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S-E-N

3. September 2011

Alex nimmt einen Schluck seines Bieres und stellt es auf den Pflasterstein, sodass es überschwappt. “Hab ich dir scho erzählt … nein eh nicht, aller ich erzähl dir jetz: So Mädchen auf Baustelle man denkt immer, die sinn eh alle mies eklig, fett und Hände wie Schleifpapier, du weißt …” Er lacht dreckig  und ich stimme grinsend zu. “Auf jedn Fall – bei uns gibs drei Mädchen, zwei sind auch voll hässlich, aber die eine aller – die geeeht schon, echt jetz. Klein und süß, hübsches Face – und ich schwör dir, ich bin da auf diese Lehrgang echt der Oberchecker, mann! Hehee, einziger Frankfurter weisstu, die andern Schmocks da alle voll verlaucht, ham irgenwelche Latzhosen an oder was weissich … Gel is für die Fremdwort, aller. Ich komm da halt an – Frankfurt, Gettho-Style, Nike-Schuhe, Lederjacke Standart.” Er hält kurz inne. “Und ich schwöa dia,” seine Stimme wirkt plötzlich beschwörend: “diese eine geile Chaya in Unterricht, die kuckt mich gaaanze Zeit an, aller. Du weißt,  heutzutage in Unterricht ich bin leise, kein Meter Klassenclown, des machen andere da, irgenwelche Downs, die behindert sind. Ich bin gut in Unterricht auch halt bei Theorie undso, hab bei beide Lehrgänge jetz Note  Zwei bekomm. Und dann auf jednfall, in Pause ich geh hin zu der Kleinen und mach gaanz gechillt, hey, wie siehts aus, wolln wir Kaffee trinken gehn, dick billig hier, nur ein Euro, kann ich mir leisten undso … auf jeden Fall dann, direkt, die fängt an: Joh, ich trink goa ka Kaffeeee, des moag i goa niett … undsoweita aller! Bayrische Akzent, mann! Und ich schwöööre dir: Die hat gar net mehr aufgehört. Kennstu des, wenn jemand anfängt zu reden und” er untermalt seine Erzählung mit zwei plappernden Händen “… einfach net mehr aufhört, ohne Punkt und Komma aller, blabla, von einem zum andern Thema springen, ich hör schon längst net mehr zu, halt au noch dieser bayrische Akzent…” – “Dialekt.” Korrigiere ich ihn, jetzt, wo er den Fehler das zweite Mal begeht, und es mir als Linguisten natürlich in den Ohren schmerzt. “Was?” fragt Alex “Egal, erzähl weiter.” sag ich nur und wink leicht genervt ab. “Also, ja, mann – die redet halt immer weider, und dann iiiirgendwann: Und sonst so??” Dabei macht Alex die Geste der Dame nach. “Und sonst so, fragt die mich!! Ich denk mir nur alllller, und sag ihr mit eiskalter Miene ins Gesicht: Ey, warum können Mädchen wie du nicht an des ganze BlaBlaBla einfach öfter mal noch´n S.E.N. dranhängen?” – “Hehe!” lache ich nach kurzem Zusammensetzen der Buchstaben … Alex greift nach seiner Pulle Bier und grinst mich an. Er nimmt einen kräftigen Schluck und erzählt weiter: “Die natürlich auch erst kurz gekuckt, in ihrm Kopf abgecheckt … Ähh, was meint der … Blablabla… S-E-N … Und dann:” Alex imitiert das entsetzte Gesicht der Dame “Tsee … und dreht sich um und geht. Mein Kollege, so ein Philipp aus Bad Homburg, hat des ganze mit angehört und pisst sich übertrieben weg, rollt schon fast auf Boden vor Lachen, aller!! Hahaa! Des war schon zu krass lustig, mann, vor allem, weil ich so mit ganz ernstem Gesicht gesagt hab, und gar net geplant war, einfach spontan in mein Kopf gekomm.” Ich zieh noch einmal kräftig am Joint und gib ihn Alex. Der zieht noch zweimal und schmeißt den Fisch dann in den Gulli zu unser beider beturnschuhten Füßen.

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From → Kurzgeschichten

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