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Zwei Perspektiven

3. September 2011

„Wir drängten uns also gerade alle um die Speisen, die der alte Riese uns zu unsern Füßen hatte hingeworfen, und rechneten mit nichts schlimmem. Aber dann geschah es: Der gütige Alte war längst fort und es waren nur noch zwei jüngere Geschöpfe in der Nähe. Beide kauten sie an diesen glänzenden Objekten, die so groß sind, wie unsereins, die manchmal auf der Erde herumstehen und von verwahrlosten Riesen gesammelt werden. Dabei verständigten sie sich angeregt in ihren dröhnenden Lauten. Und auf einmal, als sich alle von uns gerade um das üppige Mahl drängelten, schleuderte der eine Riese das Ding aus seiner Klaue mitten in unsere Gruppe hinein und es traf meinen Cousin im Rücken, wodurch das Teil in tausend scharfe Splitter zersprang und in alle Himmelsrichtungen zerstieb. Wir andern konnten uns auf die oberen Geschosse retten, aber meinem armen Vetter erging es nicht so gut. Ein Bruchstück dieser Art Bombe hatte sich wohl in seinen Nacken gebohrt und das Blut sprieß ihm nun aus dem Hals. Wir haben nur von oben auf ihn hinunter schauen können, keiner hätte etwas tun können, selbst wenn diese Monster weg gewesen wären. Er verlor einfach zuviel Blut.“ – „Oh, mein Gott!“ haucht sein Zuhörer nur sichtlich geschockt. „Er wand und wälzte sich in Agonie auf dem Boden und das Blut quoll in rhythmischen Stößen aus seinem sich krümmenden Leib hervor. Nach einer knappen Minute kam ein weiterer Riese hinzu, ein älterer wieder, während die anderen beiden glotzend dastanden und ihr teuflisches Werk bewunderten. Es kam zu irgendeiner Auseinandersetzung, die natürlich keiner von uns verstehen konnte, aber wir glauben, der Alte verlangte von den Jüngeren, sie mögen das Leiden unseres Kumpanen doch bitte beenden. Aber die Jünglinge weigerten sich anscheinend. Dann nahm der Alte irgendwann eine Maschine aus seinem Gewand und bedrohte die anderen damit, worauf diese sich vom Schauplatz entfernten und auch nicht wiederkamen. Inzwischen war mein Cousin dann auch verblutet und regte sich nicht mehr.“ Der Erzähler senkt den Kopf. „Gott möge ihn gebührend empfangen haben.“
„Stell dir vor, wir kommen jetz um die Ecke und sehn, die Bullen sind tatsächlich gekomm und ham alles abgesperrt mit diesen roten Bändern! Hahaa…“ – „Jaja, und auf´m Boden is sone Kreidemarkierung, wo die Leiche lag … tehee!“ – „Ganz ehrlich: Die tat mir schon bissi Leid dann, als sie so abgespastet is und des Blut rausgespritzt kam … Aber, als ob ich der dann noch mal eine übern Kopp ziehn würd´ … die Omma hat se doch net alle!“ – „Aber eeehrlich! Aber wie lustig, dass die echt die Polizei wegen so was ruft!“ – „Ach, ich glaub nicht, dass die echt angerufen hat …“ – „Ach was, glaub mir! Diese alten Leute sind so kaputt! Nur, als ob die Bullen kommen würden … wegen ner toten Taube …“

From → Kurzgeschichten

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