lyrik

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